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Das Tal mit dem besten Schnee in Österreich

WELT-Logo WELT 17.12.2019 Jörn Lauterbach


Es gibt ein abgelegenes Tal in Osttirol, das perfekten Puderschnee bietet. Auf Skiern oder einem Snowboard fühlt es sich an, als fliege man. Selbst mittelmäßige Wintersportler kommen sich vor wie wahre Könner.

Im Defereggental in Osttirol freut man sich über „Champagne Powder“, wie es ihn sonst nur in den Rocky Mountains gibt Quelle: Schultz Gruppe © Schultz Gruppe Im Defereggental in Osttirol freut man sich über „Champagne Powder“, wie es ihn sonst nur in den Rocky Mountains gibt Quelle: Schultz Gruppe

Zunächst geht es, von der Autobahn kommend, am einladenden Skigebiet Wilder Kaiser vorbei, dann locken Brixen im Thale und Kirchdorf – und schließlich sogar Kitzbühel! Da wäre für jeden Skifahrer fraglos etwas dabei, Sehnsuchtsorte wie die legendäre Abfahrt Streif inklusive.

Doch bis auf eine Tankpause wird kein Zwischenstopp eingelegt, denn das Ziel liegt noch weiter im Süden und wird erst hinter diversen Bergpässen und Tunneldurchfahrten erreicht: St. Jakob im Defereggental, gelegen in Osttirol.

Es muss schon sehr gute Gründe geben, um sich trotz der Verlockungen an der Strecke und trotz der längeren Anfahrt aus Deutschland bis in diesen abgelegenen Winkel Österreichs durchzukämpfen. Einen gibt es, jedenfalls für leidenschaftliche Skifahrer, auf jeden Fall: den Schnee!

„Champagne Powder“ wie in den Rocky Mountains

Das kleine Gebirgstal Defereggen, das zum Naturpark Hohe Tauern gehört, bietet Jahr für Jahr die beste Schneequalität Österreichs, die Einheimischen behaupten gar, die des gesamten Alpenraums. Statistiken der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, also der wichtigsten Wetterforscher in Österreich, können zwar die Frage der Qualität nicht endgültig beantworten, aber sie zeigen doch auf, warum ausgerechnet hier, im abgelegenen Osttirol, von „Champagne Powder“ geschwärmt wird wie sonst nur in den Rocky Mountains.

In der Kurzform lautet das Geheimnis: Es ist hier oft klirrend kalt, mit Nachttemperaturen im Januar von minus 25 Grad, gleichzeitig herrschen häufig Inversionswetterlagen vor, die Kaltluft in das Tal hineindrücken, was wiederum dem Schnee die Feuchtigkeit entzieht. Und je geringer die Feuchtigkeit des Materials, umso pudriger wird es.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

„Es staubt richtig raus“, sagt David Kleinlercher dazu. Er ist in dem Hochalpental aufgewachsen und betreibt heute eine Ski- und Freerideschule. Mit nur zwei, drei Schwüngen am Pistenrand zeigt er, was gemeint ist: Als wäre der weiße Belag gerade eben erst gefallen, flirrt er beim kleinsten Kanteneinsatz sogleich wieder hoch in die Luft und senkt sich dann derart langsam an einer anderen Stelle herab, als würde die Schwerkraft hier oben ausgesetzt sein.

Auf Skiern oder einem Snowboard fühlt es sich an, als fliege man durch den Puderschnee, selbst mittelmäßige Wintersportler kommen sich vor wie wahre Könner. Der Körper kann gar nicht anders, als unentwegt Glückshormone zu produzieren.

Weit gereiste Skifahrer kennen diese magischen Momente sonst nur aus Aspen oder Vail in den USA oder aus Kanada. Doch man könne sich die weite Reise, den Jetlag und Tausende Euro sparen, findet Kleinlercher, denn den weißen Rausch gebe es doch auch in Europa, genau in dieser Ecke der Alpen. Und er legt noch einen drauf: „Bei meinem Besuch im kanadischen Whistler war der Schnee viel pappiger als bei uns.“

Im Defereggental verzichtet man auf Skizirkus

Für das Wintersportgebiet ist diese Schneequalität ein großes Plus. Trotzdem setzt man im Defereggental nicht auf Skizirkus, sondern auf sanften Tourismus; die Hotels sind deshalb alle noch in Familienhand. Auch wenn sie es so offen nie sagen würden: Ein wenig freuen sich die Einheimischen schon über diese Bevorzugung durch die Natur.

