Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Obwohl er Bauer war, bevorzugte Ötzi viel Fleisch

WELT-Logo WELT 13.07.2018
HANDOUT - Unbekanntes Datum, Italien, Bozen: Das undatierte Handout des Südtiroler Archäologiemuseums in Bozen zeigt eine Rekonstruktion des Gletschermannes Ötzi. (zu dpa «Der Ötzi und der Ausstellungsstress» vom 23.03.2018) Foto: Ochsenreiter/Südtiroler Archäologiemuseum/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++(c) dpa - Bildfunk+++ |: Obwohl er Bauer war, bevorzugte Ötzi viel Fleisch © picture alliance / Ochsenreiter/ Obwohl er Bauer war, bevorzugte Ötzi viel Fleisch

Seit seiner Entdeckung 1991 hat die Gletschermumie Ötzi viele Geheimnisse preisgegeben. Nun haben Forscher seinen Mageninhalt untersucht. Der alpine Wanderer setzte vor allem auf Fleisch und Fett.

Man hat ihn als Eunuchen, Soldaten oder Händler gedeutet. Aber der Mann, der in einem Frühjahr zwischen den Jahren 3350 und 3100 über die Ötztaler Alpen in den Norden zu gelangen suchte und dabei ums Leben kam, war vermutlich "ein früher europäischer Farmer". So zumindest wird die weltberühmte Gletschermumie Ötzi von Albert Zink beschrieben, der seit 2007 das Institut für Mumienforschung in Bozen leitet. Das aber hielt den bronzezeitlichen Reisenden nicht davon ab, als Wegzehrung auf Fleisch zu vertrauen, viel Fleisch – vom Steinbock.

Das zumindest zeigt die Analyse von Ötzis Mageninhalt, die ein internationales Forscherteam um Frank Maixner vom Bozener Institut jetzt im Fachblatt "Current Biology" vorstellt. Danach hat Ötzi in den letzten Tagen vor seinem Tod Steinbock, Hirsch und Getreide gegessen und dabei reichlich Fett verzehrt. Der Gletschermann habe das Fleisch roh oder vielleicht getrocknet gegessen, es sei aber nicht stark erhitzt worden, schreiben die Forscher und gehen davon aus, dass Steinbock und Hirsch regelmäßig auf Ötzis Speiseplan standen.

Der Inhalt von Ötzis Magen war bislang – im Gegensatz zum Darm – nicht eingehend analysiert worden. Der Magen hatte sich bei der Mumifizierung in 3200 Meter Höhe an eine anatomisch ungewöhnliche Stelle im Brustkorb verschoben und war erst 2009 bei Nachuntersuchungen entdeckt worden. Auffällig ist den Forschern zufolge vor allem, dass Fett etwa die Hälfte des Mageninhalts stellte. Das würde erklären, woher der zwischen 40 und 50 Jahre alte Mann, die nötige Energie für Wanderungen in großer Höhe nahm.

"Die hohe und kalte Umgebung ist für den Körper besonders fordernd und erfordert eine optimale Nähstoffversorgung, um schnell einsetzenden Hunger und Energieverlust zu vermeiden", zitiert "Current Biology" Institutsleiter Albert Zink: "Der Eismann war sich anscheinend völlig bewusst, das Fett eine vorzügliche Energiequelle ist."

Dass Ötzi Steinbock gegessen hatte, war bereits 2002 bei Untersuchungen des Darms festgestellt worden. Die neue Studie zeigt nun, dass Steinbock und Hirsch auch am Ende seines Lebens zu seinen Mahlzeiten zählten. "Die Proteine passen zu Muskelfasern des Steinbocks", so Maixner. "Er hat also wirklich das Fleisch gegessen." Ob es sich bei dem Hirsch um Fleisch oder um Innereien handelte, konnte die Analyse nicht klären.

Die verzehrten Körner wurden als Einkorn identifiziert. Triticum monococcum gehört zu den am frühesten domestizierten Getreidesorten und wurde bereits im 8. Jahrtausend v. Chr. im Fruchtbaren Halbmond angebaut. Damit gehört es zu den Motoren der sogenannten Neolithischen Revolution, in der der Mensch mithilfe von Ackerbau und Viehzucht zur sesshaften Lebensweise überging.

Bereits frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass Ötzi laktoseintolerant war. Der Zustand seiner Zähne ist immerhin ein wichtiges Indiz dafür, dass er das Ergebnis seiner bäuerlichen Arbeit nicht verschmähte. Sein Gebiss war nicht nur von Karies befallen, sondern zeigte einen starken Abrieb, der auf kleine Steine zurückgeführt wird, die sich beim Mahlen mit dem Einkorn vermischten. Ötzis Gallensteine werden mit hohem Cholesterinspiegel erklärt, den als weiteres Leiden Arteriosklerose begleitete.

Zu ihrem Erstaunen entdeckten die Forscher in Ötzis Magen Spuren eines giftigen Farns. Möglicherweise habe er dies versehentlich aufgenommen, vielleicht aber auch, um damit Magenprobleme behandeln zu wollen, schreibt das Team. Anfang 2016 hatte die Forschergruppe herausgefunden, dass Ötzi mit einer aggressiven Variante des Magenbakteriums Helicobacter pylori infiziert war, das zu Magenschleimhautentzündungen, -geschwüren und sogar -krebs führen kann.

Doch weder das Bakterium noch das Gift beförderten Ötzis Ende, sondern ein Pfeil, der ihn von hinten in seinem letzten Lager in einer Felsmulde traf. Überhaupt war der Weg über die Ötztaler Alpen nicht ungefährlich gewesen, zeigt doch eine Wunde an Ötzis rechter Hand, dass er etwa zwei Tage vor seinem Tod einen Nahkampf bestanden hatte. Ötzi mit einer Fernwaffe aus dem Hinterhalt anzugreifen, schien seinem Mörder wohl sicherer als ein direkter Angriff. Denn das Beil aus Kupfer und der Feuersteindolch, die Ötzi mit sich führte, wiesen ihn als gefährlichen Gegner aus, von seinen magischen Tätowierungen nicht zu reden.

Deutsche Wanderer hatten die Eismumie im September 1991 in der italienisch-österreichischen Grenzregion in der Nähe des Tisenjochs Höhe entdeckt. Damit begann Ötzis Aufstieg zum beststudierten Europäer der Jungsteinzeit. Maixner will sich weiterhin der Ernährung Ötzis widmen. Eine Idee ist es, seine Darmflora mit der heutiger Menschen zu vergleichen.

Mehr auf MSN

NÄCHSTES
NÄCHSTES
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon