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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Formel1.de-Logo Formel1.de 12.06.2018 Christian Nimmervoll
Lewis Hamilton hat in Montreal die WM-Führung an Sebastian Vettel verloren © LAT Lewis Hamilton hat in Montreal die WM-Führung an Sebastian Vettel verloren

Kritik auf hohem Niveau: Warum Lewis Hamilton nach Platz fünf in Montreal Teil der Lösungsfindung innerhalb des Mercedes-Teams sein muss

Liebe Leser,

nur damit das jetzt keiner falsch versteht: Jeder Teamchef ist gesegnet, wenn er Lewis Hamilton in einem seiner Cockpits sitzen hat! Wir legen beim viermaligen Weltmeister die allerhöchsten Maßstäbe an und kritisieren Leistungen, die bei anderen nicht zu kritisieren wären. Weil er eben so ein herausragendes Talent ist.

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Wäre Mercedes mit Motor-Upgrade siegfähig gewesen?

Aber nach dem Grand Prix von Kanada drängt sich Hamilton für unsere traditionelle Montags-Kolumne regelrecht auf.

Nicht so sehr, weil er "nur" Fünfter geworden ist und die WM-Führung wieder an Sebastian Vettel verloren hat. Sondern weil es für diesen fünften Platz (zumindest noch) keine schlüssige Erklärung gibt.

Hamilton war schon im Qualifying um gut eine Zehntelsekunde langsamer als Teamkollege Valtteri Bottas. Nun fährt Bottas momentan in sehr starker Form, und Kanada ist eine Strecke, die dem Finnen liegt. Aber sie ist eben auch Hamilton auf den Leib geschneidert.

Auf dem Circuit Gilles Villeneuve hat er 2007 seinen allerersten Grand-Prix-Sieg gefeiert, später fünf weitere Male gewonnen, zuletzt dreimal hintereinander. Und ein Qualifying-Duell hat er dort vor 2018 überhaupt erst einmal verloren: 2014 gegen Nico Rosberg.

Kanada ist Hamilton-Land

Die eher müde Performance im ersten Stint ist noch am ehesten erklärbar. Laut Mercedes kämpfte er mit zu hohen Temperaturen. Ein Problem, das beim Boxenstopp gelöst werden könnte. Danach war Hamilton stärker. Aber beim aktuellen "Überholverbot" in der Formel 1 war es da schon zu spät, um sich noch groß in Szene zu setzen.

Dass er sich im Qualifying in den beiden entscheidenden Runden jeweils in der Haarnadel vertan hat, mag mit dem Auto zu tun gehabt haben. Mercedes war in Montreal nicht so überlegen wie in vergangenen Jahren. Aber Tatsache ist auch: Bottas hat's besser hinbekommen. Zumindest um einen Tick. Und normalerweise sollte es genau andersrum sein.

Ich stimme Bernie Ecclestone nicht zu, der Anzeichen erkennt, dass Hamilton nicht mehr der Alte ist. Aber wenn er nicht bald zur von ihm gewohnten Überform aufläuft, zu der kaum ein anderer Fahrer überhaupt in der Lage wäre, wird's in der WM womöglich enger, als viele noch vor zwei, drei Wochen geglaubt hätten. Mich eingeschlossen.

Erste Kritik an Hamilton deutet sich an

Hamilton, das wissen wir, muss in "the Zone" sein, um Höchstleistungen zu performen. Das scheint er momentan nicht zu sein. Rosberg, sein alter Lieblingsrivale, hat das erkannt. Es werde Hamilton besonders wehtun, gerade in Montreal das Qualifying-Duell zu verlieren, erklärte er am Samstagabend. Und nach dem Rennen hat er sicher nicht weniger "zu kiefeln", wie wir Österreicher sagen würden.

Toto Wolff liegt es fern, seinen Superstar offen zu kritisieren. Aber es sagt etwas aus, wenn der Teamchef zugibt, dass auch Hamilton Teil des Lösungsfindungsprozesses der nächsten Wochen sein muss.

Der Mercedes mag - auch wenn Wolff das vor ein paar Wochen noch anders gesehen hat - eine zickige Diva sein. Mal funktioniert er perfekt und ist nahezu unschlagbar, wie wir das seit 2014 kennen; mal ist er aber auch nur zweite oder dritte Kraft. 2018 sind solche Wochenenden öfter der Fall als in der jüngeren Vergangenheit.

