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Chemnitz-Ultras verspotten Aktion ihrer Spieler gegen rechts

WELT-Logo WELT 24.03.2019

Der Chemnitzer FC wollte nach dem Eklat um einen verstorbenen Hooligan ein starkes Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz setzen. Doch Teile der Fans zeigten deutlich, was sie von demokratischen Grundwerten halten.

Die Spieler des Fußball-Regionalligisten Chemnitzer FC haben am Samstag ein weiteres Zeichen gegen rechts im Heimspiel gegen Budissa Bautzen gesetzt.

Die Akteure beider Teams präsentierten sich hinter einem Transparent mit der Aufschrift "Gemeinsam für demokratische Grundrechte und Fair Play". Außerdem trugen die CFC-Spieler T-Shirts, auf denen zu lesen stand: "Farbe bekennen – Himmelblau".

Am Rande des Spiels zwischen dem Chemnitzer FC und FSV Budissa Bautzen protestierten Teile der CFC-Fans gegen den Insolvenzverwalter und die Entlassung von Mitarbeitern des Klubs © dpa Am Rande des Spiels zwischen dem Chemnitzer FC und FSV Budissa Bautzen protestierten Teile der CFC-Fans gegen den Insolvenzverwalter und die Entlassung von Mitarbeitern des Klubs

Das erste Heimspiel nach den eklatanten Vorfällen vom 9. März stand unter bundesweiter Beobachtung. Auch Vizepräsident Rainer Koch vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) war vor Ort. "Eine klare Mehrheit der Fans hat diese Position bezogen", sagte Koch zufrieden beim Besuch im Stadion an der Gellertstraße zur Aktion des Gastgebers. Der Jurist hatte zuvor ein Zeichen vom CFC gegen rechtsextreme Tendenzen gefordert.

Neue Stadionsprecherin ausgepfiffen

Für unschöne Szenen sorgten allerdings Teile der Ultras, insbesondere die Fangruppierung Ultras Chemnitz '99, die aus Protest den ersten zwölf Minuten des Spiels fernblieben und die vom Verein kostenlos verteilten T-Shirts mit der Aufschrift "Toleranz, Weltoffenheit, Fairness" in den Stadiongraben warfen. "Ich glaube, dass wir uns alle ein anderes Zeichen gewünscht hätten", sagte Geschäftsführer Thomas Sobotzik dem ZDF: "Es wird eben eine Herkulesaufgabe sein, aber es geht nicht um heute, nicht um morgen."

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Zudem wurde die neue Stadionsprecherin, die nach der Entlassung ihres Vorgängers und zwei weiteren Vereinsmitarbeitern ihren ersten Einsatz hatte, mehrfach mit Pfiffen bedacht. "Das Krisenmanagement von Insolvenzverwalter Klaus Siemon – und die damit einhergehende Personalpolitik – lässt uns auch zwei Wochen nach den Ereignissen noch immer wütend zurück", hieß es auf einem Flugblatt.

Zur Atmosphäre auf den Rängen sagte CFC-Trainer David Bergner: "Die Situation, die wir heute im Stadion hatten, ist nicht schön. Die Situation, dass der Verein zerrissen ist, begleitet uns schon eine ganze Zeit." Und Geschäftsführer Sobotzik distanzierte sich im Namen des Vereins im Vorwort des Stadionhefts "ausdrücklich von jedem extremistischem Gedankengut. Dagegen müssen und werden wir uns gemeinsam starkmachen."

Die Spieler hatten sich bereits zuvor klar gegen rechtes Gedankengut ausgesprochen. "Es ist Zeit, Farbe zu bekennen und zu zeigen, dass Chemnitz himmelblau und nicht braun ist", hatte es bereits am Freitag in einem offenen Brief der Mannschaft in Anspielung auf die Vereinsfarben geheißen.

"Verein ist gefordert"

Vor zwei Wochen hatten die umstrittenen Trauerbekundungen für den verstorbenen und mutmaßlich rechtsradikalen Chemnitz-Fan Thomas H. beim Liga-Spiel gegen VSG Altglienicke (4:4) für einen Skandal gesorgt.

ARCHIV - 09.03.2019, Sachsen, Chemnitz: Fußball: Fußball-Regionalliga Nordost, 24. Spieltag, Chemnitzer FC - VSG Altglienicke im Stadion an der Gellertstrasse. Fans des Chemnitzer FC zünden Pyrotechnik vor Beginn des Spiels ab. (zu dpa «Unter Beobachtung: Das erste Chemnitzer Heimspiel nach Trauerskandal» am 21.03.2019) Foto: Harry Härtel/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa ARCHIV - 09.03.2019, Sachsen, Chemnitz: Fußball: Fußball-Regionalliga Nordost, 24. Spieltag, Chemnitzer FC - VSG Altglienicke im Stadion an der Gellertstrasse. Fans des Chemnitzer FC zünden Pyrotechnik vor Beginn des Spiels ab. (zu dpa «Unter Beobachtung: Das erste Chemnitzer Heimspiel nach Trauerskandal» am 21.03.2019) Foto: Harry Härtel/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Tabellenführer CFC gewann die Partie vor 4333 Zuschauern mit 1:0 (0:0). Den Treffer erzielte Daniel Frahn (53.), der beim Skandalspiel vor zwei Wochen ein T-Shirt mit der Aufschrift "Support your local Hools" gezeigt hatte und dafür vom Verband für die zurückliegenden beiden Auswärtsspiele gesperrt und zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden war.

Koch, der sich vor der Partie mit der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig getroffen hatte und in Begleitung der Präsidenten des Nordostdeutschen und des Sächsischen Fußballverbandes ins Stadion gekommen war, sagte: "Wichtig ist nicht das einmalige Ereignis heute, wichtig ist, dass konkret gearbeitet wird. Wir dürfen das Stadion nicht einer Minderheit überlassen."

Für die Verbesserung der Fanarbeit stellte der Vizepräsident den Westsachsen die Unterstützung des DFB in Aussicht. Koch betonte aber: "Die Stadt, das Land und in allererster Linie der Verein sind nun gefordert. Ich möchte nicht, dass bei einem Verein, der an hervorgehobener Stelle in Deutschland Fußball spielt, Ereignisse wie vor zwei Wochen passieren."

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