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Tuchel sieht seine wichtigste Mission in Gefahr

WELT-Logo WELT 12.02.2019
FBL-EUR-C1-PSG-TRAINING © AFP/FRANCK FIFE  

Von Thomas Tuchel wird bei PSG der Champions-League-Sieg erwartet. Manchester United galt als gutes Los. Mittlerweile haben sich die Vorzeichen aber völlig umgekehrt. Der deutsche Trainer hat große Sorgen.

Die vergangenen Tage waren schwierig für Thomas Tuchel, denn sie brachten bittere Gewissheit. Der deutsche Trainer soll mit Paris St. Germain nichts weniger als die Champions League gewinnen, doch bei dieser ohnehin schwierigen Mission bricht ihm eine Stütze nach der anderen weg. Es könnte heikel werden.

Am Samstag schwante ihm schon nichts Gutes, als sein Torjäger Edinson Cavani zwar einen Strafstoß beim 1:0 gegen Girondins Bordeaux verwandelte, es aber wohl allzu anspruchsvoll machte. Er zog sich dabei jedenfalls eine Sehnenverletzung in der rechten Hüfte zu, so wurde es am späten Sonntagnachmittag diagnostiziert.

Doch damit nicht genug, auch Verteidiger Thomas Meunier meldeten die Pariser Ärzte im Laufe des Tages als nicht einsatzfähig für das Achtelfinal-Hinspiel beim englischen Rekordmeister Manchester United am Dienstag (21.00 Uhr, im WELT-Sportticker).

Weil seit Wochen auch Superstar Neymar wegen einer Mittelfußverletzung fehlt und auch für das Rückspiel gegen wieder aufgeblühte und bärenstarke Engländer definitiv nicht zur Verfügung stehen wird, ähnelt Tuchels Tenor dem eines Notstandsverwalters. "Ich bin besorgt, weil Schlüsselspieler fehlen. Für die großen Spiele in der Champions League ist es absolut notwendig, auf solche Spieler mit viel Erfahrung zurückgreifen zu können", sagte er. Übertrieben ist das nicht.

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Manchester United wurde vom Glücks- zum Albtraumlos

Als am 17. Dezember die Auslosung für das Achtelfinale Paris die Truppe von Manchester United bescherte, da konnten Tuchel und Co. sich noch glücklich schätzen. Manchester galt als Glückslos, denn es war die Mannschaft Mourinhos. Ein heilloses Team, ohne Struktur und Spielidee, vor allem aber in großen Teilen über Kreuz mit dem egozentrischen Startrainer.

Einen Tag nach der Auslosung aber war alles anders. Jose Mourinho wurde entlassen und Paris erwuchs ein Furcht einflößender Gegner. Denn ohne Mourinho trat das englische Ensemble wie befreit auf, auf einmal standen glückliche Spieler mit Spaß am Beruf auf dem Platz.

Vermittelt von der ehemaligen Spielerlegende des Klubs, Ole Gunnar Solskjaer. Der bodenständige Norweger musste im Grunde zu Anfang nur eine Eigenschaft haben: nicht Mourinho zu sein. Außerdem impfte er Manchester wieder die Klub-DNA ein, die Mourinho nahezu komplett vernichtet hatte. Solskjaer kehrte vom langweiligen Defensivgewürge seines Vorgängers ab und ließ wieder wie einst in den glorreichen Jahren des Klubs auf Risiko spielen. Er predigte, "auf das zweite, dritte, vierte Tor zu gehen". Es waren lange schon nicht mehr gehörte Ermunterungen.

Ursprünglich hätte sich also Tuchel durch die miese Bilanz Mourinhos ermutigt fühlen dürfen. In 24 Pflichtspielen dieser Saison führte der das Team nur zu zehn Siegen, aber eben auch acht Niederlagen. Manchester lud außerdem zum Toreschießen ein, 43 Gegentreffer hatte Mourinho bis dahin zu beklagen.

Mit Solskjear nun wirken nicht nur Profis wie Paul Pogba, Marcus Rashford oder Jesse Lingard, als seien sie aus Ketten befreit worden, es stimmen auch die Ergebnisse. Und wie. Von elf Pflichtspielen hat Solksjaer noch keines verloren geben müssen, lediglich ein Mal reichte es nur zu einem Remis. Hinten macht die Mannschaft endlich gekonnt zu, vorn glänzt sie wieder mit Toren: 2,6 sind es in der Liga im Schnitt.

Neymars Ausfall trifft PSG extrem hart

19.01.2019, Frankreich, Paris: Fußball: Ligue 1, Frankreich, 21. Spieltag, Paris St. Germain - EA Guingamp. Kylian Mbappe (vorne) gegen Guingamps Christophe Kerbrat. Foto: Michel Euler/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa  

Während bei Manchester also die Siegesgewissheit Einkehr gehalten hat, schleicht sich bei Paris St. Germain zunehmend die Ungewissheit ein. Wie wird es laufen ohne Meunier, Stabilisator auf der rechten Bahn, ohne ohne Cavani, 17 Ligatreffer und vor allem ohne Neymar, 13 Treffer in 13 Ligaspielen, dazu noch sechs Torvorlagen.

Ist zwar nicht so, dass es keine Alternativen mehr gebe. Der deutsche Nationalspieler Julian Draxler etwa wird wohl Cavani ersetzen und an der Seite von Weltmeister Kylian Mbappe in der Spitze spielen. Doch in Paris erinnern sie sich mit Unbehagen an das vergangene Jahr. Da fiel Neymar Ende Februar mit der gleichen Verletzung aus, was dem ambitionierten Klub im Achtelfinale schlussendlich mit den Garaus gegen Real Madrid gemacht hat. Es war ein Desaster.

FBL-FRA-LIGUE1-PSG-BORDEAUX © AFP/FRANCK FIFE  

Denn die Besitzer aus Katar haben seit der Übernahme 2011 mehr als eine Milliarde Euro investiert. Bisher zahlte sich das nur mit nationalem Erfolg aus, international ist die Rendite marginal. Tuchel sollte das ändern, aus dem Trauma Champions League einen Traum machen.

Er war auf gutem Wege, Ausnahmekönner wie Neymar oder auch Cavani folgten ihm bedingungslos, er hatte sie um den Finger gewickelt. Deswegen wäre per se viel möglich gewesen. Ohne die Stars aber wirkt Paris wie eine große Unbekannte auf einer Party, von der man nicht genau weiß, welche Wirkung sie auf den Gastgeber aus Manchester haben wird.

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