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Bei der WM in Budapest: Florian Wellbrock schwimmt fast ohne Limit

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 28.06.2022 Jörg Leopold

Vier Rennen, vier Medaillen – zuletzt zwei Titel: Florian Wellbrock ist im Schwimmen der König der Langstrecke. Am Mittwoch kann er noch einmal Gold holen.

Norddeutsche Euphorie. Florian Wellbrock nach seinem WM-Sieg über fünf Kilometer. © Foto: Imago/Xianhua Norddeutsche Euphorie. Florian Wellbrock nach seinem WM-Sieg über fünf Kilometer.

Florian Wellbrock wirkt für Außenstehende zunächst einmal eher nüchtern und überlegt. Vielleicht liegt das an der den Norddeutschen oft angedichteten Zurückhaltung – Wellbrock ist gebürtiger Bremer. Womöglich aber einfach nur daran, dass Wellbrock sich besonders gut fokussieren und analysieren kann.

Nach seinem Sieg über fünf Kilometer bei der Schwimm-WM in Budapest am Montag im Freiwasser des Lupa-Sees wusste der 24 Jahre alte Olympiasieger dann auch gleich, warum er das Rennen gewonnen hatte: „Ich habe heute echt einen super Tag erwischt, wieder wunderschönes Wetter, also genau die Bedingungen, die ich fürs Freiwasser haben möchte“, sagte Wellbrock und sprach von einem „fast perfekten“ Wettkampf.

Schon am Mittwoch ist er wieder gefordert, dann stehen die zehn Kilometer an, jene Strecke, auf der er von einem Jahr in Tokio bei den Sommerspielen seinen bisher größten Erfolg feierte. „Als Titelverteidiger und Olympiasieger sollte man da zu den Favoriten gehören“, meinte Wellbrock in seiner so typischen Art.

Euphorie scheint ihm fremd zu sein, nach dem Erfolg über fünf Kilometer sah man ihn auf dem Siegerpodest mit den beiden anderen Medaillengewinnern Gregorio Paltrineri und Mychajlo Romantschuk ein Selfie knipsen. Während die Konkurrenten, die gleichermaßen Freunde sind, breit grinsten, war Wellbrock der Stolz und die Freude vor allem in den Augen abzulesen.

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In dieser Hinsicht hält es Wellbrock ganz offensichtlich wie sein Coach Bernd Berkhahn, der in Magdeburg eine erfolgreiche Trainingsgruppe führt. „Die Euphorie kommt im Anschluss“, sagte Berkhahn nach dem Titel seines Schützlings und verwies darauf, dass es ja noch ein Rennen geben würde.

Die Bilanz von Berkhahns Team kann sich unabhängig davon schon jetzt sehen lassen. Bis auf eine gingen alle deutsche Einzel-Medaillen bei der WM in Budapest auf das Konto seiner Schwimmer. Lukas Märtens, der vergangene Woche über 400 Meter Freistil Silber holte, und Wellbrock mit nun Gold, Silber und Bronze im Freiwasser und Becken. Dazu führte Wellbrock am Sonntag auch die Freiwasser-Staffel zum Titel.

Am Mittwoch werden fast 40 Grad in Budapest erwartet

Vor dem Rennen am Mittwoch galt es nun für Wellbrock, sich bestmöglich zu erholen. Denn die äußeren Bedingungen werden mit Temperaturen an die 40 Grad in der Luft und im hohen 20er-Bereich für das Wasser erneut herausfordernd sein. „Viel locker schwimmen, viel trinken, viel essen, viel Physio, und dann passt das schon für die zehn Kilometer“, meinte Wellbrock selbst.

Dass Wellbrock die WM-Strapazen derart gut wegsteckt, dürfte ihn vielleicht sogar ein bisschen selbst überrascht haben. Immerhin hat er im Becken schon mehrere Rennen über 800 und 1500 Meter gekrault und befand sich von Samstag bis Dienstag innerhalb von 40 Stunden gleich dreimal im Wasser. Zudem wurden ihm in der WM-Vorbereitung noch die Weisheitszähne gezogen.

„Ich bin dann gespannt auf die Jungs, die wirklich nur für das Freiwasser hier sind. Die müssten theoretisch noch ein bisschen mehr Energie haben“, sagte er deshalb, versprach aber: „Ich werde auf jeden Fall nochmal alles reinlegen.“ Und das war bei den diesen Titelkämpfen bisher schon sehr viel, auch wenn es seinem Trainer zufolge immer noch Steigerungspotenzial geben würde: „Wenn er die 1500 Meter im Becken auch so mutig und gelöst geschwommen wäre, hätte es dort auch noch anders laufen können“, sagte Berkhahn und zeigte sich mit Platz drei dort nicht ganz zufrieden.

Vielleicht ist auch das ein Erfolgsgeheimnis seiner Schwimmer: Sie wollen immer das Optimum herausholen. In dieser Hinsicht hat Florian Wellbrock tatsächlich noch Luft nach oben. Schließlich kennt er sein eigenes Limit selbst am besten.

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