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El Hierro – die vergessene kanarische Insel

DIE WELT-Logo DIE WELT vor 4 Tagen

Ruhe und Einsamkeit sucht man auf den Kanaren zur Hochsaison meist vergebens. Es sei denn, die Reise geht nach El Hierro. Die kleine Insel bietet traumhafte Wanderwege und Möglichkeiten für Taucher.

Sabine Rahtjen hat eine interessante Art, Urlaubern Lust auf die zweitkleinste der Kanarischen Inseln zu machen. Auf der Finca La Paz erzählt sie Besuchern erst einmal, was man auf El Hierro nicht findet.

"Es gibt keine Industrie, keine großen Hotels, keine Autobahnen, keine Kinos, keine Ausgehmeilen, Einkaufszentren, Vergnügungsparks, Golfplätze und nicht einmal Kleinstädte." Na toll.

Und was gibt es? "Ein paar kleine Dörfer, einsame Natur, viel Ruhe und Entspannung. Auf El Hierro kann man richtig entschleunigen, wie es so schön auf Neudeutsch heißt", sagt Rahtjen, 56, Physiotherapeutin aus Hamburg. Sie lebt seit 15 Jahren auf El Hierro. Im Ort Guarazoca kaufte sie eine alte Eselfarm und wandelte sie zur Biofinca mit gemütlichen Holzhütten für Urlauber um.

Manchmal arbeitet sie als Reiseführerin für die wenigen deutschen Touristen, die es nach El Hierro verschlägt. Doch normalerweise baut sie in ihrem Garten allerlei Gemüse für ihre Gäste an. Eier gibt es ebenso wie Ziegenkäse, Joghurt und Milch aus eigener Produktion.

Zum Themendienst-Bericht von Manuel Meyer vom 16. Mai 2017: Speisen mit Meerblick: Am Aussichtspunkt Mirador de la Peña liegt ein Restaurant mit Panorama-Ausblick. (Archivbild vom 4.4.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn © dpa-tmn Zum Themendienst-Bericht von Manuel Meyer vom 16. Mai 2017: Speisen mit Meerblick: Am Aussichtspunkt Mirador de la Peña liegt ein Restaurant mit Panorama-Ausblick. (Archivbild vom 4.4.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Der Hippiestil der Finca ist nicht jedermanns Sache, aber der Entspannungsfaktor ist hoch. Genauso wie die Ausblicke, die man von der 600 Meter hoch gelegenen Finca auf den Atlantik und die Nachbarinseln La Palma, La Gomera und Teneriffa hat.

Nach El Hierro kommen nur wenige Urlauber

Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich der Aussichtspunkt Mirador de La Peña mit dem vom spanischen Künstler César Manrique konzipierten Panoramarestaurant. Tief hinab schweift der Blick ins Tal von El Golfo, wo Ananas, Bananen und Papayas gedeihen.

Man sieht vereinzelt Dörfer. Vor allem aber wird klar: El Hierro ist spärlich besiedelt. Gerade einmal 6000 Menschen leben auf der 278 Quadratkilometer großen Vulkaninsel.

Selbst zur touristischen Hochsaison im Sommer herrschen Einsamkeit und Ruhe. Im Jahr 2016 verirrten sich nur 21.000 Besucher auf die Insel, davon knapp 5000 aus dem Ausland. Die Herreños nennen ihre Insel auch heute noch "die Vergessene".

Kein Hotel auf der Insel ist besonders groß. Während die Häuser im zubetonierten Süden Teneriffas mit Überbuchungen kämpfen, freuen sich die wenigen Hotelbesitzer auf El Hierro schon über ein halbes Dutzend Gäste. Nur knapp 900 Gästebetten stehen auf der Insel zur Verfügung, die meisten in Landhäusern oder Ferienwohnungen.

Es gebe zwei Gründe, warum so wenige Touristen nach El Hierro kommen, meint César Espinosa. "Erstens gibt es keine Direktflüge vom Festland. Zweitens kaum schöne Badestrände", sagt der Verantwortliche des Biosphärenreservats, zu dem die gesamte Insel im Jahr 2000 von der Unesco erklärt wurde. Und so sieht die Insel auch aus.

The small coastal village of Las Puntas on the tiny Canary Island of El Hierro. © Getty Images The small coastal village of Las Puntas on the tiny Canary Island of El Hierro.

