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Urlaub in der Oase Siwa ist etwas für Abenteurer

WELT-Logo WELT 18.02.2020 Petra Jacob
Auf der Insel Fatnas sitzt man romantisch unter Dattelpalmen mit Blick auf den Salzsee Quelle: Getty Images/Annapurna Mellor © Getty Images/Annapurna Mellor Auf der Insel Fatnas sitzt man romantisch unter Dattelpalmen mit Blick auf den Salzsee Quelle: Getty Images/Annapurna Mellor

Wer zu einer Oase will, muss vorher durch die Wüste. Einst brauchte eine Kamelkarawane auf dem kürzesten Weg von Kairo nach Siwa 19 Tage. Heute fährt der Bus: 800 Kilometer in elf Stunden.

Die letzten 300 Kilometer durch ein Meer aus Sand und Steinen. Durch eine Landschaft wie mit dem Lineal gezogen: oben blau, unten gelb. Auf halbem Weg eine Teepause an einem einsamen Steinhaus mit Plumpsklo. Es nieselt, ein Regenbogen bildet sich, darunter spazieren ein paar Kamele.

Eine entrückte Welt. Wären da nicht die bunten Laster, bis obenhin beladen mit Datteln und Salz. Erst in den 80er-Jahren wurde eine asphaltierte Überlandstraße gebaut. Siwa ist die abgeschiedenste Oase Ägyptens, tief in der Sahara, 50 Kilometer vor der libyschen Grenze.

Das Salz der Oase Siwa ist so rein wie kein anderes

Wie eine Fata Morgana taucht sie auf. Mitten im Sand plötzlich sattes Grün, dank Wasser aus 200 Quellen und Brunnen. In der Oase leben 25.000 Menschen, drei Viertel von ihnen arbeiten in der Landwirtschaft. Zur Erntezeit kommen noch einmal 4000 Helfer von außerhalb dazu.

In den vielen Oasengärten gedeihen 300.000 Dattelpalmen, 70.000 Olivenbäume und Tausende von Obstbäumen. Manche der Gärten sind zu klein, als dass ihre Besitzer von den Erträgen leben könnten. Sie brauchen ein weiteres Einkommen.

Daher arbeiten sie in der Mineralwasserfabrik, Olivenölpresse oder Saline. Aufgrund der geografischen Lage ist Siwas Salz etwas Besonderes. Die Oase liegt knapp 20 Meter unter dem Meeresspiegel. Nur 15 Zentimeter unter der Erdoberfläche findet sich bereits Steinsalz, einen halben Meter tiefer das Grundwasser, sodass das Salz aus Seen gewonnen wird.

Höchste Qualität: Das Salz besteht zu fast 100 Prozent aus Natriumchlorid Quelle: Getty Images/Design Pics RF © Getty Images/Design Pics RF Höchste Qualität: Das Salz besteht zu fast 100 Prozent aus Natriumchlorid Quelle: Getty Images/Design Pics RF

Durch die Abgeschiedenheit der Oase ist Siwas Salz so rein wie kein anderes. Es besteht zu fast 100 Prozent aus Natriumchlorid. Die Qualität hat sich herumgesprochen. „Siwa Salt“ ist heute ein ägyptisches Exportprodukt und wird in die ganze Welt verkauft. In Europas Wintern landet es oft als Streusalz auf den Straßen.

Die besten Datteln in ganz Ägypten

Ein weiteres Nebeneinkommen verdienen sich viele Oasenbauern mit der Beherbergung von Touristen. Urlaub in Siwa ist etwas für Abenteurer. Bei Fahmi Megaly können Gäste im Oasengarten übernachten. „Fahmi's Garden“ steht am Eingang des mit einer Lehmmauer eingefassten Gartens – einem kleinen Paradies.

Die Gästebungalows aus Palmwedeln sind nicht gleich auszumachen, so sehr harmonieren sie mit der Umgebung. Es ist ein Durcheinander von Kräutern, Blumen, Oliven- und Obstbäumen – und als Krönung die Dattelpalmen. Sie werden bis zu 25 Meter hoch, wie Fahmi erzählt.

In den vielen Oasengärten in Siwa gedeihen 300.000 Dattelpalmen Quelle: Getty Images/Design Pics RF/Sean White © Getty Images/Design Pics RF/Sean White In den vielen Oasengärten in Siwa gedeihen 300.000 Dattelpalmen Quelle: Getty Images/Design Pics RF/Sean White

Im Sommer dient ein kleiner Pool, aus dem das Bewässerungswasser des Gartens stammt, zur Abkühlung; im Winter lädt Fahmi Gäste ein, bei der Dattelernte zu helfen. Er klettert barfuß den Stamm hoch, um zu zeigen, wie die süßen Früchte vom Baum geholt werden. Gesichert ist Fahmi lediglich mit einem um seinen Rücken und den Palmenstamm gelegten Gürtel.

