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Häkkinen über Spa 2000: Hätte "Schumi" auch ohne Zonta überholt

Formel1.de-Logo Formel1.de 13.01.2020 Maria Reyer
Mika Häkkinen jagt Michael Schumacher 2000 in Belgien © LAT Mika Häkkinen jagt Michael Schumacher 2000 in Belgien

"Das war eine unglaubliche Situation", erinnert sich Formel-1-Legende Mika Häkkinen an den Belgien-Grand-Prix 2000. Der Finne kam als WM-Führender und amtierender Weltmeister nach Spa-Francorchamps. Rivale Michael Schumacher setzte Häkkinen unter Druck und brachte ihn zur Verzweiflung - bis Runde 41. Was folgte, ist bis heute als eines der berühmtesten Überholmanöver der jüngeren Geschichte bekannt.

"Wir hatten eine sehr ähnliche Situation schon einmal erlebt, in Macau 1990", weiß Häkkinen im Podcast 'Beyond the Grid' noch heute. Der Finne fuhr damals gemeinsam mit Schumacher in der Formel 3 und duellierte sich mit dem Deutschen um den Sieg beim prestigeträchtigen Straßenrennen.

Auf Start-Ziel startete der Finne einen Angriff, doch Schumacher wehrte sich. Es kam zu einer Berührung, Häkkinen landete infolgedessen in den Leitplanken, während der Kerpener weiterfahren und gewinnen konnte. "Ich kannte Michaels Fahrweise, wenn er seine Position verteidigt. In Spa hat er es genauso gemacht."

Häkkinen: "Ich klebte an seinem Heck"

Die Rede ist vom Siegduell Schumacher/Häkkinen im Grand Prix von Belgien 2000. Der McLaren-Pilot kam als WM-Führender zum 13. Saisonlauf in den Ardennen. Er hatte nur zwei Punkte Vorsprung auf den Ferrari-Rivalen. Häkkinen konnte im Qualifying seiner Favoritenrolle gerecht werden, er startete von der Pole-Position.

Schumacher holte von Startplatz vier jedoch schnell auf, denn die Bedingungen wechselten von anfänglich Regen auf eine immer trockenere Piste. Auf Rang zwei jagte er seinen großen Rivalen und zwang Häkkinen in einen Fehler: In Stavelot drehte sich der McLaren-Pilot. Schumacher übernahm die Führung in Runde 13.

Nach den zweiten Boxenstopps baute der Ferrari seine Führung auf zwischenzeitlich sieben Sekunden auf Häkkinen aus. Die Strecke war zwar auf der Ideallinie trocken, an den Seiten allerdings noch gefährlich feucht. Der McLaren kam dennoch Stück für Stück näher, bis in Runde 40 der erste Angriff ins Leere ging.

"In Runde 40 klebte ich an seinem Heck. Als wir in dieser Runde durch Eau Rouge fuhren, lupften wir beide kurz und rasten dann Richtung Les Combes. Eau Rouge war damals eine majestätische Kurve. Man konnte sie fast voll fahren, aber eben nur fast. Es war ein Test für Mensch und Maschine", erinnerte sich Häkkinen bereits vor einigen Jahren.

Häkkinen hatte einen guten Schwung aus Eau Rouge mitgenommen und zeigte sich im Rückspiegel des Ferraris. Er versuchte ein Manöver auf der rechten Seite, doch Schumacher lenkte bei rund 300 km/h ebenso nach rechts und drängte den McLaren ab. Schumachers Hinterreifen berührte den Heckflügel des McLaren.

"Wenn du 300 km/h fährst hinter jemandem und du weißt, dass du viel schneller bist und du bereit bist, ihn zu überholen - und plötzlich zieht der genau vor dich. Entweder kannst du jetzt aufs Gras fahren, doch dann würdest du ganz sicher verunfallen bei dieser Geschwindigkeit", kommentiert Häkkinen die gefährliche Szene.

Häkkinen "hätte die Situation erzwungen"

Er entschied sich dazu, zurückzustecken und auf die nächste Gelegenheit zu warten. "Wenn die Person das dann aber zwei, dreimal macht, dann kann das schon aufreibend sein", gibt er im Nachhinein zu. Voller Wut im Bauch griff Häkkinen in Runde 41 erneut an.

Bei diesem Versuch lief das Führungsduo auf Hinterbänkler Ricardo Zonta im BAR-Honda auf. Ein glücklicher Zufall für Häkkinen: "Zum Glück konnte ich ihn dann aber dennoch überholen, denn vor uns ist ein langsames Auto gefahren. Der ist in der Mitte der Rennstrecke gefahren. Das hat mir erst die Möglichkeit gegeben, ihn zu überholen."

Denn Häkkinen stach mutig rechts an Zonta vorbei, während Schumacher den etwas weiteren Weg auf der linken Seite nahm. In Les Combes bog der McLaren schließlich vor dem Ferrari ein. Wäre das Manöver auch ohne Zonta so ausgegangen? "Ich denke schon."

"Ich denke, ich hätte die Situation erzwungen, in der ich ihn dann überholt hätte. Ich denke, es wäre so oder so passiert. Aber definitiv hat mir das eine gute Chance gegeben, ohne großes Risiko vorbeizugehen." Nach dem Rennen stellte Häkkinen den damals zweifachen Weltmeister zur Rede.

Er wollte mit Schumacher über dessen Verteidigungslinie sprechen. "Ich habe ihm erklärt, dass er bei dieser Geschwindigkeit solche Spielchen nicht spielen kann." Die Szene ist auch auf einem mittlerweile berühmten Foto festgehalten, auf dem Häkkinen Schumacher dessen Linienwahl mit den Händen zeigt.

Beide waren bereits Weltmeister, beide hatten schwere Unfälle hinter sich - "daher dachte ich, muss es einen gewissen Respekt geben." Für den Finnen war Schumachers Verhalten in jenem Moment auf der Kemmel-Gerade "nicht akzeptabel".

"Michael hatte seine eigene Art zu fahren, aber ich musste danach mit ihm sprechen, damit er das versteht. Dass ich sehr wohl verstehe, was da gespielt wird. Ich wollte nicht einfach gehen und ignorieren, was er da gemacht hat. Ich wollte ihn das wissen lassen, dass ich das sehr wohl verstehe, was da läuft."

Nachdem er die Szene Revue passieren lässt, merkt Häkkinen noch etwas an: "Ich weiß natürlich, in welcher Lage sich Michael heute befindet. Es ist sehr schwierig. Und wenn ich jetzt über die Vergangenheit spreche, über unsere Duelle, dann ist das nur meine Erinnerung."

Es habe schließlich positive und negative Momente zwischen den beiden gegeben. "Aber wir beide hatten unglaublich erfolgreiche Karrieren und große Erfolge", hält der zweifache Weltmeister fest. "Jetzt also über Michaels manchmal schmutzigen Fahrstil zu sprechen", lacht der Finne, "ist nicht so einfach. Denn ich möchte nicht über Dinge schlecht sprechen, die lange in der Vergangenheit liegen."

"Ich möchte nicht hinter seinem Rücken über ihn reden", hält der 51-Jährige fest und ergänzt: "Ich hoffe, er wird wieder stärker!"

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