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Betteln, um weiter reisen zu können – was soll das?

TRAVELBOOK-Logo TRAVELBOOK 17.07.2019 Anna Wengel

Wer Reisen will braucht Geld. Während die meisten Urlauber sich ihre Reisekosten zusammensparen, unterwegs oder zu Hause erarbeiten, entwickelt sich inzwischen ein fragwürdiger Trend: „Begpacking“. Die meist jungen „Begpacker“ finanzieren sich ihre Reisen mit erbetteltem Geld. Das organisieren sie sich an Orten, an denen es den Menschen finanziell im weltweiten Schnitt schlecht geht. TRAVELBOOK erklärt, was dahinter steckt.

Backpacker im Straßenverkehr © Getty Images Backpacker im Straßenverkehr

Reisen muss nicht teuer sein – je nachdem, wie hoch der Komfort sein soll. Reisen kann sogar um einiges günstiger sein als das Alltagsleben zu Hause. Je nach Ziel. Und je nach Zuhause. Wieso entwickelt sich also gerade der Trend, bei dem Touristen während der Reise betteln?

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Zur Erklärung: Die Bettel-Reisenden kommen tendenziell aus westlichen Ländern, reisen in typische Backpacker-Domizile in Südostasien oder Mittelamerika und sitzen dort mit Schildern auf der Straße, auf denen Ansagen stehen wie „Ich reise ohne Geld um die Welt – bitte unterstütze meinen Trip“. Dieser Trend trägt mittlerweile den Namen „Begpacking“, zusammengesetzt aus den Worten „to beg“ (zu Deutsch: betteln) und „Backpacking“ (zu Deutsch: Rucksackreisen).

Bali wehrt sich gegen Begpacker

„Begpacking“ scheint inzwischen tatsächlich so verbreitet zu sein, dass manche Länder sich gezwungen sehen, zu handeln. In Thailand werden Reisende bereits seit mehreren Jahren bei der Einreise gefragt, ob sie über genügend finanzielle Mittel für ihren Trip verfügen – ein Vorgehen, dass in reichen Ländern wie den USA, Neuseeland und auch in einigen in Europa längst normal ist.

Auch die beliebte Urlaubsinsel Bali, die zu Indonesien gehört, sieht sich nun offenbar gezwungen, Maßnahmen gegen „Begpacker“ zu ergreifen. Laut verschiedener Medien-Berichte sollen bettelnde Touristen zukünftig an ihre jeweils zuständige Botschaft übergeben werden, damit die sich dann dem finanziellen Problem – wenn es denn eins gibt – annimmt. Übrigens können die tatsächlich bei schwerwiegenden Problemen helfen, z.B. wenn man ausgeraubt wurde und deshalb keine finanziellen Mittel mehr hat.

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Bettelnde Touris nerven die Instagram-Gemeinde

Das „Begpacking“-Phänomen ist natürlich auch längst in den Social-Media-Kanälen angekommen. Etwa auf Instagram und Twitter kursieren diverse Fotos von bettelnden Touristen – nett sind die Kommentare darunter selten.

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„Es ist eine Beleidigung, in ein weniger privilegiertes Land zu reisen und weniger privilegierte Menschen zu bitten, die eigene Lebensentscheidung mitzufinanzieren!“, schreibt ein Instagram-User zum Beispiel und ein anderer wettert: „Spar für deine Reise wie jeder andere auch oder reise erst gar nicht.” Viele finden das Verhalten der „Begpacker“ einfach nur dreist und unmoralisch: „‘In meinem Gap Year habe ich meinen Weg durch Südostasien gebettelt’ ist keine coole Geschichte, Bro. (…) Schau dir die Person neben dir auf der Straße an, die keine Arme hat. Du nimmst ihr das Geld weg”, schreibt ein aufgebrachter User neben seinem Post.

Laut einem anderen ist der Trend inzwischen auch in Griechenland angekommen:

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Meinung: An diesem Trend ist alles falsch!

Liebe „Begpacker“, ich möchte euch gar nicht so schlimm bashen, wie es viele andere Medien gerade tun. Bestimmt habt ihr Gründe für eure Bettelei. Bei der Recherche zum „Begpacking“ habe ich irgendwo gelesen, dass einer – und vielleicht sogar der wichtigste – der Wunsch nach Authentizität ist. Ihr ein echtes Reiseerlebnis haben wollt. Das verstehe ich – fernab vom geschönten touristischen Luxus ist es natürlich authentischer und auch ich finde es da spannender. ABER: Authentizität funktioniert auch ohne anderen zu schaden. Das tut ihr nämlich, wenn ihr den Menschen nicht nur mit eurer Bettelei auf die Nerven geht, sondern wirklich Hilfsbedürftigen (Beispiel: der Mann ohne Beine, der mittels Betteln um sein Überleben kämpft) so das Geld wegnehmt – denn je mehr Bettler, desto weniger sind Menschen bereit, Geld abzugeben, behaupte ich.

Nun braucht ihr auch Geld für eure Reise, das verstehe ich. Reisen ist aber nicht teuer, wenn ihr tatsächlich authentisch lebt – gerade in Südostasien kostet es, verglichen mit unseren westlichen Standards, fast nichts. Und das wenige Geld könnt ihr ganz bestimmt verdienen. Zu Hause oder auch mit typischen Backpacker-Jobs unterwegs. Es gibt einfach keinen guten Grund in Länder wie etwa Indien oder Kambodscha zu reisen und euch dort neben Menschen zu platzieren, die echt Probleme haben, sich ihr und das (Über-)Leben ihrer Familie zu sichern, um eure eigene Weltreise zu finanzieren. Das ist einfach egoistisch.

Vielleicht habt ihr aber auch nicht so richtig drüber nachgedacht. Viele von euch sind jung und vielleicht das erste Mal so weit weg von der Zuhause-Blase. Der Blick aus der Komfortzone raus fällt vielleicht noch schwer oder ist ungewohnt. Hier ein kleiner Tipp: Damit ihr echte Authentizität erfahren könnt, müsst ihr die Augen aufmachen. Sehen, was um euch herum passiert – euch aus eurer selbstzentrierten Blase herausbewegen. Jeder einzelne von uns trägt Verantwortung beim Reisen. Dazu zählt nicht nur, finanziell schlechter gestellten Menschen nicht auch noch das letzte Bisschen wegzunehmen, sondern auch Dinge wie kulturelle Gepflogenheiten zu achten, seinen eigenen Müll aufzusammeln und den Orten und Menschen etwas zurückzugeben. Wir bekommen so viele unbezahlbare Momente und Erfahrungen auf Reisen. Dafür können wir alle einfach mal dankbar sein – und uns auch so benehmen.

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