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Sebastian Vettel: Barcelona-Tests haben alle in die Irre geleitet

Formel1.de-Logo Formel1.de 11.05.2019 Christian Nimmervoll
Sebastian Vettel ist nachdenklich: In Barcelona fehlt eine halbe Sekunde © GP-Fever.de Sebastian Vettel ist nachdenklich: In Barcelona fehlt eine halbe Sekunde

Nach den Wintertests in Barcelona galt Ferrari für die meisten Experten als haushoher Favorit auf den WM-Titel 2019. Sebastian Vettel hatte am 1. März eine Bestzeit von 1:16.221 Minuten erzielt. Letztendlich lag er damit zwar nur 0,003 Sekunden vor Lewis Hamilton im schnellsten Mercedes. Aber der Gesamteindruck, den Ferrari hinterlassen hatte, war stärker.

Nach den ersten vier Rennen zeigt sich aber ein gänzlich anderes Bild: Mercedes hat vier Doppelsiege gefeiert und in der Konstrukteurs-WM fast doppelt so viele Punkte gesammelt wie Ferrari (173:99). Trotzdem glaubt Vettel nicht, dass sich Ferrari vor dem Saisonauftakt in Melbourne selbst überschätzt hat.

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Er analysiert: "Ich denke, wir waren sehr bereit, direkt in der ersten Woche. Die anderen vielleicht noch nicht so. Mercedes hatte in der zweiten Woche ein komplett anderes Auto als in der ersten. Da waren sie schon deutlich näher dran. Aber die Euphorie der Leute von außen hat sich davon nicht bremsen lassen."

"War halt schöner, die Geschichte so weiterzuschreiben, wie sie in der Woche vorher angefangen hat. Deshalb war Australien in der Hinsicht keine Überraschung, dass es eng wird, aber schon eine Überraschung, dass wir nicht ganz vorne dabei waren und doch so viel gefehlt hat. Unterm Strich hat uns der Speed gefehlt in den ersten vier Rennen, um uns immer durchzusetzen."

Vettel: Nur in Bahrain war Ferrari auf Augenhöhe

Der viermalige Weltmeister sieht "in den ersten vier Rennen nur eins, in dem wir auf Augenhöhe waren oder knapp davor". Nämlich Bahrain. "In allen anderen", sagt er, "waren wir nicht schnell genug."

Vettel hat insofern recht, als der Ferrari-Hype in den Medien nach den Barcelona-Tests maßlos überzogen war. 'Motorsport-Total.com' hatte das Kräfteverhältnis schon damals anders analysiert: "Unserer Meinung nach war der Silberpfeil auf Augenhöhe, wenn nicht sogar schneller", schrieben wir nach der Analyse der Longrun-Vergleiche in unserem Live-Ticker.

"Wir halten fest: Mercedes mag zwar seine Probleme haben, besonders auf eine Runde. Aber auf die Renndistanz war das eine sehr, sehr starke Vorstellung. Ferrari hat noch keineswegs eine Hand am Pokal, wie manche Vettel-Fans schon gehofft haben", so unsere Einschätzung am Abend des vorletzten Testtags, nach dem ersten Longrun-Head-to-Head der beiden Topteams.

"Wir sind nie wirklich zurückgefallen", bestätigt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto vor dem Grand Prix von Spanien (Formel 1 2019 live im Ticker). "Wir hatten sicher starke Wintertests, aber ich glaube, dass unser Hauptgegner mindestens genauso gut aufgestellt war wie wir. Am letzten Tag der Wintertests sind sie die gleiche Rundenzeit gefahren. Da haben wir schon gesagt, dass sie stark sein werden."

Binotto: Vergleich mit Wintertests irrelevant

"Seither haben wir beide unsere Autos weiterentwickelt. Das Auto, mit dem wir jetzt hier fahren, hat mit dem vom Winter nicht mehr viel zu tun. Die Wetterverhältnisse sind auch ganz anders, die Hitze ist ein Faktor. Ich glaube daher, man kann da keine direkten Vergleiche mehr ziehen."