Im Defereggental setzt man auf sanften Tourismus. Die Hotels sind alle noch in Familienhand Quelle: Schultz Gruppe © Schultz Gruppe Im Defereggental setzt man auf sanften Tourismus. Die Hotels sind alle noch in Familienhand Quelle: Schultz Gruppe

Denn natürlich wissen sie hier, dass der Klimawandel den tiefer gelegenen Wintersportorten in den Alpen viel früher die Geschäftsgrundlage entziehen wird. Manche sehen das als ausgleichende Gerechtigkeit, wurde die Gegend bei touristischen Investitionen doch gern mal übersehen.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit schneidet das Defereggental gut ab. Zwar gibt es im Skigebiet – wie quasi überall in den Alpen – Beschneiungsanlagen, aus denen Kunstschnee geblasen wird. Doch während die anderswo fast ununterbrochen im Einsatz sind, um überhaupt noch einen befahrbaren Untergrund garantieren zu können, hält man sich im Defereggental zurück.

„Wir beschneien hier eigentlich nur am Anfang der Saison, um eine feste Basis zu bekommen“, sagt Kleinlercher. „Die schützt dann die Wiesen darunter. Das ist besser, als auf den trocknenden natürlichen Schnee zu warten. Wenn der aber da ist, kommt bei uns in der Regel nichts mehr dazu.“

Die Skipisten gehen bis auf 2500 Meter hoch

Und Flocken gibt es genug. Der Hauptniederschlag kommt aus dem Süden, wenn die Wolken sich am nahen Großglocknermassiv stauen. Und wäre das nicht alles schon genug der Vorzüge, sind die Pisten auch noch alle nördlich, nordwestlich und nordöstlich ausgerichtet, die direkte Sonneneinstrahlung mit ihrer Schmelzwirkung ist also denkbar gering.

Und schon geht es mit dem wetterkundigen Guide hinunter zur Talabfahrt, die bei diesen Bedingungen nicht wegen des sonst so häufigen Sulzschnees spektakulär ist, sondern wegen des ordentlichen Gefälles. St. Jakob kommt irgendwann ins Blickfeld, das auf 1398 Metern liegt, also in einer Höhe, auf der manche Skigebiete ihren Höhepunkt erreichen.

Die gerade absolvierten, wunderbar breiten Pisten gehen bis auf 2500 Meter hoch und bald noch mal 200 Meter höher, ein Sessellift soll den 2820 Meter messenden Großen Leppleskofl noch besser erschließen. Die hohe Gebirgskette hat allerdings auch einen Nachteil: Die tief stehende Wintersonne findet über Monate keinen Weg in weite Bereiche des Tals.

Genussskifahrer würden Kälte und Dunkelheit aber nicht abschrecken, sagt David Kleinlercher abends beim Tee im Hotel. Schließlich gebe es an allen Pisten schöne Hütten, in denen man sich aufwärmen könne. Ansonsten gelte: „Du musst dich eben gscheit anziehen!“

Tipps zum Skifahren in Osttirol

Anreise: Von München aus fährt man in rund sechs Stunden auf der Autobahn über Salzburg nach Lienz, von hier führt die Passstraße in das Defereggental und weiter nach St. Jakob. Lienz ist in knapp vier Stunden von Innsbruck aus auch mit dem Zug zu erreichen, die letzte Wegstrecke muss dann mit dem Bus zurückgelegt werden.

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Skisaison und Preise: Insgesamt stehen direkt in St. Jakob 23,7 Kilometer an Pisten zur Verfügung, dazu kommt ein großes Freeride-Gebiet; fünf Prozent davon sind anspruchsvolle schwarze Pisten. Wegen der Nordlage der Hänge ist Skifahren bis Mitte April gut möglich. Weitere schöne Skigebiete gibt es in der Nähe auch rund um Lienz. Ein Skipass in der Hauptsaison für fünf Tage kostet 224 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre zahlen die Hälfte.

Unterkunft: Größtes Hotel am Ort ist das „Hotel Alpenhof“ (vier Sterne), das einen weiten Panoramablick auf die Hohen Tauern und eine Nachmittags-Jause für hungrige Skifahrer bietet. Auch einen Pool gibt es sowie einen Shuttle-Service zu den nahen Bergbahnen. Sieben Nächte im März inklusive Frühstück und Abendessen kosten ab 1530 Euro pro Person im Doppelzimmer (alpenhofosttirol.com). Günstiger sind sieben Nächte in der Pension „Ledererhof“ (über osttirol.com) zu haben (ohne Mahlzeiten), hier werden ab 431 Euro pro Kopf im Doppelzimmer fällig. Direkt an der Talstation des Skigebiets Brunnalm liegt der „Jesacherhof“ (vier Sterne), hier gibt es die Juniorsuite für zwei Erwachsene und sieben Nächte inklusive Frühstück Mitte März ab 1764 Euro (jesacherhof.at).

Weitere Infos: Osttirol Information, osttirol.at; St. Jakob im Defereggental, stjakob-ski.at

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Osttirol. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.de/unabhaengigkeit.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

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