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Der Discount-Trainer genießt Messis Rückhalt

SZ.de-Logo SZ.de 09.10.2019 Von Javier Cáceres
Argentinien muss sich immer noch dran gewöhnen, dass dieser Mann Nationaltrainer ist: Lionel Scaloni (Mitte). © Getty Images Argentinien muss sich immer noch dran gewöhnen, dass dieser Mann Nationaltrainer ist: Lionel Scaloni (Mitte).

• Mit einer besseren B-Elf und dem unerfahrenen Chefcoach Scaloni kommen die Argentinier zum Spiel nach Dortmund, das an diesem Mittwoch um 20.45 Uhr angepfiffen wird.

• Lionel Messi fehlt gesperrt - das dürfte dem Weltfußballer entgegenkommen.

Argentinien ist nun endgültig in eine Mischung aus Nostalgie und Heldenverehrung verfallen. Vor ein paar Tagen lief in dem südamerikanischen Land die Doku "Maradona" an, der Film also, der nicht das ganze Leben von Diego Maradona erzählt, ihn aber meisterhaft erklärt. Pünktlich zu dessen erstem Sieg als neuer Trainer von Gimnasia y Esgrima La Plata sozusagen, am vergangenen Wochenende bei Godoy Cruz. Ganz gleich, ob Maradona das aktiv anstrebt oder sich nur nicht dagegen wehren kann: Der Weltmeister von 1986 überschattet alles, was sich im argentinischen Fußball tut. Natürlich auch die aktuelle Generation der Nationalmannschaft, die am Mittwochabend in Dortmund zum Freundschaftsspiel gegen Deutschland antritt; eine Generation, die so etwas sein könnte wie eine Revanche fürs verlorene WM-Finale von Rio 2014, wären die Umstände nicht, wie sie sind.

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Von jener Mannschaft, die in Rio inklusive Lionel Messi das WM-Finale verlor, ist gerade noch ein einziger Spieler dabei, Marcos Rojo von Manchester United. Messi selbst bezichtigte die Funktionäre des südamerikanischen Fußballverbandes Conmebol bei der Copa América der Korruption und wurde daher für drei Monate gesperrt; in Dortmund ist er deshalb nicht dabei. Messi, so heißt es in seinem Umfeld, passe das ganz gut in den Kram: Weil sein Saisonauftakt von Verletzungen überlagert war und er sich der Körperpflege widmen kann, weil seine Abwesenheit viel Druck von den 25 Spielern nimmt, die Nationaltrainer Lionel Scaloni berufen hat - aber auch von Scaloni selbst, der testen kann, ohne durch die bloße Präsenz Messis zu einem Sieg gegen Deutschland gezwungen zu sein.

Dass Scaloni noch immer Nationaltrainer ist, kann man als Wunder sehen oder als Sinnbild der aktuellen nationalen Krise; sie verlangt den Argentiniern viel Improvisationskunst ab, die der Verband auch beim Nationaltrainer walten ließ.

Scaloni, 41, kam knapp nach der enttäuschenden WM in Russland 2018 an die Macht, er war Teil des Trainerstabs von Jorge Sampaoli (heute FC Santos, Brasilien) gewesen, brachte ansonsten als Referenzen exakt null Spiele Erfahrung als Cheftrainer mit. Den Argentiniern fällt es noch immer schwer, sich mit dem Gedanken abzufinden, dass Scaloni ihr Trainer ist. Vor Beginn der Südamerika-Meisterschaft im Juni galt als sicher, dass Scaloni nach dem Turnier gehen müsse. Erst recht, nachdem er es sich mit so gewichtigen Spielern wie Sergio Kun Agüero verscherzt zu haben schien: Sie hatte es ihm krumm genommen, dass eine Aufstellung erst an die Medien, dann ans Team durchgesickert war.

Drei Spieler aus Deutschland stehen in Argentiniens Kader

Doch siehe da: Als das Turnier zu Ende war, hatten nicht wenige Argentinier den Eindruck, dass die Mannschaft sich bei der Copa América schrittweise verbessert hatte und vergleichsweise ehrenvoll gegen Gastgeber Brasilien ausgeschieden war. Dem Verband wiederum kam zupass, dass Scaloni sich mit einem Salär von angeblich weniger als einer Million Euro begnügt. Das ist weniger als ein Zwanzigstel des Gehalts, das Diego Simeone bei Atlético Madrid bezieht, und sogar weniger als ein Siebtel des Honorars von Marcelo Gallardo (River Plate). Vor allem aber ist es so, dass der Discount-Trainer Scaloni eine Gemeinsamkeit mit Ernesto Valverde vom FC Barcelona aufweist: Er genießt den Rückhalt von Messi. Nach der Copa América sprach er Scaloni das Vertrauen aus, unlängst wiederholte er es am Rande der Wahl zum Weltfußballer. Der Coach wurde bis zur WM 2022 im Amt bestätigt - und fühlt sich nun sicher: "Ich bin kein Trainer auf Probe mehr", sagte er im September vor einem Länderspiel gegen Chile (0:0).

Das war eine dieser Partien, die allenfalls Aufschluss über das Potenzial, nicht aber über den Ist-Zustand der Argentinier geben konnten. Deutschland ist einer der wenigen starken Gegner Argentiniens seit Jahren; zustande kam der Test nur, weil beide Verbände den gleichen Ausrüster haben. Ansonsten hat sich Argentinien oft mit Gegnern wie Guatemala, Irak oder Nicaragua herumgeschlagen, zuletzt wurde eine bessere B-Mannschaft Mexikos mit 4:0 vom Platz geschossen. Eine B-Elf bringen die Argentinier nun ihrerseits nach Deutschland mit, sie kommen ohne den gesperrten Messi, ohne Ángel Di María, obwohl dieser bei Paris St. Germain zu guter Form aufläuft, und auch ohne Kun Agüero, der auf Bitten von Pep Guardiola, seines Trainers bei Manchester City, geschont wird. Auf die Spieler von Boca Juniors und River Plate, den miteinander verhassten Traditionsklubs aus Buenos Aires, muss Scaloni aus anderen Gründen verzichten: Die beiden Teams duellieren sich im Rückspiel des Halbfinales der Copa Libertadores, der Champions League Südamerikas.

Das bietet Platz für Experimente, schon mit Blick auf die Copa América 2020. Scaloni berief Emiliano Martínez, den Ersatztorwart vom FC Arsenal, und damit schon den neunten Keeper seiner Amtszeit. Zudem dürfen drei Spieler, die sich in Deutschland verdingen, Argentiniens Uniform überstreifen: Dortmunds Regionalligaspieler Leonardo Balerdi, Nicolás González vom Zweitligisten VfB Stuttgart und Lucas Alario aus Leverkusen. Die beiden Stürmer stehen aber im Ansehen hinter Lautaro Martínez von Inter Mailand. Es heißt schon länger, dass er in Barcelona landen könnte - an der Seite von Messi.

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