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Der größte Gewinner des deutschen Umbruchs

WELT-Logo WELT 11.09.2019 Lars Gartenschläger
Obenauf. Serge Gnabry ist aktuell der Überflieger in der deutschen Nationalmannschaft Quelle: Bongarts/Getty Images/Alex Grimm © Bongarts/Getty Images/Alex Grimm Obenauf. Serge Gnabry ist aktuell der Überflieger in der deutschen Nationalmannschaft Quelle: Bongarts/Getty Images/Alex Grimm

Er traf, drehte ab und zeigte ihn wieder – seinen ganz eigenen Torjubel. Dabei rührt Serge Gnabry mit einem imaginären Löffel in einem ebenfalls nicht sichtbaren Topf herum. Die Geste, so erzählte der deutsche Nationalspieler es mal, hat er sich in der Basketball-Liga NBA bei James Harden von den Houston Rockets abgeschaut. „Das ist Cooking. Wenn James Harden übertrieben viele Punkte macht“, erklärte Gnabry, „dann ist er der Chefkoch.“

Der Chef im deutschen Nationalteam ist Gnabry sicherlich nicht. Aber zumindest ist der Profi vom FC Bayern derzeit derjenige, der für viel Würze sorgt. Auch am Montagabend, als die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw in Nordirland 2:0 (0:0) gewann, war das wieder der Fall. Gnabry, 24 Jahre alt, rackerte viel in der Offensive und erzielte in der Nachspielzeit den Endstand. Es war sein neuntes Tor in seinem erst zehnten Länderspiel, dazu kommen noch zwei Vorlagen – eine beachtliche Quote. Allein sie zeigt auf, wie wichtig der offensive Mittelfeldspieler im jungen, neu formierten Nationalteam mittlerweile geworden ist.

Joachim Löw, der in den Tagen vor dem Länderspieldoppelpack – am vergangenen Freitag hatte Deutschland in Hamburg 2:4 gegen die Niederlande verloren – ein längeres Telefonat mit Gnabrys Vereinscoach Niko Kovac geführt hatte, ist ein Fan des Mittelfeldspielers. Er gerät ins Schwärmen, wenn er über ihn spricht. Als Löw vor dem Spiel gegen die Niederlande gefragt wurde, ob Gnabry denn spielen würde, sagte er: „Serge Gnabry spielt.“ Dann fügte er mit einem Schmunzeln noch an: „Serge Gnabry spielt immer. Er ist für den Gegner schwer zu greifen.“

Davon konnte man sich auch in Belfast überzeugen. In der ersten Halbzeit hatte die deutsche Elf zwar große Probleme, weil sie kein Mittel wusste, sich gegen die robust und körperbetont spielenden Nordiren zu behaupten. Als den Gastgebern trotz der lautstarken Unterstützung von den Rängen aber mit zunehmender Spieldauer die Puste ausging und sie es zudem nicht verstanden, zumindest eine ihrer wenigen Torchancen zu nutzen, war es auch Gnabry, der seinen Teil für die Wende zugunsten der deutschen Elf beitrug.

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„Das Team ist in einer Phase des Lernens“

Nach dem erlösenden Sieg in Nordirland liegt die deutsche Nationalmannschaft als Tabellenführer der Gruppe C wieder klar auf EM-Kurs. Der Weg zurück in die Weltspitze ist für Bundestrainer Joachim Löw aber "kein einfaches Unterfangen". Quelle: SID © SID Nach dem erlösenden Sieg in Nordirland liegt die deutsche Nationalmannschaft als Tabellenführer der Gruppe C wieder klar auf EM-Kurs. Der Weg zurück in die Weltspitze ist für Bundestrainer Joachim Löw aber "kein einfaches Unterfangen". Quelle: SID

Er ist ein Gewinner der vergangenen zwei Länderspiele, die einmal mehr offenbarten, wie mühsam der Weg für die deutsche Nationalmannschaft nach dem Umbruch ist. Noch laufen viele Dinge nicht gut und reibungslos. Da fehlt die Leichtigkeit, der Fußball ist oft nicht ansehnlich.

