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Dem deutschen Fußball gehen die Talente aus

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 18.02.2020 RP ONLINE
 U21-Trainer Stefan Kuntz. © Cézaro De Luca U21-Trainer Stefan Kuntz.

Dortmund. Bis zur Heim-EM 2024 sieht Oliver Bierhoff die deutsche Nationalmannschaft gut aufgestellt. Doch langfristig fehlen die Talente. Der deutschen Nationalmannschaft drohen magere Jahre.

Ein Telefonat zwischen Bundestrainer Joachim Löw und U21-Coach Stefan Kuntz ist derzeit ziemlich schnell beendet. Aus dem Kreis der A-Nationalmannschaft ist derzeit nur noch Kai Havertz für die U21-Auswahl spielberechtigt. "Und von meinen aktuellen Jungs ist keiner kurz vor dem Tor zur A-Nationalmannschaft", stellte Kuntz nüchtern fest. Dem deutschen Fußball fehlen die Top-Talente. Bis die Gegenmaßnahmen greifen, ist Geduld gefragt.

"Wir müssen uns bewusst sein, dass es eine Delle geben wird", sagte Oliver Bierhoff beim Medien-Talk 2020 der Direktion Nationalmannschaften und Akademie im Fußballmuseum in Dortmund und machte deutlich: "Bis zur EURO 2024 sind wir gut aufgestellt. Es gibt aber klare Anzeichen, dass wir uns massiv bewegen müssen."

Der jüngste Sportreport der Deutschen Fußball Liga (DFL) belegt dies. In der Hinrunde der laufenden Saison waren lediglich drei Prozent der eingesetzten Profis deutsche U21-Spieler. Diese Zahl, stellte Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften, fest, "ist alarmierend."

Überraschend kommt sie nicht. Die Probleme sind seit geraumer Zeit bekannt, erste Gegenmaßnahmen wurden ergriffen. Einige "werden für die heute 18-Jährigen aber zu spät sein", sagte DFB-Direktor Bierhoff, der aber große Hoffnungen in die neue DFB-Akademie setzt: "Das ist einmalig, was wir da versuchen aufzubauen. Die Akademie ist keine abgehobene Institution. Die Akademie ist mittendrin. Da arbeiten unsere Praxisleute. Es werden Impulse ins System geben, die uns bereichern werden."

Zeit soll dabei nicht mehr verloren werden. "Wir haben viel über die Herausforderungen und Probleme des deutschen Fußballs gesprochen. Jetzt ist ein Jahr des Handelns", sagte Chatzialexiou. Weitere konkrete Pläne sollen dem DFB-Präsidium noch vor der EM (12. Juni bis 12. Juli) vorgestellt werden.

Denn Bierhoff will auch in "zehn oder 15 Jahren eine erfolgreiche A-Nationalmannschaft haben." Dafür müsse man die Spieler wieder "besser entwickeln", man müsse ihnen wieder mehr "Freiräume" geben. Zuletzt wurde zu sehr "auf den Erfolg der Mannschaft geachtet". Auch die Trainer müsse man laut Bierhoff "individueller und inhaltlich anders prägen". Viele Strukturen müssten "besser genutzt und sinnvoller eingesetzt" werden.

Die aktuelle Nationalmannschaft sieht der Europameister von 1996 noch nicht auf dem Niveau wie bei der WM 2010. "Wir sind auf einem guten Weg. Aber für mich ist die Mannschaft 2010 noch weiter gewesen. Die Spieler hatten mehr Erfahrung", sagte Bierhoff.

Vor zehn Jahren war die DFB-Auswahl in Südafrika mit vielen jungen Spielern bis ins Halbfinale gestürmt. Auch jetzt macht es wieder "echt Spaß mit der Truppe", so Bierhoff: "Da wächst etwas heran."

Dennoch gehe man "nicht als Favorit in das Turnier", sagte Bierhoff mit Blick auf die EM: "Als deutsche Nationalmannschaft gehst du aber immer in ein Turnier, um das Größte zu wollen."

Im Fußballmuseum erinnert viel an die Triumphe aus vergangenen Zeiten. Es sind Pokale zu bewundern, "die wir alle noch einmal gewinnen wollen", sagte Bierhoff. Dafür muss viel Arbeit bewältigt werden. Kuntz bringt es mit Blick auf die jungen Talente auf eine einfache Formel: "Spielminuten müssen Gehalt ersetzen."

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