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Fürs perfekte Bild: Instagramer zertrampeln Lavendelfelder in der Provence

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 15.08.2019 Sarah Peters
Die malerische Kulisse der Lavendelfelder in Südfrankreich zieht viele Touristen an. © Getty Images/iStockphoto Die malerische Kulisse der Lavendelfelder in Südfrankreich zieht viele Touristen an.

Intensiver Duft liegt in der Luft, dazu violette Blütenreihen bis zum Horizont: Die Provence-Region in Südfrankreich ist für ihre wunderschönen Lavendelfelder weltweit gekannt. Doch genau dieser Ruhm schadet dem Anbau der duftenden Pflanze zunehmend.

Seit rund 10 Jahren reisen immer mehr Menschen auf der Suche nach dem perfekten Foto zur Lavendelblüte beispielsweise nach Valensole im französischen Département Alpes-de-Haute-Provence im Südosten Frankreichs. Angelockt werden sie von den Bildern, die sie auf Instagram oder anderen Foto-Plattformen im Internet sehen. Allein unter dem Hashtag #lavenderfields finden sich knapp 169.000 Beiträge auf Instagram (Stand 13.08.2019).

Touristen zerstören die Felder und pflücken ganze Sträuße

Was die Bilder nicht zeigen: Auf der Suche nach dem perfekten Foto zertrampeln die Touristen die Lavendelfelder und zerstören den Bauern ihre Ernte. Manche pflücken nicht nur einzelne Blüten sondern ganze Sträuße und nehmen diese als Souvenir mit. Ebenfalls nicht auf den Fotos zu sehen sind die Menschenmassen, die am Feldrand darauf warten, bis sie an die Reihe kommen. Die Schlangen an parkenden Autos oder die Trittleitern, auf denen die Fotografen stehen, um ihre Models abzulichten. 

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Kein Wunder, dass die Bauern genervt und wütend sind, sie müssen um ihre Existenzgrundlage fürchten. In „France 3“ etwa sagt der Bauer Rémi Angelvin, er finde es zwar generell gut, dass so viele Touristen in die Region kommen. Doch viele würden die Natur nicht ausreichend respektieren. „Für uns bedeuten diese Felder die Arbeit eines ganzen Jahres“, so Angelvin weiter. Nicht selten müsse er Touristen ganze Lavendelsträuße wegnehmen, die diese einfach gepflückt hätten. Dabei sei den meisten nicht bewusst, dass die frei zugänglichen Felder nicht zur freien Verfügung stehen würden. „Ich versuche ihnen dann klar zu machen, dass es so ist, als würde man zu ihnen nach Hause gehen und sich an ihren Pflanzen im Garten bedienen."

Bauern wehren sich mit Plakaten

Das Problem hat – befeuert durch Influencer und ihre Fotos auf Instagram – Ausmaße angenommen, durch die sich die Bauern genötigt sehen zu handeln. Mit Plakaten auf den Feldern machen sie auf ihre Situation aufmerksam. Das zeigt zum Beispiel der Fotograf Paul Reiffer auf Twitter. Auf dem Plakat, das Reiffer gepostet hat, steht der Schriftzug „Respect our work please“ (auf Deutsch: „Bitte respektiert unsere Arbeit“).

Eine andere Maßnahme ergriffen genervte Bauern der 30 Kilometer von London entfernten Mayfield Lavender Farm: Sie beschlossen, für den Zugang zu ihren Lavendelfeldern Eintritt zu verlangen. Rund 2,50 Pfund, also knapp 2,60 Euro müssen Touristen nun bezahlen, um die Felder fotografieren zu können. Das Ziel der Betreiber: den aus dem Ruder gelaufenen Besucherfluss zu kontrollieren. Ein kleines Schmankerl haben sie sich auch einfallen lassen: Die Farm hat eine typisch englische Telefonzelle installiert, um den Ort für die Instagram-Community noch attraktiver zu machen. 

Weil immer wieder Touristenmassen durch Instagram-Posts und deren Geolokalisierung an Orte gelockt werden, die dann unter den Menschenmassen leiden, schlägt die Umweltorganisation WWF vor, dass man künftig alle Bilder statt mit dem offiziellen Ort mit „I protect nature“ (Deutsch: „Ich schütze die Umwelt“ auf Instagram posten solle. Dahinter steckt die Pariser Adresse der WWF-Zentrale. Die neue Kampagne des WWF Frankreich soll auf das Problem aufmerksam machen. Das ist eventuell keine so schlechte Idee. (sar)

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