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Wem gehört der deutsche Wald?

DIE WELT-Logo DIE WELT 20.03.2017

90 Milliarden Bäume gibt es in Deutschland - und sie wachsen wie entfesselt. Es dauert nur Sekunden, bis das Material für ein neues Holzhaus nachgewachsen ist. Was Sie sonst noch über den Wald wissen sollten - in 7 Punkten.

Was wächst im Wald?

Nebelschwaden zwischen den Baumwipfeln im Bayerischen Wald © Armin Weigel/dpa/picture alliance Nebelschwaden zwischen den Baumwipfeln im Bayerischen Wald

Etwa 90 Milliarden Bäume stehen im deutschen Wald. Die häufigsten Baumarten sind die Fichte (26 Prozent), gefolgt von Kiefer (23 Prozent), Buche (16 Prozent), Eiche (neun Prozent) und Birke (vier Prozent.) Ein Drittel des Bundesgebiets ist bewaldet; das sind 11,4 Millionen Hektar. Und die Fläche nimmt weiter zu. In nur einem Jahrzehnt sind 50.000 Hektar hinzugekommen, was in etwa 70.000 Fußballfeldern entspricht. Deutschland gehört damit zu den waldreichsten Ländern Europas. Der Holzvorrat im deutschen Wald beträgt 3,7 Milliarden Kubikmeter. Alle 20 Sekunden wächst so viel Holz nach, dass es reichen würde, ein komplettes Holzhaus zu bauen.

Wie gesund ist der Wald?

Die Bäume im deutschen Wald wachsen wie nie zuvor, unter anderem wegen der hohen Stickstoffeinträge aus der Luft. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sieht trotzdem keinen Grund zur Sorge. "Die letzte Bundeswaldinventur zeigte den guten Waldzustand in Deutschland", sagt Schmidt. Im europaweiten Vergleich seien die Wälder in der Bundesrepublik im Durchschnitt älter, vielfältiger und naturnäher strukturiert.

Es scheint nahezu vergessen, dass Anfang der 80er-Jahre noch ein flächendeckendes Waldsterben prophezeit wurde. Damals hatte der schädliche saure Regen seinen Höhepunkt erreicht. Die Vorschriften für Großfeuerungsanlagen wurden verschärft, der Ausstoß von Schwefeldioxid wurde drastisch reduziert. Doch der Boden hat sich von dem Säureeintrag noch nicht erholt. Deswegen müssen die Waldflächen gekalkt werden; im Jahr 2015 waren es 57.000 Hektar. Pro Hektar werden drei Tonnen Kalk mit einem Hubschrauber ausgebracht. Die Kosten dafür liegen bei rund 350 Euro pro Hektar, die den privaten Waldbesitzern nur zum Teil erstattet werden. Bislang wurden etwa 3,5 Millionen Hektar Wald auf diese Weise behandelt.

Christoph Rullmann von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hält die heimischen Forsten insgesamt für gesund. Allerdings gebe es immer einen gewissen Anteil kranker Bäume. Früher seien vor allem Nadelhölzer betroffen gewesen, heute litten vermehrt Laubbäume. Dramatisch sei die Situation derzeit bei der Esche, deren Bestände großflächig von einem Pilz befallen sind. "Die größte Herausforderung für den Wald ist der Klimawandel", sagt Rullmann. Buchen etwa kommen mit Trockenheit schlechter zurecht als Eichen. In heißen Sommern drohen zudem vermehrt Waldbrände, die erhebliche Schäden verursachen können.

Wem gehört der Wald?

Bundesweit steigt die Nachfrage nach Wald. Landmakler Hans-Jürgen Hariefeld hat allein im vergangenen Jahr 900 Hektar Wald mit einem Gesamtwert von neun Millionen Euro an Investoren vermittelt. "Das ist deutlich mehr als in den Vorjahren", sagt Hariefeld. In Brandenburg würden Hektarpreise um 13.000 Euro erzielt, in der niedersächsischen Nordheide etwa 18.000 Euro. In Baden-Württemberg seien die Hektarpreise noch deutlich höher.

Dabei beobachtet Hariefeld auch einen neuen Typ von Waldbesitzern: Privatpersonen, die aus Liebe zur Natur ein eigenes Stück Wald besitzen wollen. Ihnen geht es mehr um Besitzerstolz als um Rendite. Knapp die Hälfte der deutschen Wälder (48 Prozent) sind in Privatbesitz. 29 Prozent der Waldfläche besitzen die Länder, 19 Prozent gehören Kirchen und Kommunen, vier Prozent sind Eigentum des Bunds.

Geld lässt sich mit einem Wald allerdings nicht so schnell verdienen. Philipp zu Guttenberg, der Präsident des Bundesverbands der Waldeigentümer, kann nur allen vom Kauf abraten, die auf Renditemaximierung aus sind. "Wald verfrühstückt man nicht, man bewirtschaftet ihn für die Nachkommen", sagt zu Guttenberg. In unsicheren Zeiten seien Grund und Boden natürlich gefragt. "Die Preise haben stark angezogen und stehen mancherorts in keinem Verhältnis zu den Erträgen", warnt er vor überzogenen Erwartungen.

