Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

„Mein nächster Schuss musste sitzen“

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 26.03.2019 RP ONLINE

Leverkusen. Seit Peter Bosz das Traineramt bei Bayer Leverkusen übernommen hat, hat er Interviewanfragen abgelehnt. Nun spricht er erstmals über sein Aus beim BVB, einen Verbleib von Julian Brandt und seinen Plan B.

 Leverkusens Trainer Peter Bosz. © Marius Becker Leverkusens Trainer Peter Bosz.

Seit Anfang des Jahres ist Peter Bosz Trainer von Bayer Leverkusen. Einzelinterviews hat der 55-Jährige seitdem abgelehnt. Er wolle, sagte er stets, alle Energie darauf verwenden, die zuvor strauchelnde Werkself auf Kurs zu bringen. Das ist ihm gelungen. Zum ersten Mal hat sich der Niederländer jetzt einem exklusiven Kreis von Journalisten geöffnet, um detailliert über seine Idee vom Fußball zu sprechen. Peter Bosz über...

... den 3:2-Sieg der DFB-Auswahl in Amsterdam zum Auftakt der EM-Qualifikation.

Bosz „Holland hat in der ersten Hälfte keinen Zugriff bekommen, in der zweiten Halbzeit waren die Rollen vertauscht. Es hat Spaß gemacht, zuzuschauen. Aber ich war natürlich ein bisschen enttäuscht, dass unsere drei Leverkusener nicht gespielt haben.“

... den Zustand des deutschen Fußballs.

Bosz „Im Fußball gibt es immer Wellenbewegungen – mal ist man obenauf, mal ist man unten. Und das Hoch der deutschen Auswahl hat sehr lange angehalten. Vor drei, vier Jahren haben wir Holländer nach zwei verpassten Endrunden nach Deutschland geschaut, um zu lernen.“

... die Leverkusener Nationalspieler Julian Brandt, Kai Havertz und Jonathan Tah.

Bosz „Ich gehe hier und heute davon aus, dass alle drei auch im kommenden Jahr gemeinsam in Leverkusen spielen. Über Julians Ausstiegsklausel wird momentan viel spekuliert, bei den anderen beiden wird der Verein bestimmen können. Aber Julian hat viel Spaß bei uns. Er spielt hier auf einer neuen Position, die ihm viel Freude bereitet. Auch die anderen sind noch keine fertigen Spieler. Ich hoffe sowohl bei Julian als auch den anderen, dass sie bei uns bleiben. Aber das ist meine Hoffnung als Trainer – bestimmen kann ich es nicht.“

Die Top-Fußball-Themen der MSN-Leser:

Enzo Zidane verrät: "So trifft mein Vater seine Entscheidungen"

RassismusZweiter Vorfall bei Länderspiel gegen Serbien?

Kroatische NationalmannschaftDer rasante Niedergang des WM-Wunderteams

... seine Philosophie als Coach.

Bosz „Als ich 2000 als Trainer angefangen habe, hatte ich keine Ahnung, was für eine Art Trainer ich werden würde. Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass ich immer ein besseres Gefühl hatte, wenn meine Mannschaft in Ballbesitz war. Denn dann konnte der Gegner kein Tor schießen. Ich wollte also viele gute Fußballer in meinen Teams, die den Ball nicht verlieren. So hat sich meine Idee vom Fußball Schritt für Schritt entwickelt.“

... seinen Wechsel unters Bayer-Kreuz.

Bosz „Mir war klar, dass mein nächster Schritt nach der Station in Dortmund sitzen musste – auch für mich persönlich. Deshalb war mir in den Gesprächen immer wichtig, welche Art von Fußball der Verein spielen lassen will. Und wenn diese Art nicht meiner Spielidee entsprach, musste ich nein sagen. Ich habe häufiger abgesagt – auch namhaften Vereinen.“

... sein Aus beim BVB.

