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Kaiserliche Kulisse: Der Krka-Nationalpark in Kroatien

dpa-Logodpa 17.09.2021 dpa
Kroatiens Krka Nationalpark ist eines der schönsten Naturwunder des Landes. Nicht umsonst kommen in den Sommermonaten zahlreiche Tagesausflügler. © Ivo Biocina/CNTB/dpa-tmn Kroatiens Krka Nationalpark ist eines der schönsten Naturwunder des Landes. Nicht umsonst kommen in den Sommermonaten zahlreiche Tagesausflügler.

Als der Kaiser kam, standen die Menschen in Massen auf den Hügeln über der Krka. Sie feuerten mit Pistolen in die Luft, riefen immer wieder «Hurra». Es war das Jahr 1875, Franz Joseph I. herrschte über Österreich-Ungarn und gab seiner ärmsten Provinz Dalmatien die Ehre. Für den hohen Besuch wurde eine Aussichtskanzel gebaut, eine runde Säulenbrüstung über den tosenden Wassern.

Der Kaiser soll lange hier gestanden haben, heißt es, ergriffen von dem majestätischen Ausblick. Unter ihm rauschte der smaragdgrüne Fluss den Skradinski-Buk-Wasserfall hinab, eine Freitreppe aus 17 Travertinstufen, eingefasst von Weiden und Kiefern.

Der berühmteste und schönste Wasserfall des Krka-Nationalparks ist insgesamt 45,7 Meter hoch, je nach Wassermenge 200 bis 400 Meter breit und 800 Meter lang. Als Kulisse ist er derart spektakulär, dass die Macher der Karl-May-Filme hier Szenen für gleich mehrere Wildwest-Abenteuer drehten. Auch deshalb kommen seit den 1970er Jahren immer mehr Touristen in den Nationalpark. Im vergangenen Jahr wurden an manchen Sommertagen knapp 10.000 Besucher gezählt.

Der Skradinski Buk ist der berühmteste und schönste Wasserfall des Krka-Nationalparks. Er war Filmkulisse für mehrere Karl-May-Filme. © Zoran Jelaca/CNTB/dpa-tmn Der Skradinski Buk ist der berühmteste und schönste Wasserfall des Krka-Nationalparks. Er war Filmkulisse für mehrere Karl-May-Filme.

Gefährlicher Badespaß

Die Stromschnellen und Kaskaden der Krka sind über Jahrtausende aus dem Kalkgestein Travertin gewachsen. © Florian Sanktjohanser/dpa-tmn Die Stromschnellen und Kaskaden der Krka sind über Jahrtausende aus dem Kalkgestein Travertin gewachsen.

Nur die Plitvicer Seen ziehen in Kroatien noch mehr Gäste an. Doch ihnen gegenüber hatte die Krka, angeblich einer der drei saubersten Flüsse Europas, lange einen entscheidenden Vorteil: In ihr durfte man baden. Einst tauchten Mutige sogar unter der Wassergardine hindurch und sprangen von den Travertinstufen in den Naturpool. Doch es kam, wie es kommen musste: Es gab Tote, die Kaskaden wurden gesperrt.

Die Kleinstadt Skradin mit ihren knapp 4000 Einwohnern zählt zu den ältesten Städten in Kroatien. © Ivo Biocina/CNTB/dpa-tmn Die Kleinstadt Skradin mit ihren knapp 4000 Einwohnern zählt zu den ältesten Städten in Kroatien.

Seit Januar 2021 ist das Baden nun ganz verboten, zum Schutz der Natur. Denn seit 1985 ist der Flusslauf der Krka zwischen den Städten Knin und Skradin ein Nationalpark.

Innerhalb seiner Grenzen liegen sieben Wasserfälle, alte Mühlen und Webereien, eine Klosterinsel und die Ruinen einer römischen Militärstadt. Die Ausflügler bekommen nur einen kleinen Teil davon zu sehen. Es ist schlicht zu viel für einen Tag - außer, man will im Laufschritt durch dieses Naturwunder hetzen. Besser ist es, man nimmt sich Zeit so wie einst der Kaiser.

Am Ufer des Flusses Krka liegen alte Mühlen und Schmieden, Webereien und Wäschereien. © Florian Sanktjohanser/dpa-tmn Am Ufer des Flusses Krka liegen alte Mühlen und Schmieden, Webereien und Wäschereien.

Auf dem Holzweg um die Fälle

Eine Angestellte des Ethnomuseum zeigt, wie an alten Webstühlen gearbeitet wurde. © Florian Sanktjohanser/dpa-tmn Eine Angestellte des Ethnomuseum zeigt, wie an alten Webstühlen gearbeitet wurde.

Den Silbersee würden Winnetou-Fans kaum mehr erkennen, auch wenn sein Wasser smaragdgrün leuchtet wie im Film. «Seit kein Holz mehr geschlagen wird, ist er zugewachsen», sagt die Gästeführerin Veronika Milin.

Wer dem Trubel im Nationalpark entkommen will, steigt in eines der Boote zur Insel Visovac. © Franziska Gabbert/dpa-tmn Wer dem Trubel im Nationalpark entkommen will, steigt in eines der Boote zur Insel Visovac.