Vettel ergänzt lediglich: "Die Tests liegen mittlerweile weit hinter uns. Aber es wird interessant sein, das Auto zu vergleichen, wie es sich damals angefühlt hat und wie es sich jetzt anfühlt."

Teamkollege Charles Leclerc sieht das ganz ähnlich: "Anscheinend glauben alle, dass wir bei den Wintertests das schnellste Auto hatten. Ich glaube das nicht! Mercedes war extrem stark. Sie haben am letzten Tag nur eine Runde auf Zeit gesetzt - und die war gleich genauso schnell wie unsere. Ich glaube nicht, dass wir bei den Tests die Schnellsten waren."

Auch die Theorie, dass sich Ferrari noch ein Ass in der Hinterhand behalten hat, um die Konkurrenz in die Irre zu führen, stimme nicht. Vettel stellt klar: "Ich glaube, dass jeder immer 'all in' geht. Du musst schon in einer sehr komfortablen Position sein, wenn du es dir leisten kannst, etwas zurückzuhalten. Wir sind in den ersten vier Rennen 'all in' gegangen, und das werden wir weiterhin so handhaben."

Der Speed war da - phasenweise ...

Tatsache ist aber auch: Zumindest phasenweise blitzte der Speed des Ferrari SF90 durch. Bei den Tests in Barcelona sowieso. Dann beim Grand Prix von Bahrain, wo Leclerc ohne Motorproblem mühelos gewonnen hätte. Und noch einmal in Aserbaidschan, wo Leclerc bis zu seinem Crash im Qualifying als klarer Pole-Favorit galt.

Aber Mercedes ist seit den Wintertests nicht stehengeblieben. Nach der ersten Testwoche präsentierten die Silberpfeile ein Update, das man fast als B-Spec bezeichnen könnte. Und während Ferrari für Baku die Aerodynamik und für Barcelona den Motor verbessert hat, legt Mercedes für den Europa-Auftakt die nächste Runderneuerung des F1 W10 EQ Power+ vor.

"Wir hatten in den letzten Rennen die Schwäche eher in den langsamen Kurven", erklärt Vettel. "Aber ehrlich gesagt: Die Teile, die jetzt ans Auto kommen, sind ja nicht erst als Ergebnis davon entstanden, sondern der Plan stand schon vorher."

"Ich glaube, es geht in die richtige Richtung. Wenn man das Auto überall verbessert, werden auch die langsamen Kurven besser, hoffe ich. Zudem kann uns der Motor noch ein bisschen Boost geben, glaube ich - im wahrsten Sinne des Wortes. Schauen wir mal, was am Wochenende rauskommt."

Binottos Zwischenbilanz: "Nicht zufrieden"

Sollte der Ferrari selbst in Barcelona nicht an die Leistungen bei den Wintertests anknüpfen können - und danach sieht es nach dem ersten Trainingstag aus -, dann wäre das für den weiteren Saisonverlauf eine schlechte Nachricht, räumt Vettel ein. Aufgeben würde er trotzdem nicht. Motto: Dann halt ab Monaco!

"Wir sind mit den Punkten, die wir bisher geholt haben, sicher nicht glücklich", bilanziert Teamchef Binotto. "Ich finde, wir haben in Bahrain eine klasse Möglichkeit verpasst, denn dort wäre ein fantastisches Ergebnis möglich gewesen. Und in Baku wäre auch ein viel besseres Rennen und ganz sicher ein viel besseres Qualifying möglich gewesen."

"Wenn man alles zusammenzählt, haben wir in Relation zu unserem eigentlichen Potenzial zu wenig Punkte gemacht. Unser Ziel ist nicht, da zu stehen, wo wir stehen. Insofern können wir mit dem Saisonbeginn nicht zufrieden sein. Aber ich glaube, dass wir trotzdem ein gutes Auto haben", sagt der Italo-Schweizer.

"Unsere Konkurrenz ist sehr, sehr stark. Das wussten wir aber schon vorher und kommt für uns nicht überraschend. Wir sind noch mittendrin im Titelkampf und wir gehen jedes einzelne Rennen in der Absicht an, ein gutes Ergebnis abzuliefern. Und dazu sind wir auch in der Lage", glaubt Binotto.

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