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Ter Stegen „hat überhaupt keinen Anspruch“, Nationaltorwart zu sein

WELT-Logo WELT 21.09.2019 Julien Wolff
Marc-André ter Stegen - genau so gut wie Neuer oder nicht? Uli Hoeneß hat eine klare Meinung dazu © AFP/JOHN MACDOUGALL Marc-André ter Stegen - genau so gut wie Neuer oder nicht? Uli Hoeneß hat eine klare Meinung dazu

Der Präsident des FC Bayern droht dem Verband in der Torwart-Diskussion um Neuer und ter Stegen. „Das ist ein Witz. Wir werden den Leuten Feuer geben“, sagt er. Hoeneß beklagt mangelnde Unterstützung für Neuer und zu viele Länderspiele.

Kurz vor Mitternacht schlenderte Uli Hoeneß aus dem Kabinentrakt im Münchner Stadion. Der Präsident des FC Bayern trug nach dem 3:0 (1:0) gegen Roter Stern Belgrad im ersten Gruppenspiel der Champions League (Tore: Kingsley Coman, Robert Lewandowski und Thomas Müller) einen Fan-Schal seines Klubs und war von der Leistung der Mannschaft angetan.

„Wir hätten früher das zweite Tor machen können. Dann wäre es einfacher gewesen. Aber am Ende können wir mit diesem Spiel sehr zufrieden sein“, so der 67-Jährige. Und dass die beiden anderen Gruppengegner Tottenham Hotspur und Olympiakos Piräus 2:2 gespielt haben, sei auch nicht schlecht.

Dann verfinsterte sich seine Mine – und Hoeneß sprach von sich aus den Terminplan der Saison an. „Was ich sehr, sehr schlecht finde, sind diese Unterbrechungen durch die Länderspiele. Jetzt gibt es schon drei Unterbrechungen bis Weihnachten. Das ist ein Wahnsinn. Das muss geändert werden“, monierte der Bayern-Präsident.

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„Jedes Mal, wenn die Mannschaften ein bisschen im Rhythmus sind, ist wieder so ein Länderspiel. Das kann so nicht weitergehen“, grantelte Hoeneß weiter.

„In der besten Jahreszeit wird der Bundesliga die Attraktion genommen.“ Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sei derselben Meinung. Man werde da intervenieren, so Hoeneß.

Und dann schaltete er in den berüchtigten Modus „Abteilung Attacke“. Ein Reporter fragte ihn zur Diskussion um die Nationaltorhüter Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen, und Hoeneß sagte: „Ich finde das einen Witz.“

„Die Münchner Presse finde ich nicht in Ordnung. Die westdeutsche Presse unterstützt den Marc-André ter Stegen extrem, wie wenn er schon 17 Weltmeisterschaften gewonnen hätte“, so Hoeneß. „Hier von der süddeutschen Presse sehe ich gar nichts, überhaupt keine Unterstützung.“

Sein Kopf wurde jetzt immer roter, seine Stimme immer lauter. „Ich finde es unmöglich, dass man so ein Thema in die Öffentlichkeit bringt. Er hat überhaupt keinen Anspruch, dort zu spielen“, so Hoeneß über ter Stegen. Erstaunliche Aussagen zu der Nummer eins des FC Barcelona, die gerade für die Wahl zum Welttorhüter nominiert wurde.

Für Hoeneß ist die Sache klar: „Bei den Torhütern ist es anders als bei den Feldspielern“, da könne man nicht ständig hin und her wechseln. Die Hierarchie müsse klar sein, und die Hierarchie bedeute: Manuel Neuer ist die Nummer eins.

