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Der Absturz des Weltfußballers

WELT-Logo WELT 22.10.2019 Christoph Cöln

2018 war Luka Modric noch Weltfußballer. Zweimal sogar. Der Kroate beeindruckte mit seinem Spiel und war omnipräsent. Ein Jahr danach ist vom Glanz des Real-Stars wenig übrig. Er steht nicht einmal mehr auf der Shortlist.

In der letzten Zeit saß Luka Modric im Trikot von Real Madrid häufig auf der Ersatzbank Quelle: picture alliance / NurPhoto © picture alliance / NurPhoto In der letzten Zeit saß Luka Modric im Trikot von Real Madrid häufig auf der Ersatzbank Quelle: picture alliance / NurPhoto

Fast hätte man die Tatsache, dass Luka Modric bei der diesjährigen Wahl zum Goldenen Ball (Ballon d’Or) nicht nominiert ist, übersehen können. Es war nur ein Nebensatz in einer Meldung, in der die üblichen Verdächtigen vorkamen. Da tauchten Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Bayerns Robert Lewandowski auf. Sogar Deutschlands Nationalkeeper Marc-André ter Stegen und bei den Frauen Nationalmannschaftskapitänin Dzsenifer Marozsán stehen auf der 30 Namen umfassenden Shortlist des Preises. Aber nicht der Gewinner des Vorjahres: Luka Modric.

Die prestigeträchtige Trophäe wird von der französischen Zeitung „France Football“ seit 1956 vergeben, um den besten Fußballer der Welt zu ehren. Sie gilt als die eigentliche Weltfußballertrophäe. Zwischen 2010 und 2015 fand die Wahl aufgrund eines Deals mit „France Football“ unter dem Dach des Weltverbandes Fifa statt und ersetzte die Wahl zum Fifa-Weltfußballer des Jahres. Seit 2016 wird der Preis wieder in Eigenregie von „France Football“ verliehen. Gewählt wird der Gewinner und die Gewinnerin von Fachjournalisten aus aller Welt.

Soccer Football - Euro 2020 Qualifier - Group E - Wales v Croatia - Cardiff City Stadium, Cardiff, Britain - October 13, 2019 Croatia's Luka Modric down injured Action Images via Reuters/Andrew Couldridge © Action Images via Reuters Soccer Football - Euro 2020 Qualifier - Group E - Wales v Croatia - Cardiff City Stadium, Cardiff, Britain - October 13, 2019 Croatia's Luka Modric down injured Action Images via Reuters/Andrew Couldridge

Im vergangenen Jahr konnte Modric noch den Goldenen Ball und die Fifa-Weltfußballerwahl gewinnen. Bei beiden Abstimmungen landete der Mittelfeldregisseur von Real Madrid deutlich vor Cristiano Ronaldo. So bekam Modric bei der Wahl zum Goldenen Ball 29 Prozent der Stimmen (Ronaldo: 19 Prozent) und bei der Fifa-Wahl lag er mit 753 zu 478 ebenfalls klar vor dem portugiesischen Europameister. 2018 war eindeutig Modric’ Jahr. Er schaffte mit der kroatischen Nationalelf den Sprung ins Finale der WM, gewann mit Real Madrid die Champions League und die Klub-Weltmeisterschaft. Er zog die Fäden bei den Königlichen, er gab den Takt in der Nationalelf vor.

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Bei Real nicht mehr erste Wahl

In dieser Saison läuft es beim 34-jährigen Kroaten bislang noch gar nicht. Gleich beim Saisonauftakt gegen Celta Vigo flog er nach 56 Minuten mit einer Roten Karte vom Platz, musste in der darauffolgenden Partie aussetzen und kam im Duell mit Villareal nur 22 Minuten zum Einsatz, als er für den Ex-Frankfurter Luka Jovic eingewechselt wurde.

Dann fiel er mit einer Muskelverletzung für die nächsten drei Ligaspiele aus, verpasste auch den Champions-League-Knüller gegen Paris Saint-Germain (den Real mit 0:3 verlor). Insgesamt kommt Modric bislang auf 156 Minuten Einsatzzeit in der Liga und 90 Minuten in der Königsklasse (beim enttäuschenden 2:2 gegen den FC Brügge). Dabei stehen für ihn immerhin ein Tor und eine Vorlage zu Buche. Vom Glanz der vergangenen Jahre ist er allerdings weit entfernt.

(FILES) In this file photo taken on December 15, 2018 Real Madrid's Croatian midfielder Luka Modric poses with his Ballon d'Or trophy before the Spanish League football match between Real Madrid and Rayo Vallecano at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid. - While Megan Rapinoe is the leading candidate for the second ever women's Ballon D'Or, the holder of the men's award, Luka Modric, and the world's most expensive player Neymar missed out as France Football unveiled nominees in four categories on October 21, 2019. (Photo by GABRIEL BOUYS / AFP) Quelle: AFP © AFP (FILES) In this file photo taken on December 15, 2018 Real Madrid's Croatian midfielder Luka Modric poses with his Ballon d'Or trophy before the Spanish League football match between Real Madrid and Rayo Vallecano at the Santiago Bernabeu stadium in Madrid. - While Megan Rapinoe is the leading candidate for the second ever women's Ballon D'Or, the holder of the men's award, Luka Modric, and the world's most expensive player Neymar missed out as France Football unveiled nominees in four categories on October 21, 2019. (Photo by GABRIEL BOUYS / AFP) Quelle: AFP

Überraschen kann das nicht. Das Pensum des kroatischen Mittelfeldmotors war insbesondere in der vergangenen Spielzeit exorbitant. Egal wo sich das Spiel gerade befand, Modric war immer schon da. Er war das Zentrum des Geschehens, der Fixstern, um den die Galaktischen kreisten. Modric trieb den Ball im zentralen Mittelfeld unermüdlich voran, schwärmte bei Bedarf auf die Flügel aus, kümmerte sich um die Standards und half ganz hinten aus, wenn es sein musste.

Bei der WM in Russland lieferte er beeindruckende Vorstellungen und spulte dabei ein enormes Laufpensum ab. Modric war omnipräsent. Er war der entscheidende Faktor für den Finaleinzug seiner Nationalmannschaft. Modric war Kroatien. Auch aufgrund dieser Präsenz setzte er sich bei den Weltfußballerwahlen durch.

Der körperliche Einsatz fordert seinen Tribut. Zuletzt plagten ihn mehrere Verletzungen. Die fehlenden Erholungszeiten insbesondere in der vergangenen Spielzeit, rächen sich nun, die brutal enge Taktung des Spielplans hinterließ beim 34-Jährigen Spuren. Dass er derzeit nicht mal mehr unter den 30 besten Fußballern des Planeten geführt wird, ist kein gutes Zeichen. Dass er bei Real Madrid unter Trainer Zinédine Zidane nicht mehr zur ersten Wahl zählt, auch nicht. Der Weg zurück an die Weltspitze dürfte nicht leicht werden. Vielleicht tröstet Modric sich damit, dass es auch ein anderer Superstar dieses Jahr nicht auf die Liste schaffte: der Brasilianer Neymar.

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