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Termin für Olympia: Das schwerste Puzzle der Sportwelt

SZ.de-Logo SZ.de 26.03.2020 Von Johannes Aumüller
Die Flamme bleibt in Tokio: Das Wahrzeichen der Olympischen Spiele brennt nun erst mal alleine für sich weiter. © dpa Die Flamme bleibt in Tokio: Das Wahrzeichen der Olympischen Spiele brennt nun erst mal alleine für sich weiter.

Wann werden die Sommerspiele nachgeholt? Wegen der Corona-Pandemie eigentlich so spät wie möglich - doch Thomas Bach denkt über einen Termin im Frühling 2021 nach.

• Wann finden die verlegten Sommerspiele statt? Wegen Corona müsste sie das IOC so spät wie möglich austragen.

• Doch IOC-Chef Bach schloss Frühjahrsspiele auch nicht aus.

• "Es ist nicht beschränkt auf die Sommermonate. Alle Optionen bis zum Sommer 2021 liegen auf dem Tisch", sagte er.

Das schwerste Puzzle der Sportwelt

"Here we go" heißt die Arbeitsgruppe, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Mittwoch eingerichtet hat. Sie soll sich jetzt um all die Fragen kümmern, die sich aus der Verlegung der Sommerspiele von Tokio ins nächste Jahr ergeben. Auch um die drängendste: Wann genau sollen die Spiele nachgeholt werden? So bald wie möglich solle es ein Ergebnis geben, sagt IOC-Chef Thomas Bach. Aber es sei halt ein "großes Puzzle".

"Nach 2020, spätestens im Sommer 2021", so lautete die Sprachregelung von IOC und Tokio-Organisatoren für den neuen Termin bei der historischen Verlegung. Es ist in der Tat ein schweres Puzzle, weil so viele sportliche Veranstaltungen betroffen sind und so viele finanzielle Fragen hineinspielen. Vor allem aber ist es ein schweres Puzzle, weil das größte Puzzlestück den Teilnehmern von "Here we go" gar nicht bekannt ist: die Frage, welche weiteren Folgen die Corona-Pandemie hat.

Für Europa rechnen Virologen im Herbst mit dem Peak der Verbreitung. Auf der südlichen Hemisphäre fängt das Virus jetzt erst an, sich richtig auszubreiten. Seriöse Prognosen kann niemand absetzen. Dazu kommt, dass der Charakter der Olympischen Spiele anders ist als der von anderen (Sport-)Großveranstaltungen. Zehntausende Athleten und Zuschauer aus fast 200 Ländern an einem Ort zu versammeln und dann wieder nach Hause zu schicken, bleibt eine besonders gesundheitsgefährdende Konstellation.

Eine Absage der Spiele ist damit weiter kein unrealistisches Szenario, auch wenn das IOC das bisher strikt ausschloss. So oder so müsste das Virus eine zentrale Rolle spielen bei allen Überlegungen der Arbeitsgruppe. Denn selbst wenn die Pandemie irgendwann wieder abflacht, wird es für Nebensächlichkeiten wie den Sport noch lange gravierende Beschränkungen geben - etwa für den Trainingsbetrieb der Sportler. Und wenn irgendwann wieder einigermaßen passable Trainingsmöglichkeiten vorliegen, bräuchte es noch Zeit für halbwegs gerechte Qualifikations-Wettkämpfe. Die waren in manchen Sportarten noch gar nicht abgeschlossen, in anderen dürften die bereits erfolgten Qualifikationen keinen Bestand mehr haben.

Manche wünschen sich einen frühen Termin

Vor diesem Hintergrund kann die Losung nur lauten: je später, desto besser und desto wahrscheinlicher, dass die Spiele überhaupt stattfinden. Der Sommer 2021 geht astronomisch gesehen ja bis zum 22. September, 21.21 Uhr, Greenwich-Zeit. Bemerkenswerterweise gibt es aber auch manche, die in die Gegenrichtung blinken: Sie wünschen einen frühen Termin im Mai. IOC-Chef Bach schloss Frühjahrsspiele am Mittwoch auch nicht aus. "Es ist nicht beschränkt auf die Sommermonate. Alle Optionen bis zum Sommer 2021 liegen auf dem Tisch", sagte er.

Aber auch abseits des Virus gibt es genügend Puzzleteile und Interessen. Die Wünsche der Sponsoren und der TV-Rechte-Partner, die zusammen zirka 90 Prozent der gewaltigen IOC-Einnahmen ausmachen. Die Frage, wie die Kapazitäten in der Infrastruktur in Japan aussehen. Das Wetter, das zum ursprünglich vorgesehenen Austragungstermin Ende Juli/Anfang August in Tokio ohnehin zu heiß ist. Die Corona-bedingten neuen Kalender in anderen wichtigen Sportarten wie den nordamerikanischen Profiligen und dem Fußball, der seine EM vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2021 austrägt. Die vielen geplanten Termine der olympischen Sportarten im nächsten Sommer: Die Schwimmer wollten ihre Weltmeisterschaften Ende Juli ausrichten, die Leichtathleten ihre im August, die Turner ihre im Oktober, viele andere sind irgendwann dazwischen. Und nach all den Entwicklungen der vergangenen Tage sollte sich das IOC genau anhören, was die Sportler als sinnvoll erachten; also die unabhängigen Athleten-Organisationen und nicht die Scheinvertreter, die sich im direkten IOC-Zugriff befinden.

Die Drähte zwischen Fachverbänden und IOC-Zentrale glühen ohnehin. Nicht jeder Präsident hing in den vergangenen Wochen dem weltfremden Glauben an, dass sich die Spiele für Sommer noch halten lassen, mancher hat schon vorsortiert. Am Donnerstag sollen die 33 Sommersportverbände in einer gemeinsamen Schalte mit der neuen Arbeitsgruppe tagen. Klar ist, was in der olympischen Welt Priorität hat - das sind das IOC und seine Spiele. Die Weltverbände von Leichtathletik und Schwimmen haben auch schon erklärt, dass sie zu Verschiebungen bereit wären, womöglich auch ins Jahr 2022. Wenn die WM nur der zweite Höhepunkt einer Saison ist, nimmt es ihr ohnehin viel von der ursprünglichen Bedeutung; bei der Schwerpunktsetzung der Sportler, womöglich auch beim Sponsoren- und Zuschauerinteresse.

Am Beispiel der Leichtathletik zeigt sich zugleich, wie sehr es sich nun rächt, dass die Sportarten ihre Kalender so proppenvoll gepackt haben. Ihr Programm sieht in den nächsten Monaten unter anderem vor: Im August die Mini-EM in Paris (die wegen Corona sicher verschoben wird), im März Hallen-EM und Hallen-WM, im Mai die inoffizielle Staffel-WM, im August die reguläre WM, 2022 die European Championships. Dazu nationale Meisterschaften, große und kleine Meetings und vieles mehr. Eines ist mit dem anderen verwoben - wenn da jetzt Olympia hineinplatzt, muss vieles neu gedacht werden. Das große Olympia-Puzzle, es wird noch viele weitere, kleine Puzzles erzeugen.

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