Die Insel will die sauberste und grünste der Welt werden

Mehrstöckige Bausünden wie auf anderen Kanaren? Fehlanzeige! Müll am Straßenrand oder auf Wanderwegen? Gibt es nicht! Sogar die Energieerzeugung ist hier nachhaltig. "Unser Ziel ist es, in den kommenden Jahren zu 100 Prozent regenerativen Strom zu erzeugen", sagt Espinosa und weist auf fünf Windräder und zwei Wasserbecken hin, die in Vulkankratern installiert wurden.

Zum Themendienst-Bericht von Manuel Meyer vom 16. Mai 2017: Wild ist die Küste von El Hierro - Badestrände gibt es nicht. (Archivbild vom 4.4.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn © dpa-tmn Zum Themendienst-Bericht von Manuel Meyer vom 16. Mai 2017: Wild ist die Küste von El Hierro - Badestrände gibt es nicht. (Archivbild vom 4.4.2017/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn

Schon jetzt könne man rein theoretisch die komplette Insel vom Wind- und Wasserkrafterzeuger Gorona del Viento versorgen lassen. Doch es ist technisch noch riskant und gesetzlich verboten, den gesamten Stromverbrauch mit schwer kalkulierbaren regenerativen Energiequellen abzudecken.

Um den überschüssigen grünen Strom zu verbrauchen, will die Inselregierung nun neue Elektrobusse einführen und Aufladestationen für Elektroautos und -fahrräder installieren. Bis El Hierro wirklich die "sauberste und grünste Insel der Welt" ist, wird es also noch ein wenig dauern. "Doch das ist unser Ziel. Wir wollen nachhaltigen Naturtourismus, keinen Massentourismus", sagt Espinosa. Das Konzept lässt sich allerdings schwer vermarkten.

Die höchste Vulkandichte auf den gesamten Kanaren

Von Massentourismus und Hotelklötzen blieb El Hierro bislang verschont. Das nobelste Hotel der Insel, ein Haus der spanischen Hotelkette Paradores, befindet sich in der Bucht Las Playas. © Getty Images/Flickr Open Von Massentourismus und Hotelklötzen blieb El Hierro bislang verschont. Das nobelste Hotel der Insel, ein Haus der spanischen Hotelkette Paradores, befindet sich in der Bucht Las Playas.

Genauso schwer fällt es, sich auf El Hierro Touristenbusse und Hotelburgen vorzustellen. Vor allem im Westen, wo Paolo Cossovel heute seine Wanderführung beginnt. Kein Handyempfang, keine Dörfer.

Man erschrickt fast, wenn einem mal ein anderer Wanderer entgegenkommt. "500 Krater und Vulkankegel gibt es auf El Hierro. Die höchste Vulkandichte auf den gesamten Kanaren", sagt Cossovel.

Lavafelder wechseln sich mit dichten Kiefernwäldern ab. In der Hochebene führen im Wacholderwald El Sabinar Sandpisten zu verkrüppelten, jahrhundertealten Bäumen. Wenige Kilometer weiter taucht der Wanderführer in die Nebelwälder von Fayal ein, wo Baumheiden einen verwunschenen Märchenwald bilden. Alle zehn Minuten eine andere Naturlandschaft, ein anderes Mikroklima. Ein Traum für Wanderer, Naturfreunde und Geologen.

Und auch für Taucher: Große Teile der Küste stehen unter Naturschutz, etwa das Meeresschutzgebiet Mar de Las Calmas bei La Restinga im vulkanisch-kargen Süden der Insel. Fischerei ist hier nur begrenzt möglich. So wurde das Gebiet zum Tauchspot. Bei El Bajón, einer aus fast 100 Meter Tiefe aufsteigenden Felsnadel, tummeln sich Rochen, Barrakudas, riesige Fischschwärme und gelegentlich sogar Walhaie.

Tipps und Informationen

Anreise: Zum Beispiel mit Easyjet von Berlin nach Teneriffa oder mit Condor von Frankfurt nach La Palma. Weiter nach El Hierro mit Propellerflugzeugen (binternet.com). Alternativ per Fähre ab Los Cristianos auf Teneriffa.

Unterkunft: Infos unter elhierro.travel

© Infografik Die Welt

Auskunft:spain.info; elhierro.es

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