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Rheinland für Entdecker: Maastricht – Eine Stadt für Genießer und Träumer

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 17.07.2018 ksta
MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231348: Panoramablick auf die Maas und Maastricht © Jana Bauch Panoramablick auf die Maas und Maastricht

Laurent Theunissen war einst ein Rebell – weil er gerne Fahrrad fährt. Denn Maastricht ist nicht Amsterdam, ist nicht Den Haag, ist nicht der liberale Norden. Die Hauptstadt der niederländischen Provinz Limburg ist im Gegensatz zum Rest des Landes römisch-katholisch geprägt. Und dazu gehört laut  Theunissen auch: „Fahrradfahren ist für die Menschen hier etwas Anstrengendes, etwas, das man nicht aus Lust und Laune tut, sondern um Sport zu machen.“

Aber Radeln, das sei etwas so wunderbar Befreiendes, findet  Theunissen. Und deshalb kämpft er seit 40 Jahren dafür, dass die Maastrichter auch aus reinem Vergnügen Radfahren, „weil es für alle besser ist: für die Stadt, für die Umwelt, für die Gesundheit“. Und seine Meinung wird inzwischen auch gehört. 59-Jährige ist selbst ernannter und selbstständiger Fahrradspezialist. Als junger Mann studierte er Verkehr und Mobilität. Das Radfahren in der Stadt hat er zu seinem Lebensthema gemacht. Inzwischen bietet er Führungen für Radfahrer durch seine Heimatstadt an. 

MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231512 © Jana Bauch MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231512

Maastricht ist aber nicht nur mit dem Rad eine Reise wert –  die Universitätsstadt mit mittelalterlicher Architektur und reger Kulturszene besticht durch Vielfalt und Überschaubarkeit. Wer auf das Rad verzichten mag, kann sich Maastricht auch erlaufen. Die 120 000-Einwohner-Stadt verteilt sich auf einer Fläche von etwa 60 Quadratkilometern. Alt- und Innenstadt kann man in zwei Stunden durchqueren. Zum Vergleich: Köln ist fast siebenmal so groß.

Es ist eine Stadt für Genießer, für Modeliebhaber und Träumer. Maastricht bietet verwunschene Grünanlagen, Geschäfte mit skandinavischem und niederländischem Innendesign, Cafés mit belgischer Trinkschokolade, rustikale Kneipen mit kräftigen Bieren, verwinkelte Gässchen mit kleinen, teils hochpreisigen Boutiquen. Den Geist Europas gibt es inklusive. Immerhin wurde hier am 7. Februar 1992 mit dem Maastrichter Vertrag auch die politische Gemeinschaft  der europäischen Staaten beschlossen. Heute wirkt die Stadt europäisch vor allem durch die Universität – die mehr als  14 000 Studierenden kommen von überallher. 

MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231518 © Jana Bauch MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231518

In der Innenstadt riecht es von morgens bis abends nach süßen Waffeln und heißem Frittenfett. Das Ding-Ding von Fahrradklingeln, das Knattern der „Bromfietsen“ –  allgegenwärtigen Mopeds – und ein freundliches „Goedemiddag“ hier und dort, machen den Sound der Stadt aus. Besonderes Herzstück der Stadtplanung ist die „Groene Loper“ – der grüne Läufer. Eine Fahrrad- und Fußgängerstrecke, die sich zwischen der Landgoederenzone und dem Europaplein erstreckt. Die grüne Route ist Teil eines ehrgeizigen Milliardenprojekts, das seit 2012 läuft: Seit Herbst 2016 werden rund 80 Prozent des Verkehrs durch einen 2,3 Kilometer langen Tunnel umgeleitet.

Theunissens Route führt  zu den traditionellen Höhepunkten der Stadt. Angefangen auf der rechten Maasseite im angesagten Stadtteil Wyck. Rund um die Wycker Brugstraat lässt es sich hervorragend bummeln. Die Rechtstraat ist eine der schönsten Gassen der Stadt. Auch für das Maasufer sollte man sich Zeit nehmen. In der ehemaligen Bordenhal, einem Fabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert, gibt es jetzt ein Theater und ein Café mit großer Terrasse, auf der an schönen Tagen alles sitzt, was etwas auf sich hält. Die Maastrichter legen Wert auf Ästhetik.

Ins Stadtzentrum gelangt man am besten über die 160 Meter lange historische Sankt Servatiusbrücke – oder wie die Maastrichter sagen: die „Oude Brug“. Dort im Zentrum ist Radfahren  nicht erlaubt, und das  hat  auch seinen Grund: Die Innenstadt ist stets sehr gut besucht. Dort wird es auch ohne Radfahrer schon mal eng.

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Neu genutzte Kirchen

Besonderer Höhepunkt ist der Vrijthof, ein großer Platz, auf dem im Sommer häufig Konzerte stattfinden. Ringsum liegen zahlreiche Cafés und Restaurants, in denen man dem Trubel um sich herum im Sitzen zusehen kann. Von dort hat man auch einen fantastischen Blick auf die gotische Johanniskirche, eine protestantische Kirche mit einem weithin sichtbaren dunkelroten Turm, und die romanische Servatiusbasilika mit ihrer bedeutenden Sakralkunstsammlung. Zwischen Katholiken und Protestanten liegt in den Südniederlanden immer noch „Het Vagevuur“ – das Fegefeuer – zumindest als Straßenname der kleinen Gasse zwischen den beiden Kirchen.

MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231487 © Jana Bauch MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231487

Ein wirklich einzigartiges Erlebnis unweit des Vrijthofs ist die ehemalige Dominikanerkirche, in der  inzwischen die wohl weltweit schönste Buchhandlung untergebracht ist. Besonders an Regentagen oder im Winter kann man sich dort zwischen sakralen Mauern und Bücherregalen so hoch wie das Kirchenschiff verlieren. Und zum Abschluss bei einem Kaffee im Chorjoch in den neu erworbenen Büchern blättern. Die Maastrichter Bücher-Kirche ist nicht das einzige zweckentfremdete Gotteshaus der Stadt: Die Kreuzherrenkirche beherbergt inzwischen ein Hotel. Auch dort kann man im vorderen Teil gehoben essen.

Altstadt und Parks

Weiter geht’s ins charmante Stokstraatquartier. Das Altstadtviertel, in dem es sich gut Bier trinken, einkaufen  und auf der alten Stadtmauer lustwandeln lässt. Nebenan liegt das Jekerquartier, das Studentenviertel. Wer sich nach etwas mehr Ruhe sehnt, kann auch einen Spaziergang durch die Stadtparks mit Mini-Tiergarten und D'Artagnan-Statue machen.

Letzter Höhepunkt ist der Marktplatz. In der Mitte des Platzes steht das historische Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Und wer dann noch Luft hat, guckt sich die ehemalige Fabrikhalle des Keramikherstellers De Sphinx an. Hier sind seit Kurzem ein Studentenwohnheim sowie ein Kino untergebracht. Im Sphinxviertel haben sich Künstler und Designer  niedergelassen, traditionell ist dort die Hausbesetzerszene ansässig.

Wer sich für die Geschichte der Keramik-Produktion interessiert, schlendert durch die 120 Meter lange Sphinx-Passage, die täglich kostenlos besucht werden kann. In den Gassen rund um den Vrijthof beginnt bald das Nachtleben. Die ersten Abendstunden dort zu verbringen, lohnt auch für weniger ausdauernde Partygänger.

Weitere Tipps: Restarants, Shops und große Kunst

MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231348 © Jana Bauch MDS-KSTA-2018-07-16-71-134231348

Anreise:  Vom Aachener Hauptbahnhof fährt alle 15 Minuten die niederländische Buslinie 350 über Vaals und Gulpen nach Maastricht. Wer noch am selben Tag wieder zurück fährt, zahlt 8,50 Euro. Mit dem Anbieter Flixbus fährt man ab Aachen für fünf Euro.  Auch mit dem Auto ist man schnell im Nachbarland. Die Parkhäuser in der Innenstadt sind  sehr teuer. Eine günstigere Alternative ist das Parkhaus am Bahnhof.  Ein Geheimtipp zum Parken sind die Parkplätze am schönen Henri-Hermans-Park (sechs Euro/pro Tag).

Einkehr: Man kann in Maastricht  sowohl stilvoll als auch modern essen. Zum Snacken gibt es die Frituuren (Snackbars mit Pommes Spezial, Bitterballen, Kipcorn). Die bekannteste Frittenbude ist „Reitz“ am Marktplatz. Ein Geheimtipp sind aber die Pommes bei „Tuutsje van Teuntje“ in Wyck auf der anderen Maasseite. Dort gibt es  das Limburger Traditionsgericht „Frietje Zuurvlees“. In Wyck gibt es zudem das „Cafe Zondag“ und das „Wycker Cabinet“.  Das „Witloof“ in der Innenstadt bietet herausragende Belgische Küche – und belgisches Bier.   Die kulturelle Avantgarde zieht es in die „Kaffethéa“  oder in die „Brandweerkantine“. Im „Alley Cat“ gibt es neben Kaffee auch Fahrräder zu kaufen.

Besonderer Tipp: Mittwochs und freitags sind in Maastricht Markttage. Rund um das Rathaus verkaufen zahlreiche Händler regionale Produkte: Obst und Gemüse, Stoffe, Fisch und Fleisch, Honig und Blumen. Ein Besuch  in der Stadt lohnt an diesen Wochentagen umso mehr.

Für Kinder: Maastricht ist eigentlich ein Freilichtmuseum, durch das man  mit Kindern bequem bummeln kann. Wem der Trubel zu viel wird, kann sich mit den Kleinen in die Stadtparks zurückziehen, die sich auf der Südseite der Stadt entlang der Jeker schlängeln. Sogar einen kleinen Wildpark gibt es dort.

Schlechtwetter-Optionen: Am Ufer der Maas steht das futuristische Bonnefantenmuseum für bildende Kunst mit Holzskulpturen von Jan van Steffeswert und Meister von Elsloo sowie  Marmor- und  Elfenbeinskulpturen aus Belgien, Frankreich, England und der Region Niederrhein. Unter den zeitgenössischen Künstlern der Dauerausstellung befinden sich Größen wie Luc Tuymans, Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Neo Rauch und Roman Signer. Das Naturkundemuseum in der City ist eine gute Option, falls es regnen sollte – besonders mit Kindern.

Valkenburg: 15 Kilometer von Maastricht entfernt liegen neben der einzigen Hochburg der Niederlande die Katakomben von Valkenburg, ein unterirdisches Tunnelsystem, durch das man in die Zeit der Römer aus dem dritten und vierten Jahrhundert reisen kann (Adresse: Plenkertstraat 55,6301 GL Valkenburg aan de Geul). Führungen: Di - So, 11, 13 und 15 Uhr.



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