Der schnellste, aber nicht der kompletteste Fahrer?

Das liegt wahrscheinlich ein bisschen in der Natur der Sache. Keine Erfolgs-Ära dauert ewig, und im fünften Jahr einer stabilen Motorenformel haben Ferrari und Co. den anfänglichen Rückstand langsam geschlossen.

Vielleicht fällt es auch Hamilton schwer, sich zu motivieren. Er hat allen bewiesen, dass er der schnellste Fahrer im Formel-1-Feld ist. Vielleicht nicht der kompletteste, aber der schnellste. Und jeder weiß, dass ein komplexer Charakter wie Hamilton nur dann zur Bestform aufläuft, wenn er sich im Kopf stark fühlt, wenn er bis in die Haarspitzen motiviert ist.

Möglicherweise ist Hamilton das gerade nicht. Wenn bei ihm nur ein Prozent fehlt, merkt es die ganze Welt. Es wäre verständlich. Nach so vielen Jahren des Erfolgs muss sich irgendwann eine gewisse Müdigkeit einstellen. Ein kleiner Hänger nur, ein paar Wochen lang. Wer kennt das nicht, dass einem die Arbeit mal eine Zeit lang weniger Spaß macht? Nur ein klitzekleines bisschen.

Fehlt der alte "Nemesis" Rosberg?

Vielleicht fehlt ihm auch sein alter "Nemesis" Rosberg. Der Welt zu beweisen, dass er der Bessere ist, war für Hamilton zwischen 2014 und 2016 ein einmaliger Antrieb. Und 2017 musste er richtigstellen, dass 2016 nur ein Ausrutscher war. Mit Bottas gibt's Harmonie im Team, der Finne wird ihm nicht ganz so gefährlich. Kann sein, dass sich Hamilton unter diesen neuen Umständen weniger genötigt sieht, der Welt etwas beweisen zu müssen.

Vielleicht sind meine Theorien auch nur kompletter Schwachsinn und es ist eine Verkettung von Zufällen, dass Hamilton ausgerechnet das Wochenende auf seiner Leibstrecke vermurkst hat. Und vielleicht sollte man sich auch gar nicht der Formulierung "vermurkst" bedienen, wenn ein Rennfahrer im Qualifying eine Zehntelsekunde auf den Teamkollegen, der auch kein Nasenbohrer ist, verliert und im Rennen vor einem Ferrari ins Ziel kommt.

Aber es ist, wie es ist: Von Hamilton wird nur das Beste erwartet. Das Beste oder nichts.

Übrigens: Die Schwesternkolumne "Wer letzte Nacht am besten geschlafen hat" auf unserem Schwesternportal de.motorsport.com, verfasst diesmal von Sven Haidinger, befasst sich heute mit dem Sieg von Sebastian Vettel.

Wer sonst noch schlecht geschlafen hat:

Winnie Harlow: Nach dem Zielflaggen-Chaos hatte der eine oder andere den Verdacht: Das kanadische Model hatte nur Augen für ihren (angeblichen) Boyfriend Lewis Hamilton, daher bekam sie es nicht auf die Reihe, die volle Distanz von 70 Runden abzuwarten. Die Wahrheit ist eine andere: Die FIA-Offiziellen haben das Missverständnis ausgelöst und Harlow fälschlicherweise aufgefordert, die Flagge zu schwenken. Das interessierte aber in den sozialen Netzwerken kaum einen, der auf die arme Harlow hingedroschen hat. Traurig.

Kimi Räikkönen: Sicher hatte Räikkönen den älteren Motor und war damit gegenüber Vettel im Nachteil. Aber sein sensationelles Performance-Strohfeuer vom Saisonbeginn, das nur selten mit Ergebnissen belohnt wurde, scheint langsam auszubrennen. Während gleichzeitig Ferrari-Junior Charles Leclerc im Sauber eine Galavorstellung nach der anderen abliefert. Ist es wirklich nur Zufall, dass die ersten Gerüchte auftauchen, die den "Iceman" 2019 in der Rallye-WM statt in der Formel 1 sehen?

Ihr
#w22#

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