Gnabry aber sticht schon hervor. „Serge macht es wirklich klasse. Nicht nur im Abschluss, sondern er ist auch ein wichtiger Zielspieler für uns geworden“, sagte Löw: „Er kann die Bälle in den Räumen vor der gegnerischen Abwehr sehr gut behaupten. Er kann sie weiterspielen, geht wieder weiter und ist immer anspielbar. Er kann auf mehreren Ebenen spielen. Er spielt gut und schlau.“

Löw hatte nach der Niederlage gegen die Niederlande eine Reaktion von seinen Spielern erwartet. Die gab es, wenn auch das Spiel nicht vollends zufriedenstellend war. Mehr Geduld in den Aktionen, mehr Ruhe und etwas mehr Coolness hatte er in der Halbzeitpause angemahnt. Drei Minuten nach dem Seitenwechsel bekam er dann tatsächlich einen abgeklärten Torabschluss zu sehen. Nach einer Flanke seines Leipziger Vereinskollegen Lukas Klostermann hatte Marcel Halstenberg den Ball volley zum 1:0 ins Tor geschossen.

Halstenberg bejubelt sein erstes Tor im DFB-Trikot Quelle: Action Images via Reuters © Action Images via Reuters Halstenberg bejubelt sein erstes Tor im DFB-Trikot Quelle: Action Images via Reuters

„Bei solchen Aktionen ist natürlich auch immer etwas Risiko dabei. Aber ich habe ihn überragend getroffen. Das Tor hat so ein bisschen die Dose geöffnet“, sagte der Torschütze, der den verletzten Nico Schulz in der Startelf ersetzt hatte. Löw bescheinigte Halstenberg eine ordentliche Partie, völlig zufrieden wirkte der Coach aber nicht: „Die Nordiren waren mutig und haben uns früh attackiert. Es war ein bisschen viel durcheinander.“ Das Team sei „in einer Phase des Lernens. Da müssen die Spieler noch ein bisschen zulegen“.

Nächstes Länderspiel gegen Argentinien

Immerhin sorgte der Sieg von Belfast für gute Laune unter den Nationalspielern. Als Halstenberg frisch geduscht in den Katakomben des Windsor Parks stand, berichtete er von einer kurzen Unterredung mit Gnabry. Der sei nach seinem Tor auf ihn zugekommen und habe ihm beim gemeinsamen Jubel angekündigt, dass er ihnen am Samstag auch einen reinhauen werde. Gnabry meinte die Leipziger, bei denen er mit dem FC Bayern im Bundesliga-Topspiel zu Gast sein wird.

Es sind die Ligaspiele – ab der kommenden Woche dann auch die Klubpartien auf der internationalen Bühne –, die für die deutschen Nationalspieler nun erst einmal im Vordergrund stehen. Was die Aufgaben mit der Auswahl des DFB betrifft, so dürfte es alle im Tross positiv stimmen, dass die Chancen auf eine direkte Qualifikation für die EM 2020 nun wieder größer sind. Deutschland steht nach fünf Spielen mit zwölf Punkten auf Platz eins in der Gruppe C, gefolgt von den punktgleichen Nordiren nach ebenfalls fünf Partien. Dritter sind die Niederlande mit neun Zählern aus vier Spielen.

Das nächste Länderspiel findet am 9. Oktober statt. Da gilt es, sich in Dortmund in einem Test gegen Argentinien zu behaupten. Jenen Gegner, dem man im WM-Finale 2014 in die Schranken weisen konnte. Vier Tage später muss die Löw-Auswahl dann in der EM-Qualifikation in Estland ran. Keine große Hürde: Im Juni gewann Deutschland 8:0, Gnabry rührte zweimal im Topf.

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