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Ferrari unter Druck: Die Zweifel an Teamchef Mattia Binotto wachsen

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 07.06.2019 Elmar Brummer, Montreal
Umstritten aber unverzagt: Ferrari-Teamchef Binotto. © getty images/fox Umstritten aber unverzagt: Ferrari-Teamchef Binotto.

Mit einem Schulterklopfen für Sebastian Vettel hat vor einem Vierteljahr das Martyrium für den Heppenheimer, für die Scuderia, ach was für ganz Italien begonnen. Beim Saisonstart der Formel 1 in Melbourne war der Favorit Vierter geworden, mit einer Minute Rückstand auf den Siegerpfeil von Valtteri Bottas. Das Schulterklopfen von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto damals sollte aufmuntern, Ausrutscher können ja auch den Besten mal passieren. Vor dem Großen Preis von Kanada am Wochenende, der das erste Saisondrittel beschließt, hat sich Ferrari von dem Schlag immer noch nicht erholt. Vettel als WM-Dritter hat satte 55 Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Hamilton, in der Teamwertung steht es 257:139 für Mercedes.

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Binotto ist der verantwortliche Konstrukteur, in jeglicher Hinsicht – er ist Technik- und Teamchef in Personalunion, ein Novum in der Königsklasse. Der in der Schweiz geborene Italiener wirkt nicht so, als ob er unter der Doppelbelastung zerbricht. Doch die Zweifel innerhalb und außerhalb des Rennstalls, der nun schon im zwölften Jahr erfolglos einem Titel hinterherfährt, wachsen, ob er der richtige Mann auf dem richtigen Posten ist.

Ferrari wirkt arrogant

Sechs Mal in diesem Jahr haben sich die Szenen wiederholt, in denen ein geschlagener Binotto nach dem Rennen vor die Medien tritt. Meistens ist er gut gelaunt, lacht oft sogar. Was ihn so amüsiert, weiß man nicht so genau. Aber es ist sympathisch, verkörpert nach außen hin tatsächlich ein neues, offeneres Klima im unter Maurizio Arrivabene so verschlossen, arrogant wirkenden Traditionsrennstall. Seine Antworten sind häufig ähnlich verschmitzt wie sein Lächeln, seine Brille hat ihm im Fahrerlager den Spitznamen „Harry Potter“ eingebracht. Nur das mit dem Zaubern, das haut nicht so hin. Wenn er doch wenigstens die richtige Formel für die Reifenmischung hätte – stattdessen machen seine Ingenieure, seine Strategen, seine Fahrer unter Druck zu viele Fehler.

Vor dem Rennen in Montreal hat Binotto, 49, schonungslos bekannt: „Wir wissen, dass wir derzeit nicht konkurrenzfähig genug sind. Vorerst werden wir auch keine weiteren Änderungen am Auto vornehmen, die maßgeblich Einfluss auf die Probleme einwirken können, die wir seit Saisonstart festgestellt haben.“

Personalie mit Brisanz 

Das klingt wie eine Bankrotterklärung, und sie lässt auch die Geschehnisse zum Ende der letzten Saison in einem anderen Licht erscheinen, als Ferrari technisch die Oberhand über Mercedes gewonnen hatte, und Technikdirektor B. ein entscheidendes Upgrade platzierte. Viel zu spät, glaubte man den Zweifeln von Vettel, der plötzlich mehr und mehr an Boden verlor. Am Ende mussten die Roten eingestehen, in die falsche Richtung entwickelt zu haben.

Zuhause in Maranello hat Binotto eine Spezialtruppe zur Ursachenforschung und -behebung gebildet, eine Art CSI Ferrari. Aber die Suche nach dem richtigen Grip kann wohl dauern, bis den Erklärungen auch Lösungen folgen. Deshalb deutet sich eine erste Personalie an: Simone Resta, einer der Top-Designer der Formel 1, soll vom im schweizerischen Hinwil stationierten Alfa-Satelliten-Team in die Zentrale zurückberufen werden. Eine heikle Entscheidung – mit Restas Rückkehr würde Binotto zumindest indirekt auch das Scheitern der eigenen Ideen eingestehen.

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