Manuel Neuer nach dem Bayern-Spiel gegen Crvena Zvezda. Uli Hoeneß vermisst Unterstützung für Neuer in den Medien Quelle: Bongarts/Getty Images/Alexander Hassenstein © Bongarts/Getty Images/Alexander Hassenstein Manuel Neuer nach dem Bayern-Spiel gegen Crvena Zvezda. Uli Hoeneß vermisst Unterstützung für Neuer in den Medien Quelle: Bongarts/Getty Images/Alexander Hassenstein

Der sei über viele Jahre der beste Torwart der Welt gewesen, jetzt war er verletzungsbedingt eine Zeit lang außer Gefecht. Aber es sei doch klar, so Hoeneß: „Wenn Neuer wieder die alte Form hat – und die hat er jetzt – gibt es gar keine Diskussion, dass nur er die Nummer eins sein kann. Und ich hätte mir auch vom DFB mehr Unterstützung erwartet.“

Der Abend wurde jetzt zu einer Generalabrechnung des Bayern-Präsidenten mit dem Verband. „Wir kriegen ständig vom DFB Theater. Zuerst die unmögliche Ausbootung, die Art und Weise, wie die drei Spieler hier schlecht behandelt wurden (Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller, d. Red.).“

„Jetzt dasselbe wieder mit Manuel Neuer. Dass man das zulässt, dass ein Mitspieler in die Öffentlichkeit geht, für ein Thema, das er nur mit dem Jogi Löw zu besprechen hat, das ist nicht in Ordnung“, kritisierte Hoeneß.

Rummenigge hatte bereits vor dem Anpfiff gegen Belgrad bei Sky beklagt, es würde da etwas auf dem Rücken von Manuel Neuer ausgetragen. Der DFB lasse das Thema in der Öffentlichkeit wabern und spreche keinen Klartext. Die Bayern-Bosse hatten sich vermutlich abgesprochen.

„Manuel Neuer ist doch viel besser“

Hoeneß legte nun nach: „Wir haben eine klare Meinung: Wir werden uns das in Zukunft nicht mehr gefallen lassen, dass unsere Spieler beschädigt werden, ohne Grund. Ter Stegen ist ein sehr guter Torwart, doch Manuel Neuer ist doch viel besser und viel erfahrener. Da gibt es doch gar keine Diskussionen für irgendjemanden auf der Welt, dass Manuel Neuer im Tor steht.“

Und wenn er jetzt höre, Neuer würde möglicherweise nur noch bis nach der EM 2020 spielen… „Der kann so lange spielen wie er gesund ist, weil der wird immer der Beste sein.“

Welche Mittel er nun habe, fragte ein Reporter Hoeneß. „Wir werden den Leuten schon mal ein bisschen Feuer geben. Das können wir“, so Hoeneß. Es klang wie eine Drohung in Richtung Bundestrainer Löw und Oliver Bierhoff, Direktor der Nationalmannschaften.

Viele Münchner wollten an diesem Abend ihren Torhüter unterstützen. Weltmeister Thomas Müller sagte: „Manu ist der Kapitän dieser Mannschaft, das darf nicht vergessen werden. Manu war schon immer mein Torhüter, deswegen stehe ich ihm da natürlich zur Seite.“

Marc-André ter Stegen - genau so gut wie Neuer oder nicht? Uli Hoeneß hat eine klare Meinung dazu Quelle: AFP/JOHN MACDOUGALL © AFP/JOHN MACDOUGALL Marc-André ter Stegen - genau so gut wie Neuer oder nicht? Uli Hoeneß hat eine klare Meinung dazu Quelle: AFP/JOHN MACDOUGALL

Auch Niko Kovac äußerte sich. „Es gibt überhaupt nichts zu diskutieren. Manuel Neuer ist die Nummer eins Deutschlands. Wenn die Leistung stimmt, wird er das auch bleiben“, betonte der Trainer.

Und Neuer selbst, was sagt er zu den Aussagen von Hoeneß? „Unterstützung zu haben ist immer gut. Für mich gilt es jetzt, weiterhin meine Aufgaben zu erledigen. Ich will jetzt nicht großartig eine Debatte führen. Wir sind Teamplayer und haben vier gute Torhüter.“

Die Frage ist nun: Wie reagieren Löw und/oder Bierhoff auf die Hoeneß-Attacke? Das Thema Deutschlands Nummer eins wird wohl die Zeit bis zur EM prägen.

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