Einen Teil der Datteln presst Fahmi zu Molasse und serviert sie seinen Gästen zum Frühstück. Datteln sind Grundnahrungsmittel in Siwa. Ein typisches Gericht ist ein Brei aus Datteln, Eiern und Olivenöl. „Die besten Datteln Ägyptens kommen aus Siwa“, so Fahmi. „Wer sie einmal gegessen hat, vergisst den Geschmack nie wieder.“

Hotels bieten Leihräder an

So abgeschieden Siwa liegen mag, in der Antike lockte ein berühmtes Orakel des Sonnengottes Amun-Re Besucher aus dem ganzen Mittelmeerraum an. Siwa wurde neben Delphi die bekannteste Orakelstätte. Der berühmteste Besucher kam 331 vor Christus: Alexander der Große. Ihm soll vom Orakel nichts Geringeres als göttliche Herkunft bestätigt und die Weltherrschaft prophezeit worden sein.

Der Hügel mit Überresten des Orakeltempels liegt rund drei Kilometer von Fahmis Garten entfernt. Mit dem Fahrrad – einige Hotels in Siwa bieten Leihräder an – ist er gut zu erreichen, da schmale Teerstraßen die Oase durchziehen.

Ein Esel ruht sich im Schatten aus; die Tiere begegnen einem häufig auch im Verkehr Quelle: Getty Images/Bernhard Lang © Getty Images/Bernhard Lang Ein Esel ruht sich im Schatten aus; die Tiere begegnen einem häufig auch im Verkehr Quelle: Getty Images/Bernhard Lang

Acht geben sollten Radfahrer auf die anderen Verkehrsteilnehmer. Autos trifft man dabei seltener als kreuz und quer fahrende Eselskarren. Geführt werden sie von Männern, zuweilen auch Jungen im Vorschulalter. Sie transportieren die Ernte aus den Gärten, Palmwedel – und Frauen.

Die heimischen Frauen dürfen in Siwa nicht am Steuer sitzen, und sind in der Öffentlichkeit grundsätzlich völlig verschleiert. Wie Gespenster sitzen sie auf den Karren. Da die Frauen auf der Straße mit keinem außer dem eigenen Mann sprechen dürfen, sind es auch nur Männer, die in den Geschäften einkaufen.

Heißes Wasser sprudelt aus einer Quelle in den Pool

Eine schöne Route führt vom Orakeltempel, an den Überresten des Umm- Ubayd-Tempels vorbei, ebenfalls auf einem Hügel, zur Kleopatra-Quelle – Siwas populärste „Badeanstalt“. Warmes Wasser fließt aus dem Untergrund in einen kostenlos zugänglichen Pool.

Hier planschen Kinder mit ausgedienten Wasserplastikflaschen als Schwimmreifenersatz und hopsen ganze Busladungen ägyptischer Touristen aus Alexandria ins Nass. Wer als Frau im konservativen Siwa nicht angestarrt werden will, macht es wie die modernen Ägypterinnen aus Alexandria und schwimmt mit Leggings und T-Shirt bekleidet.

Der runde Pool ist umgeben von Teppichhändlern und Cafés, mit Stämmen der Dattelpalmen als Teil der Gebäudekonstruktion. Die Kronen übernehmen dabei die Funktion des Daches.

Wer diskreter baden möchte, radelt drei Kilometer weiter. Vorbei an Oasengärten, in denen Bauern in weißen Gewändern Bewässerungsgräben buddeln und Lehmhäusern, in denen Tauben gezüchtet werden. Nahe den Dakrur-Hügeln befindet sich das Camp Aman Yakdn, ein Teehaus mit eigenem Pool, der mit 40 Grad heißem Quellwasser gespeist wird. Es gibt eine Umkleidehütte, nach dem Bad wird Tee aus frisch geriebenem Ingwer serviert.

Hinter dem Salzsee liegt die große Wüste

Wer einen Salzsee sehen möchte, radelt noch mal knapp acht Kilometer weiter, zur Insel Fatnas. Sie ist über einen Damm zu erreichen und besonders zum Sonnenuntergang beliebt, wenn man romantisch unter Dattelpalmen direkt am Wasser sitzen kann. Dazu servieren Männer in wehenden Gewändern Shakes – selbstverständlich hergestellt aus Datteln.

