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Corona: Tennis-Profi Jan-Lennard Struff - „Viele Spieler werden auf der Strecke bleiben“

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 06.04.2020 Klaus Bellstedt

Jan-Lennard Struff ist als Tennisprofi ständig auf Reisen. Hier spricht Deutschlands Nummer zwei über den Charme der Heimarbeit, die Probleme eines vorzeitigen Saisonendes und Solidarität unter Kollegen.

© Yorick Jansens/ picture alliance/ dpa

SPIEGEL: Herr Struff, normalerweise würden Sie jetzt gerade um wichtige Weltranglistenpunkte Tennis spielen. Wie frustriert sind Sie?

Struff: Es ist ein heftiger Wechsel. Wir Tennisprofis sind so viel unterwegs. Das ist eine gewaltige Umstellung. Aber ich sehe es auch positiv. Ich bin bei meiner Familie. Das gibt es sonst kaum. Jetzt mal für längere Zeit an einem Ort zu sein genieße ich sehr.

SPIEGEL: Wie geht Lockdown im Hause Struff?

Struff: Wahrscheinlich genau so wie bei den restlichen Menschen in diesem Land. Wir bleiben zu Hause. Es ist sehr ruhig, also dann, wenn unser einjähriger Sohn schläft. Ansonsten ist hier ordentlich was los, Lockdown bei uns ist das Gegenteil von Urlaub. 

SPIEGEL: Und wie trainieren Sie?

Struff: Ich habe Fitnesspläne. Die setze ich zu Hause um. Mein Fitnesscoach Uwe Liedtke schaltet sich regelmäßig per Videoanruf dazu und korrigiert mich, wenn ich Übungen falsch angehe. Ich habe mir ein Indoor-Cycling-Rad besorgt und reiß da Kilometer ab. Es ist jetzt wichtig, ein Grundlevel zu erhalten. Wir wissen nicht, wann es weiter geht. Irgendwann kommt aber der Zeitpunkt. Und dann darf nichts weg sein.

SPIEGEL: Wann standen Sie zuletzt auf dem Platz?

Struff: Es ging lange gar nichts. Das hat sich merkwürdig angefühlt. Aber seit Ende vergangener Woche habe ich vom Landessportbund in Nordrhein-Westfalen eine Sondergenehmigung. Ich darf ab sofort wieder trainieren. Ich kann verstehen, wenn solche Ausnahmeregelungen für Sportler vom Rest der Bevölkerung in der jetzigen Situation kritisch gesehen werden. Aber es ist auch mein Job. Und wir haben strenge Auflagen bekommen.

SPIEGEL: Dann geht es jetzt wieder täglich mit ihrem Trainer Carsten Arriens auf den Platz?

Struff: Carsten und ich sind uns auch einig, dass es jetzt nicht darum geht, voll durchzuholzen. Wir werden zwei, drei Mal die Woche auf den Platz gehen. Das reicht. Es sind die kleinen Schritte, die sich in diesen Zeiten richtig anfühlen. Impulse setzen, nichts verlernen, das Fitnesslevel halten. Mehr will ich jetzt nicht machen. Dem Rest sehe ich entspannt entgegen. So gut es eben geht. 

SPIEGEL: Halten Sie derzeit besonders engen Kontakt zu Ihren Sponsoren? 

Struff: Der Kontakt ist rege, wie sonst auch. Wenn es dort aber Einbußen aufgrund der Krise geben und es den Firmen schlechter gehen sollte, würde ich auch helfen.

SPIEGEL: Sie würden auf Geld verzichten?

Struff: Wir sind Partner. Ich würde verzichten.

SPIEGEL: Das wäre dann wie der Gehaltsverzicht, wie ihn auch andere Profis in der Krise in Kauf nehmen.

Struff: Das kann man nicht ganz vergleichen. Profifußballer sind angestellt, sie haben weniger Kosten und müssen nicht fürs Training oder Reisen bezahlen. Ich finde es gut, wenn Fußballer jetzt auf Gehalt verzichten. Das fällt den meisten Tennisprofis viel schwerer. Wir sind Einzelunternehmer. Wenn es wieder losgeht, dann muss ich zusehen, wie ich die Kosten decke.

SPIEGEL: Es wird immer wieder auch eine komplette Absage der Saison diskutiert. Wie hart trifft das die Spieler?

Struff: Ab Weltranglistenposition 100 oder vielleicht auch 150 wird es wohl problematisch. Diese Spieler werden zunächst darauf verzichten müssen, mit ihren Trainern und Physiotherapeuten zu reisen. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern möglicherweise auch aufgrund der Corona-Einschränkungen. Das ist schon ein Schlag. Dann kommen vertragliche Probleme hinzu. Was ist, wenn die Trainer nicht mehr bezahlt werden können? Es wird ein Kreislauf in Gang gesetzt. Und viele werden auf der Strecke bleiben. 

SPIEGEL: Wäre es denkbar, dass die Besserverdiener unter den Profis etwas an die von der Krise deutlich stärker betroffenen Kollegen abgeben? 

Struff: Ich finde den Gedanken richtig, aber es ist schwierig umzusetzen. Ich sehe es an mir: Ich habe noch ein paar Jahre, in denen ich spielen kann. Ich muss vorsorgen für die Zeit danach. Ich habe Abitur und werde vermutlich im Tennisbereich bleiben können. Aber ich habe nicht studiert und bin nicht seit Jahren und für zig weitere Jahre fest in einem Job angestellt.

SPIEGEL: Was ist mit den Top-Spielern?

Struff: Federer, Nadal und Djokovic haben schon riesige Summen gespendet. Das ist fantastisch. Das Geld fließt in alle möglichen Richtungen. Ich fände es aber auch gut, wenn Spenden gezielt ins Tennis gehen würden. Man könnte etwa seine früheren Klubs unterstützen. Oder die alten Trainer, die jetzt zum Teil beschäftigungslos sind. Da kann jetzt jeder etwas machen.

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