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Warum Sportler im Dschungelcamp versagen

DIE WELT-Logo DIE WELT 11.01.2017
Der Weltmeister von 1990 hat noch gut lachen - bald muss Thomas Häßler aber ernste Prüfungen absolvieren © dpa Der Weltmeister von 1990 hat noch gut lachen - bald muss Thomas Häßler aber ernste Prüfungen absolvieren

Ab Freitag gibt es Kakerlaken und Känguruhoden: Im RTL-Dschungelcamp kämpfen C-Promis um die Krone, unter ihnen ein Fußball-Weltmeister. Seine Siegchancen sind gering. Ein Psychologe erklärt warum.

Am 13. Januar geht es wieder los: Zwölf wagemutige "Promis" kämpfen um den Titel des Dschungelkönigs. Mit Thomas "Icke" Häßler ist zum achten Mal ein Sportler mit dabei, der Weltmeister von 1990 ist zudem der fünfte Fußballer nach Jimmy Hartwig, Eike Immel, Ailton und Thorsten Legat. Das beste Resultat fuhr 2016 Legat mit Platz drei ein. Diplom-Psychologe und TV-Experte Rolf Schmiel (43) erklärt, warum Sportler bisher kaum erfolgreich waren und analysiert die Chancen von Thomas Häßler.

Die Welt: Was benötigen die Teilnehmer, um im Dschungelcamp zu gewinnen?

Rolf Schmiel: Es spielen viele, völlig verschiedene Facetten eine Rolle. Daher ist eine Vorhersage auch nicht ganz so einfach. Definitiv vorhanden sein muss eine gewisse "Likeability": Man muss etwas haben, dass man gemocht werden kann. Ohne diese Qualität eines Sympathieträgers reicht es nicht zur Krone.

Die Welt: Warum haben Sportler im Dschungelcamp so wenig Erfolg?

Schmiel: Das Problem bei den meisten Sportlern beziehungsweise Ex-Sportlern ist, dass sie eine zu geringe, wählfreudige Fanbase haben. Die Menschen, die am häufigsten für die Kandidaten anrufen, sind jung und weiblich. Wenn also der Sportler eine Persönlichkeitsstruktur hat, die jung und weiblich nicht anspricht, gibt es schon ein Problem.

Die Welt: Sind Sportler – speziell Fußballer – den Zuschauern als Privatpersonen zu unbekannt? Oder zu verbissen?

Schmiel: Ich glaube nicht, dass der Aspekt der Privatperson ein Problem ist. Vielmehr haben die meisten Konkurrenten gegenüber den Sportlern einen großen Vorteil: Sie sind Medienprofis und wissen, welche Knöpfe sie zu drücken haben. Sie beherrschen die Spielregeln der modernen Medien, wissen, wie sie sich zum Beispiel erfolgsversprechend in sozialen Netzwerken präsentieren. Diese Erfahrungen haben Fußballer wie Thorsten Legat oder Thomas Häßler nicht. Außerdem muss man in der Lage sein, den anderen auch mal weh zu tun. Fair Play führt im Dschungel selten zum Sieg.

Die Welt: Was erwarten Sie von Thomas Häßler? Kann er gewinnen?

Schmiel: Die Wettquote auf seinen Sieg wird sehr hoch sein. Er hat das Problem, in der Zielgruppe nicht wirklich bekannt zu sein. Ich habe ihn als großartigen Fußballer geliebt – aber das liegt schon rund 20 Jahre zurück. "Icke" ist als öffentliche Persönlichkeit zu sensibel und zu leise, was ihn schnell in eine Opfer- als in eine Dominanzrolle bringen wird. Er muss die Möglichkeit in der ersten Woche nutzen, sich beliebt zu machen. Das schafft er durch emotional bedeutsame Anekdoten und Auftritte. Emotionalität führt zu Sichtbarkeit, Sichtbarkeit führt zu Stimmen bei den Fanvotings. Ich gehe zwar davon aus, dass Thomas abliefert und einen disziplinierten Job bei den Prüfungen machen wird, aber das reicht im Camp nicht aus. Denn die Sieger waren bisher immer polarisierende Persönlichkeiten mit hohen Sympathiewerten. Häßler ist nicht polarisierend genug.

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