Irgendwo hinter dem Wasser liegt die große Wüste. Wer sie besuchen möchte, organisiert sich einen Fahrer mit Off-Road-Fahrzeug, der Preis ist Verhandlungssache. Ahmed Mansour aus Alexandria spricht fantastisches Englisch.

Auch er hat einen Oasengarten und ist Manager der „Siwa Villa“ in der Altstadt. Ohne seine Begleitung wäre die Villa in dem Wirrwarr aus engen Gassen ohne Namen und voller Sand unmöglich zu finden. Die Villa ist wie die Nachbarhäuser aus Karshif gebaut, einem Gemisch aus Salzstein, Lehm und Sand.

Blick auf die Festung Shali mit ihren alten Lehmbauten Quelle: Getty Images © Getty Images Blick auf die Festung Shali mit ihren alten Lehmbauten Quelle: Getty Images

Vom Dach fällt der Blick auf eine surreale Welt aus Ockergelb: darin die Festung Shali – ein Hügel voller verfallener Lehmhäuser – und eine Moschee mit einem Minarett aus Lehm, das wie ein Relikt aus ferner Zeit in den Himmel ragt. Das Gebetshaus wird abends mit Salzlampen beleuchtet.

Streusalz für die vereisten Straßen in Europa

Im Inneren der Villa treffen Tradition und Moderne aufeinander. Das warme Licht von lokal produzierten Salzlampen erhellt die Zimmer, eine Holztruhe ersetzt den Schrank. Den Staub der Wüste waschen sich die Gäste im Natursteinbad vom Gesicht.

Es gibt in Siwa einige Hotels im traditionellen Lehmbaustil. Doch Ahmed Mansours Villa verfügt obendrein über stabiles WLAN, weshalb sie ein Treffpunkt für Digitalnomaden geworden ist – Menschen also, die am Laptop arbeiten und ihren Aufenthaltsort daher oft wechseln können. Am klobigen Holztisch im Wohnzimmer ist Platz für zehn. Es gibt unzählige Steckdosen, die WLAN-Verbindung ist „616 Prozent schneller als der der ägyptische Durchschnitt“, wie es auf der Internetseite heißt.

Lehmbauten bestimmen die Architektur Siwas Quelle: Petra Jacob © Petra Jacob Lehmbauten bestimmen die Architektur Siwas Quelle: Petra Jacob

Nur fünf Minuten zu Fuß entfernt am großen Platz gibt es alles, was man zum Leben in Siwa braucht. Die Geschäfte protzen mit der reichen Ernte aus den Oasengärten: Oliven, Obst, acht Kilogramm schwere Blumenkohlköpfe. Und vor allem: Datteln, die sich in Körben und Kisten bis unter die Decke stapeln. Sie werden in ganz Ägypten und ins Ausland verkauft.

Flinke Männer beladen die bunten Lastwägen; neben den Datteln stehen auch viele pralle Säcke auf den Ladeflächen – gefüllt mit Streusalz. Während in der Oase sommerliche Temperaturen herrschen, kommt ihr Salz auf den vereisten Straßen Europas zum Einsatz.

Quelle: Infografik WELT © Infografik WELT Quelle: Infografik WELT

Tipps und Informationen

Anreise: Lufthansa fliegt nonstop von Frankfurt und München nach Kairo, EgyptAir auch von Berlin aus. Von dort fährt mehrmals täglich ein Bus in rund elf Stunden nach Siwa.

Reisezeit: Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 20,7 Grad, dabei gibt es hohe Temperaturschwankungen. Von Dezember bis Februar herrschen tagsüber angenehme 21 Grad, während es abends nur zehn bis zwölf Grad sind. Die Sommer sind mit bis zu 50 Grad sehr heiß, daher sollten die Monate Mai bis September als Reisezeit vermieden werden. Trocken ist es das ganze Jahr über. Der jährliche Durchschnittsniederschlag liegt bei nur 9,9 Millimetern.

Unterkunft: Einfache Doppelzimmer gibt es ab 12 Euro in traditionellen Häusern oder Oasengärten wie in „Fahmi’s Garden“ (über airbnb.de). In der „Siwa Villa“ gilt ein Mindestaufenthalt von einer Woche (somewheredifferent.com/egypt). Wer es luxuriöser mag: „Talit Siwa“ ist eine familiengeführte Ecolodge mit Blick über den See, die Bungalows sind mit natürlichen Materialien eingerichtet. Doppelzimmer ab 63 Euro (über booking.com).

Auskunft: de.egypt.travel

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