Was leistet der Wald?

Wenn die Deutschen die Natur genießen wollen, dann gehen sie vor allem in den Wald. Drei von vier Deutschen machen mindestens einmal im Jahr einen Waldspaziergang. Traditionelle Freizeitbeschäftigungen wie Spaziergänge oder Joggen werden dabei durch neue Trends wie Mountainbiking und Geocaching – eine Art GPS-gestützte Schnitzeljagd – abgelöst.

Professor Peter Elsasser vom Institut für Internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie hat die Erholungsleistung des Waldes für den Menschen berechnet und kommt auf einen Wert von knapp zwei Milliarden Euro im Jahr. Umgerechnet auf die deutsche Bevölkerung über 14 Jahren, sind das je nach Bundesland pro Person zwischen 11,45 und 42,40 Euro im Jahr.

Der Wald leistet aber auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Die Bäume speichern mehr als 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Holz als nachwachsender Rohstoff ist klimaneutral und setzt bei der Verbrennung nur so viel Kohlendioxid (CO2) frei, wie zuvor gespeichert wurde. Allein im Jahr 2015 wurden so viel Durchforstungsholz und Holzabfälle für die Produktion von Strom und Wärme verwendet, dass dadurch fast 40 Millionen Tonnen CO2 eingespart wurden. Auch Sägespäne werden in Kraftwerken verbrannt. Nach Berechnungen des Deutschen Holzwirtschaftsrats speisen die zehn größten Sägewerke in Deutschland mehr Strom aus Biomasse in das öffentliche Netz ein als die fünf kleinsten Kernkraftwerke.

Was ist ein Wald wert?

Schon weil die Holzvorräte von Jahr zu Jahr zunehmen, steigen auch die Preise für Waldflächen. Nadelwald ist in der Regel ökonomisch wertvoller als Laubwald, doch auch die Qualität der einzelnen Bäume spielt eine Rolle.

Sachverständige für die Wertermittlung von Waldflächen, wie Bernhard Heuer in Nordrhein-Westfalen, können am Wuchs eines Baumes erkennen, ob der Stamm zu teurem Furnier verarbeitet werden kann oder sich nur als billiges Brennholz eignet. Ein regenreicher Standort verspricht höhere Erträge als ein trockener Südhang. Eine geschützte Lage senkt das Risiko für Sturmschäden. Das alles fließt in seine Bewertung mit ein. Auch ob ein Waldstück überhaupt erschlossen und über Wege erreichbar ist. Heuer muss diese Faktoren abwägen und sich natürlich auch am Markt orientieren. "Der Verkehrswert eines Waldes schwankt in Nordrhein-Westfalen von 30 Cent bis zu fünf Euro pro Quadratmeter in den Preishochburgen", sagt er.

Was bringt der Wald ein?

Der größte Markt für Holz ist die Bauwirtschaft, die vor allem Nadelschnittholz verwendet. Deutschland ist in diesem Bereich seit 2004 Nettoexporteur. Abnehmer sind unter anderen Österreich, Frankreich, die Niederlande und Belgien. Das Bauholz wird sogar bis in die Vereinigten Arabischen Emirate, Australien und China geliefert. Auch Eiche wird seit einiger Zeit verstärkt nachgefragt, weil aus dem Holz unter anderem Fässer für Barrique-Weine hergestellt werden. Nur 70 Prozent des jährlichen Zuwachses werden geerntet.

Nadelbäume sind mit einem Stammdurchmesser von 25 bis 30 Zentimetern erntereif, bei den Laubhölzern sind es mindestens 50 Zentimeter. Je nach Art bringt ein Baum durchschnittlicher Qualität zwischen 100 und 300 Euro ein. Ein Festmeter bestes Furnierholz dagegen kann 1500 Euro und mehr kosten. Die Rund 185.000 Betriebe, die zum "Cluster Wald und Holz" gehören, erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 170 Milliarden Euro und sichern damit rund 1,2 Millionen Arbeitsplätze; etwa 500.000 mehr als in der Automobilindustrie.

Was ist im Wald erlaubt?

Am Boden liegende Äste, Rinde und Holz dürfen für den Eigenbedarf gesammelt werde. Das gilt auch für Beeren, Nüsse, Pilze, Kräuter und Blumen. Picknicken ist erlaubt, ebenso das Radfahren und Reiten auf den Wegen. Hunde müssen angeleint werden, wobei einige Bundesländer davon Ausnahmen machen. Schlafen im Freien in einem Schlafsack ist erlaubt. Zum Zelten ist jedoch eine Genehmigung des Försters oder Waldbesitzers erforderlich.

Grillen und Lagerfeuer sind nur an ausgewiesenen Feuerstellen erlaubt. Wird die Musik dabei zu laut aufgedreht, können Geldbußen drohen. Vom 1. März bis 31. Oktober gilt bundesweit in allen Wäldern ein absolutes Rauchverbot. Aber auch die Waldbesitzer können auf ihren Flächen nicht tun und lassen, was sie wollen. Das Bundeswaldgesetz verpflichtet sie, den Wald zu erhalten und nach einem Sturmschaden oder einem Brand das Land wieder aufzuforsten.

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