Bosz „Am Anfang hat es sehr gut funktioniert, das hat jeder gesehen. Wir haben guten Fußball gespielt, unsere Spiele überzeugend gewonnen und kaum Gegentore bekommen. Und auf einmal war das alles weg – das ist schwer zu erklären. Aber ins Detail möchte ich nicht gehen. Alles was ich sage, könnte mir auch als Ausrede ausgelegt werden. Letztlich war der Grund für meine Entlassung dort, dass die Resultate nicht gut waren. Insgesamt hatte ich eine schöne Zeit in Dortmund.

... den Kader von Bayer 04.

Bosz „Mein guter Eindruck vor dem Beginn meiner Arbeit hier hat sich bestätigt – wir haben viel Qualität im Kader. Ähnlich wie bei Ajax gibt es niemanden, der die Spielweise in Frage stellt. Bei allen anderen Vereinen hatten zumeist die Torhüter oder Innenverteidiger wegen der offensiven Ausrichtung Sorge. Sie musste ich erst überzeugen. In Leverkusen haben die Spieler die neue Philosophie vom ersten Tag an aufgesogen.“

... die „Fünf-Sekunden-Regel“.

Bosz „Wenn wir den Ball haben, müssen wir das Spielfeld so groß wie möglich machen. Verlieren wir ihn, müssen wir schnell kompakt werden. Das ist auch bei unseren Gegnern der Fall. Wenn wir den Ball verlieren, braucht der Gegner etwa fünf Sekunden, um das Feld wieder groß zu machen. Unser Ziel ist, in dieser Zeit den Ball zurückzuerobern. Wenn uns das nicht gelingt, wird es schwierig, weil wir dann weite Wege gehen müssen – so wie zuletzt beim 1:3 gegen Bremen.“

... die Ziele für den Rest der Saison.

Bosz „Hätten wir gegen Bremen gewonnen, hätten wir sie auf neun Punkte distanziert, jetzt sind es nur drei. Deswegen schaue ich nur von Spiel zu Spiel. Es gibt noch viele Mannschaften, die um den sechsten Platz kämpfen, auf dem wir gerade stehen. Wenn sich unsere Spieler bis zum Sommer weiterentwickeln, sich unsere Spielweise weiter verbessert und wir das maximal Mögliche herausholen, wäre ich zufrieden – denn dann stehen wir hoffentlich unter den ersten Sechs.

... einen (fehlenden) „Plan B“?

Bosz „Nach dem verlorenen Europa-League-Finale mit Amsterdam wurde mir vorgeworfen, ich hätte keinen Plan B. Mit unserer Spielweise hatten wir es aber mit einer sehr jungen Mannschaft bis ins Endspiel geschafft. Es wäre doch verrückt gewesen, im Finale alles zu ändern. Wenn man Plan A richtig gut macht, braucht man keinen Plan B. Und in Leverkusen benötigen wir noch Zeit, um Plan A zu perfektionieren.“

... der Wunsch nach einem Time-Out.

Bosz „Beim 4:4 mit Dortmund gegen Schalke habe ich gespürt, dass sich die Partie in eine falsche Richtung entwickelt, konnte es aber nicht stoppen. Eine Auszeit zu nehmen hätte sicher geholfen. Und ich glaube, dass eine Regelanpassung dahingehend auch kommen wird – auch wenn das noch fünf bis zehn Jahre dauern kann. Der Video-Assistent hat dem Fußball schon gutgetan. Alles, was den Sport ehrlicher macht, wird gut sein.“

... das System der Werkself.

Bosz „Das System kann sich ändern, ohne dass sich die Philosophie ändert. Spielen wir mit Karim Bellarabi als Außenspieler, ist es ein anderes System, als wenn Kai Havertz dort spielt. Aber die Offensivphilosophie bleibt dieselbe.“

... Ausnahmetalent Kai Havertz.

Bosz „Er ist ein spezieller Spieler, mit dem es sehr angenehm ist, zu arbeiten. Aber auch er muss noch sehr viel dazulernen. Ich sehe noch Fehler, die er macht. Aber ein 19-Jähriger, der fast 80 Bundesliga-Spiele gemacht hat – das ist unglaublich. Er ist fast nie verletzt, arbeitet hart und hört stets zu. Er weiß, was er kann.“

| Anzeige
| Anzeige

RP ONLINE

| Anzeige
| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon