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So wurde Ricciardo zum begehrtesten Mann der Formel 1

WELT-Logo WELT 10.06.2018
Daniel Ricciardo vom Team Red Bull Racing © picture alliance/HOCH ZWEI Daniel Ricciardo vom Team Red Bull Racing

Daniel Ricciardo gewann bereits zwei Rennen in dieser Formel-1-Saison. Der Red-Bull-Pilot ist ein ernstzunehmender Titel-Rivale für Vettel und Hamilton. Und bald vielleicht ihr Team-Kollege?

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Das Fazit des Experten ist besorgniserregend, zumindest für Max Verstappen. "Wäre er mein Fahrer", sagt Ex-Weltmeister Niki Lauda, der Aufsichtsratschef des Mercedes-Teams, "würde ich ihn fragen: Wie lange willst du das noch machen?" Sechs Rennen, sechs Fehler – das ist die düstere Bilanz des Red-Bull-Piloten in der neuen Formel-1-Saison: in Australien ein unnötiger Dreher, in Bahrain eine Kollision mit Lewis Hamilton, in China ein Zusammenstoß mit Sebastian Vettel, in Aserbaidschan ein Crash mit Teamkollege Daniel Ricciardo, in Spanien eine Kollision mit Lance Stroll, in Monte Carlo ein Abflug in die Leitplanke.

Spätestens nach Ricciardos überragendem Sieg beim Großen Preis von Monaco müsste Red-Bull-Motorsportberater und Ex-Rennfahrer Helmut Marko über eine Neuaufstellung der Kräfte in dem von ihm geführten Team nachdenken. Aufgrund der Fakten ist nämlich nicht der von ihm bisher bevorzugte Niederländer Verstappen, 20, das strahlende Juwel der österreichisch-britischen Grand-Prix-Mannschaft, sondern der ewig fröhliche Australier Ricciardo, die inoffizielle Nummer zwei.

In der WM-Fahrerwertung rangiert der stets gut gelaunte 28-Jährige aus Perth (Jahresgehalt: ca. acht Millionen Euro) hinter Weltmeister Lewis Hamilton und Ex-Champion Sebastian Vettel mit 72 Punkten auf Platz drei. Max Verstappen (17 Millionen Euro) hingegen nimmt mit 35 Punkten lediglich Rang sechs ein. Das hat Gründe, die selbst Verstappen-Fan Marko ins Grübeln bringen sollten.

Verstappen kann Titel abschreiben

Ricciardo gewann 2018 schon zwei Grands Prix (China und Monaco), eroberte eine Poleposition und fuhr drei schnellste Rennrunden. Red-Bull-Teamchef Christian Horner sagt: "Daniel fährt intelligent, weich, schnell und macht kaum Fehler." Und fügt überaus vielsagend an: "Max kann von ihm viel lernen."

Verstappen kann derweil lediglich einen dritten Platz und eine schnellste Rennrunde vorweisen, wegen eingangs erwähnter Fehler aber belieferte "der fliegende Holländer" (Szenespott) sein Team mit jeder Menge Schrott. Martin Brundle, der ehemalige Formel-1-Pilot, bescheinigte Verstappen bereits: "Er kann die Weltmeisterschaft 2018 schon abschreiben." Das größte Problem für Red Bull ist nun: Während Verstappen vorzeitig mit einem üppig dotierten Dreijahresvertrag bis 2021 ausgestattet wurde, läuft der Kontrakt von Ricciardo ("Wenn ich noch ein Rennen gewinne, fahre ich mit den großen Jungs um den Titel") am Ende der Saison aus.

Seine berufliche Zukunft muss ihn nach den Weltklasseleistungen der vergangenen Monate jedoch nicht sorgen. Im Gegenteil. Hinter den Kulissen läuft bereits ein Vertragspoker zwischen Ricciardo und den drei Topteams, aus dem Schattenmann von Bruchpilot Verstappen ist einer der begehrtesten Wunschfahrer der Branche geworden.

Mehr noch: Daniel Ricciardo nimmt die Schlüsselrolle ein, wenn es bei den Silberpfeilen und der Scuderia um die Besetzung des Cockpits neben den gesetzten Spitzenmännern Lewis Hamilton und Sebastian Vettel geht. Für wen der Australier am Ende ins Auto steigen wird, entscheidet sich aber erst in den nächsten vier bis fünf Wochen, nach den Grands Prix von Kanada (10. Juni), Frankreich (23. Juni), Österreich (1. Juli) und England (8. Juli).

Für alle Verhandlungspartner Ricciardos, also Ferrari, Mercedes und auch Red Bull, stehen wichtige Entscheidungen an. Wird Hamilton im Falle eines fünften Triumphes in der Fahrer-WM überhaupt weiter Formel-1-Rennen fahren – oder stattdessen den von ihm schon längst avisierten neuen Lebensabschnitt in der Musik-, Mode- und Designbranche starten? Wie lange engagiert sich Mercedes über 2020 hinaus in der Formel 1? Hersteller, das ist branchenbekannt, kommen und gehen. Spricht sich Ferrari-Stammfahrer Vettel (Vertrag bis 2020) lieber für seinen jetzigen Teamkollegen Kimi Räikkönen aus statt für den unbequemeren und leistungsstärkeren Ricciardo?

Motorenfrage könnte entscheiden

Immerhin hatte der Australier den Heppenheimer bei seiner ersten Red-Bull-Saison 2014 als Teamkollegen abserviert – er wurde in der WM-Wertung mit 238 Punkten Dritter, während Vettel mit 167 Punkten lediglich Rang fünf belegte. Gelingt es Ricciardo bei den nächsten Rennen, vielleicht schon in Montreal/Kanada (Sonntag, 20.10 Uhr, RTL), die ohnehin schon abgeflaute Begeisterung für Verstappen bei Red Bull in noch mehr Engagement zu seinen Gunsten umzukehren?

Auch die Antwort auf die Frage nach dem neuen Red-Bull-Motorenpartner – Honda oder weiter Renault – wird Ricciardos Zukunft beeinflussen. Ex-Rennfahrer John Watson glaubt: "Daniel weiß, dass bei der jetzigen technischen und finanziellen Konstellation in der Formel 1 ein Hersteller oder Werksteam wie Mercedes oder Ferrari die bessere Wahl ist als Red Bull."

Wie sich Ricciardo auch entscheidet: Ab dem Großen Preis von Kanada am Sonntagnachmittag wird das teaminterne Duell zwischen ihm und Max Verstappen seine Zukunft bestimmen. Bei Red Bull wissen sie, dass der unberechenbare Niederländer noch zweieinhalb Jahre unter Vertrag steht. Die Zukunft seines Teamkollegen Ricciardo ist ungewiss. Aber nicht mehr lange.

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