Der kleine See liegt an dem langen Rundweg aus Holzplanken, der um den Skradinski Buk führt. Wer den Wasserfall ohne Horden quasselnder Besucher erleben will, sollte in der Nebensaison kommen. Oder in der Hochsaison um 8.00 Uhr in Skradin am Pier stehen. Dann legt das erste Boot in Richtung Nationalpark ab.

Jahrhunderte alte Waschmaschinen

Die Kaskaden des Skradinski Buk erstrecken sich je nach Wassermenge über eine Länge von bis zu 800 Metern. © Florian Sanktjohanser/dpa-tmn Die Kaskaden des Skradinski Buk erstrecken sich je nach Wassermenge über eine Länge von bis zu 800 Metern.

Die Krka war nicht immer so idyllisch. Einst lag an ihrem Ufer ein Industriezentrum, angetrieben von der Kraft der Wasserfälle. «Keiner wollte hier leben», sagt Veronika Milin. «Es war viel zu laut.»

Milin führt in ein steinernes Gewölbe, zur «ältesten Waschmaschine der Welt»: ein Becken im Felsboden, in den das Flusswasser so geleitet wurde, dass es schnell zirkulierte. Seit dem 17. Jahrhundert wuschen die Frauen hier in einer Lauge ihre Bettwäsche und Decken. Arme Leute, die in Häusern ohne Wasseranschluss lebten, kamen bis in die 1980er Jahre mit ihrer Wäsche hierher.

Noch wichtiger aber waren die mächtigen Mühlsteine in anderen Steinhäuschen, mit denen Bauern aus der Umgebung seit der Antike ihr Getreide mahlten. Andere Flüsse trocknen im Sommer aus, die Krka aber führt das ganze Jahr über genug Wasser, um die Mühlen anzutreiben.

Das Amphitheater im kroatischen Burnum haben Archäologen erst im Jahr 2002 entdeckt. Es wird vermutet, dass reisende Gladiatoren dort Schaukämpfe ausgefochten haben. © Domagoj Blazevic/CNTB/dpa-tmn Das Amphitheater im kroatischen Burnum haben Archäologen erst im Jahr 2002 entdeckt. Es wird vermutet, dass reisende Gladiatoren dort Schaukämpfe ausgefochten haben.

Heute sind die renovierten Steinhäuschen aus dem 13. Jahrhundert ein Ethnomuseum. Auf den Treppen und gepflasterten Plätzen stehen junge Frauen in dalmatinischer Tracht herum. Wenn man nett nachfragt, setzen sie sich gerne an den Webstuhl in der Stube, greifen sich die Spindel und legen los. An den Wänden der Webstube hängen bunt gemusterte Teppiche und Taschen.

Die Insel der gärtnernden Mönche

Wer dem Trubel im Herzen des Nationalparks entkommen will, steigt in eines der Boote zur Insel Visovac. Die Fahrt über den gleichnamigen See ist herrlich und die Insel eine Oase der klösterlichen Ruhe. Im Jahr 1445 sind die ersten Franziskaner vor osmanischen Truppen hierher geflohen.

Lapis Alba wurde die Insel damals genannt, weißer Stein. Tatsächlich bestand sie aus nicht viel mehr als Felsen. Bis die Mönche ihr Kloster gründeten und begannen, Erde aufzuschütten und Obst und Gemüse anzubauen. Regen sammelten sie in einer Zisterne, weil das Wasser durch den Kalkboden hindurch sickert.

Noch heute wachsen im Klostergarten Tomaten, Auberginen und Zucchini. Besucher der Insel schlendern unter Zypressen und Platanen. Um ihre Ruhe nicht allzu sehr zu stören, dürfen die Besucher nur eine halbe Stunde auf der Insel bleiben. Wenig Zeit, um all die Schätze im Klostermuseum zu sehen.

Ein Legionärslager als archäologische Sensation

Je weiter nördlich man im Nationalpark fährt, desto ruhiger wird es. Nach Burnum verirrt sich kaum noch jemand. Erst im Jahr 2002 entdeckten Archäologen auf Satellitenbildern eine Ellipse aus Schutt, eingefasst von einem Mäuerchen, überwuchert von Büschen und Bäumen. Der Fund oberhalb der Krka war eine Sensation: ein römisches Amphitheater.

Von 2003 bis 2005 gruben Forscher die Arena aus. Heute ist sie das Zentrum eines Archäologieparks mit neuem Museum, der bisher allerdings wenig Touristen anzieht. Der Großteil des Lagers ist noch von Erde und Staub bedeckt. Aber seit 2010 zeigt ein neues Museum Artefakte, die im Amphitheater gefunden wurden.

Historiker schätzen, dass in Burnum rund 30.000 Römer lebten. Sie hatten sich einen guten Platz ausgesucht: hoch über dem Ufer, mit weitem Ausblick in die Schlucht - und auf den Manojlovacki Slap, den höchsten Wasserfall der Krka. Seine Stufen sind insgesamt knapp 60 Meter hoch. Ein neuer Weg führt zu einer Aussichtsstelle, eine Plakette auf einem Felsen erinnert an Franz Joseph I. Der Kaiser ließ sich auch diesen fantastischen Ausblick nicht entgehen.

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