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Der größte Verlierer des Transfersommers heißt Mourinho

WELT-Logo WELT vor 5 Tagen

Der größte Verlierer des Transfersommers heißt Mourinho © picture alliance/Perenyi Der größte Verlierer des Transfersommers heißt Mourinho

Mit dem Ende der Transferperiode in England sinken die Marktpreise. Zum großen Verlierer des frühen Transferstopps gehört Manchester United. Fans sammeln in einer Kampagne schon für die Entlassung von Trainer Mourinho.

Man kann sich den Fußball-Transfermarkt in diesen Tagen wie ein Bademodengeschäft in einem Ferien-Hotspot vorstellen. Zu Beginn des Sommers sind die Preise hoch, auch weil die Kunden aus England insgesamt deutlich mehr Zahlungskraft mitbringen als jene aus dem Rest Europas. Doch seit Donnerstag Abend sind alle Briten abgereist, ihre Urlaubszeit ist vorbei, sie müssen wieder an die Arbeit, früher als der Rest. Jetzt beginnt für die Spanier, die Deutschen, die Franzosen der Sommerschlussverkauf.

Am Donnerstag schloss die Premier League ihr Transferfenster. Ab jetzt können englische Vereine keine Spieler mehr verpflichten – eine Maßnahme, die der Ligaverband im vergangenen Spätsommer beschloss. Es war auch eine Reaktion auf die Unsicherheit, die sich in vielen Vereinen zu Saisonbeginn breit machte. Spieler wie Philippe Coutinho, die nur noch auf der Bank saßen, weil sie gerne woanders hinwechseln wollten. Das Problem der Engländer: Mit ihrer Entscheidung standen sie relativ alleine da und ihr Grundproblem ist damit nicht gelöst. Vielmehr hat man sich noch mehr Probleme geschaffen.

Nur Italien zog mit und schließt sein Transferfenster ebenfalls einen Abend vor Saisonstart, am kommenden Freitag. Deutschland, Spanien und Frankreich können noch bis 31. August einkaufen – auch in England. Denn verkaufen ist für Premier League-Mannschaften weiterhin möglich, relevant ist bei Transfers einzig die Deadline in dem Land, in dem ein Spielerzugang neu registriert wird. Renitente Stars können also weiterhin auf einen Abgang pochen, die Klubs haben allerdings nicht mehr die Möglichkeit, gegebenenfalls einen Ersatz zu verpflichten.

Mourinho Favorit für die erste Trainerentlassung

Manchester United gehörte zu den sechs englischen Klubs, die gegen eine Reform des Transferfensters gestimmt hatten, damit aber in der Minderheit waren. Am Old Trafford-Stadion dürfte man wehmütig auf diese Entscheidung zurückblicken, denn Uniteds Transfersommer war so verkorkst wie bei kaum einem anderen Verein. Viele Namen wurden gehandelt, Trainer José Mourinho forderte regelmäßig neue Spieler von seinem Management, doch am Ende kam fast keiner.

Einzig der Brasilianer Fred wurde als Mittelfeldstabilisator aus Donezk verpflichtet, hinzu kam ein Perspektivkauf eines jungen Portugiesen. Die Versuche, einen Innenverteidiger zu verpflichten, scheiterten jedoch kläglich. Jerome Boateng sagte ab, Harry Maguire ebenso, der kolumbianische WM-Star Yerry Mina ging am Ende lieber zu Everton, die ihn und vor allem seinen Berater besser bezahlten. In den letzten Transferstunden versuchte United in einem Akt der Verzweiflung, Diego Godin von Atletico Madrid loszueisen, doch auch hier blitzte der englische Rekordmeister ab.

Noch vor dem ersten Saisonspiel Uniteds gegen Leicester am Freitag starteten Fans des Vereins eine Crowdfunding-Kampagne, um die fällige Abfindung für eine Entlassung Mourinhos zusammenzubekommen. Da diese 13,3 Millionen Euro beträgt, wird das Spendenziel wohl nicht erreicht werden, aber die Kampagne zeigt, wie unbeliebt Mourinho sich zuletzt gemacht hat. Mit seinen Mäkeleien über die Transferpolitik des Klubs liegt er zwar nicht falsch, legt sich aber auch eine angenehme Ausrede zurecht, wenn in den kommenden Wochen die Ergebnisse ausbleiben sollten. "Es wird eine schwere Saison", sagte er noch am Sonntag. Bei den Buchmachern ist er nicht ohne Grund Favorit auf die erste Trainerentlassung der Saison.

Liverpool Gewinner des Transfersommers

Während Mourinho vor allem einen Kader für kurzfristigen Erfolg beisammen haben will, zielt Uniteds Management auf langfristige Entwicklung, ziert sich daher, zu viel Geld für ältere Spieler auszugeben. Der Portugiese verbreitete über die gesamte Sommervorbereitung schlechte Laune. Neben seiner Transferkritik murrte er über die USA-Reise, lästerte über seine Spieler. Auch wütete er gegen seinen Stürmer Anthony Martial, der nach der Geburt seines ersten Kindes nicht pünktlich zur Mannschaft stieß – es war bei seiner Frau zu gesundheitlichen Komplikationen gekommen, Martial wollte sie nicht allein lassen.

Auch Mourinhos Umgang mit Paul Pogba ist zweifelhaft. Monatelang lieferten die beiden sich einen Kleinkrieg, Mourinho musterte den französischen Weltmeister zeitweise aus, ließ sein großes Potential ungenutzt. Selbst während der WM spielte Mourinho die Leistungen seines Spielers öffentlich runter. Dass Pogba und sein Berater Mino Raiola sich nach einem anderen Verein umsahen, wirkt nachvollziehbar. Nun attackiert Mourinho Raiola dafür öffentlich und beginnt eine Charmeoffensive, um Pogba im Verein zu halten – auch weil ihm die Alternativen im Mittelfeld ausgehen.

Weitaus entspannter ist man dagegen in Liverpool. Jürgen Klopp kann sich als Gewinner des Transfersommers fühlen. Für Naby Keita, Fabinho, Torwart Alisson Becker und Xherdan Shaqiri gab er viel Geld aus, alle vier dürften die Mannschaft aber auch noch besser machen. Nach drei Jahren an der Anfield Road sind die Meisterchancen für Liverpool so groß wie seit langem nicht mehr. Für ein Novum sorgte unterdessen Tottenham. Die Spurs verpflichteten im Sommer keinen einzigen Spieler – das gab es in England seit 1993 nicht. In London setzt man voll auf Kontinuität, zumal auch niemand abgegeben wurde.

Seit mehreren Jahren hat sich Tottenham in der Spitzengruppe der Liga festgesetzt – und ist auch ein Kandidat für den Titel. Wie natürlich auch der Meister der vergangenen Saison, Manchester City, der sich mit großen Einkäufen dieses Jahr aber zurückhielt.

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