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"Mir ist blanker Hass entgegen geschlagen"

SZ.de-Logo SZ.de vor 4 Tagen SZ.de/dpa
Thomas Sobotzik erklärt seinen Rücktritt nach Bedrohungen der Chemnitzer Fans. © dpa Thomas Sobotzik erklärt seinen Rücktritt nach Bedrohungen der Chemnitzer Fans.

• In der vergangenen Woche gab der Chemnitzer Geschäftsführer Thomas Sobotzik seinen Rücktritt bekannt.

• Nun erklärt er, dass Bedrohungen der Fans ausschlagebend für seinen Rückzug waren.

• Der Funktionär zeichnet ein verheerendes Bild von einem Teil der Fanszene seines Klubs.

Vier Tage lang wird Thomas Sobotzik längstenfalls noch Geschäftsführer des Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC sein. Wer seine Mitteilung, die er am Mittwochmorgen an die Presse versandte und in der er seinen Rücktritt begründet, genau durchliest, der liest heraus, dass das Ende für Sobotzik auch ein Stück weit Erleichterung ist: "Was ich zuletzt an persönlichen Anfeindungen, Beschimpfungen und Drohungen erleben und erleiden musste, geht weit über das Maß hinaus, das verkraftbar ist", schreibt er etwa. Er wollte sich "den zunehmenden Bedrohungen nicht mehr aussetzen".

Seit Wochen schwelt beim CFC ein Konflikt zwischen den Fans und dem Klub, der mit finanziellen sowie Imageproblemen kämpft. Nach und nach geriet Sobotzik in die Schusslinie eines Teils der Anhänger. In der vergangenen Woche bat der 44-Jährige daher darum, sich von seinen Aufgaben entbinden zu lassen und gab dem Verein die Möglichkeit, zumindest bis zum 15. September für ihn weiterzuarbeiten. Aktuell droht dem Klub weiter die Liquidation. Trainer David Bergner war zugleich in der vergangenen Woche auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben entbunden worden.

Damit hatte die Krise beim CFC einen weiteren vorläufigen Tiefpunkt erreicht, nachdem der Traditionsklub mit der Rückkehr in die dritte Liga, dem Landespokalgewinn und einem starken Auftritt in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde gegen den Hamburger SV, den die Chemnitzer erst im Elfmeterschießen verloren hatten, sportliche Erfolge gefeiert hatte.

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Sobotzik zeichnet verheerendes Bild

"Umso unverständlicher ist es, dass mir aus der aktiven Fan-Szene immer öfter blanker Hass entgegen geschlagen ist und ganz gezielt hier Leute aus dem rechten politischen Lager mit ihren rassistischen und anti-semitischen Parolen den Verein und seine handelnden Personen in ein schlechtes Licht gerückt haben und mit ihren Aktivitäten die Basis für eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Arbeit akut gefährden", erklärte Sobotzik.

Es ist ein verheerendes Bild, das der Funktionär von Teilen der Fans seines Vereins zeichnet: "Ein einschneidendes Erlebnis war für mich im Mai 2019 das Spiel, in dem wir faktisch in die 3. Liga aufgestiegen sind. Noch während des Heimspiels gegen Meuselwitz, als ich kurz vor Abpfiff in die Fankurve gegangen bin, um alle zu beruhigen, weil ein Platzsturm drohte, wurde ich von einigen sogenannten Fans verbal beleidigt und bedroht sowie mit vollen Bierbechern beworfen und auch getroffen. Schon da fielen Worte wie 'Verpiss Dich, du Hurensohn' und 'Verschwinde aus Chemnitz'."

Die negativen Schlagzeilen um den Klub hatten im März begonnen, als im Stadion für einen toten Rechtsextremisten eine Trauerbekundung abgehalten worden war. Zudem hatte sich der Verein Anfang August vom Publikumsliebling und Kapitän Daniel Frahn getrennt. Ihm war Nähe zur rechten Szene vorgeworfen worden. Bei der Trauerfeier jubelte er mit einem Hooligan-T-Shirt.

"Dann bedrängte er mich und sagte 'Verp**s Dich, Du scheiss Drecks-Jugo.'"

Geschäftsführer Sobotzik, der sich auch öffentlich gegen die Fans aussprach, erlebte zuletzt weitere Anfeindungen: Nach dem DFB-Pokalspiel gegen den HSV wenige Tage nach Frahns Entlassung wurde er nach seinen Angaben am VIP-Ausgang "von einem Mitglied der aktiven Fan-Szene aufgelauert, das mich mit den Worten empfing: 'Auf Dich habe ich die ganze Zeit gewartet.' Dann bedrängte er mich und sagte: 'Verpiss Dich, Du scheiss Drecks-Jugo.' Dieser Vorfall ist polizeilich genau so registriert." Sobotzik ist tatsächlich in Polen geboren, lebt allerdings seit seinem 14. Lebensjahr in Deutschland, spielte später für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. "Beim nächsten Heimspiel gegen Magdeburg gab es dann Schmierereien im Stadion mit Morddrohungen gegen Klaus Siemon (den Insolvenzverwalter, Anm. d. Red.) und mich."

Wie sehr besonders die Personalie Frahn die Beziehungen in Chemnitz belastete, beschreibt Sobotzik anhand eines Beispiels: "Vor seiner Entlassung wurde Daniel Frahn am späten Vormittag telefonisch darüber informiert, dass er um 14 Uhr zu einem Gespräch mit unserem Pressesprecher, Fan-Beauftragten und mir um 14 Uhr auf der CFC-Geschäftsstelle erscheinen sollte. Eine Viertelstunde nach dieser Info an Frahn und damit lange vor der öffentlichen Bekanntgabe erhielt ich per WhatsApp wüste Beschimpfungen und Bedrohungen. Jeder kann sich vorstellen, wie so etwas einzuordnen ist." Weitere Aussagen zur Situation will Sobotzik derzeit übrigens nicht machen, eine Reaktion auf seine Worte wird aber vermutlich in seinen letzten vier Arbeitstagen in Chemnitz nicht auf sich warten lassen. Am Montag spielt der Klub bei der SpVgg Unterhaching.

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