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So könnte der mutmaßliche Täter von Dortmund spekuliert haben

SZ.de-Logo SZ.de vor 3 Tagen Von Valentin Dornis
Bei dem Anschlag am Abend des 11. April 2017 wurde der Mannschaftsbus des BVB beschädigt, mehrere Spieler wurden verletzt. © dpa Bei dem Anschlag am Abend des 11. April 2017 wurde der Mannschaftsbus des BVB beschädigt, mehrere Spieler wurden verletzt.

Der Tatverdächtige soll den Anschlag verübt und zuvor darauf gewettet haben, dass der Kurs der BVB-Aktie fällt. Wie solche Geschäfte funktionieren.

• Der Tatverdächtige, der den Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB verübt haben soll, handelte womöglich aus Habgier.

• Mit sogenannten Put-Optionsscheinen soll er auf die Aktie des Fußballvereins gewettet haben.

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund gab es viele Spekulationen über die möglichen Hintergründe. Rechts- und Linksextreme gerieten ins Visier, auch ein islamistisches Motiv wurde diskutiert. Nun hat die Polizei einen Mann festgenommen. Sein Plan war laut den Ermittlern, möglichst viele BVB-Spieler zu verletzen oder zu töten. Allerdings nicht aus politischen oder religiösen Gründen, sondern offenbar aus Habgier. Laut den Behörden wollte er mit dem Anschlag den Kurs der BVB-Aktie beeinflussen und dadurch viel Geld verdienen.

Borussia Dortmund ist der einzige Bundesligaverein, der an der Börse notiert ist. Man kann also Aktien des Vereins kaufen und verkaufen - und auf ihren Kurs spekulieren. Das soll auch der nun Festgenommene, Sergej W., getan haben. Er hoffte laut den Ermittlern, dass der Kurs der BVB-Aktie nach dem Anschlag sehr stark fällt. Er ging eine Wette mit sogenannten Put-Optionen ein. Das Papier garantiert Anlegern einen festen Preis für eine Aktie, zum Beispiel fünf Euro. Fällt der Wert der Aktie dann darunter, etwa auf vier Euro, gewinnt der Anleger mit der Put-Option Geld. Verliert die Aktie, gewinnt der Options-Besitzer. Diese Wette funktioniert, ohne dass der Anleger eine Aktie besitzen muss.

Put-Optionen sind in der Regel deutlich günstiger als die Aktien, auf die sie sich beziehen. Dazu kommt: Die Optionen können auch gehandelt werden, wie Aktien. Ob ihre Kurse steigen oder sinken, hängt mit dem Kurs der tatsächliche Aktie zusammen. Und die Veränderungen sind mitunter dramatisch. Gewinne und Verluste können so extrem ausfallen, dass dieses Finanzprodukt nichts für normale Sparer ist.

Ein Beispiel: Fällt der Wert der Aktie um zwanzig Prozent, kann der Wert eines Put-Optionsscheins um 200 Prozent oder mehr steigen. Put-Optionen im Wert von 50 000 Euro sind dann plötzlich 150 000 Euro wert. Es sind auch krassere Wertsteigerungen möglich. Anleger können ihr Geld verfünf- oder gar versiebenfachen. Allerdings drohen auch Verluste in gleichem Maße. Theoretisch sind sie sogar unbegrenzt.

Der nun Festgenomme könnte auf enorme Gewinne spekuliert haben. Er soll mithilfe eines Kredits 15 000 Verkaufsoptionen für BVB-Aktien gekauft haben, die insgesamt 78 000 Euro wert gewesen sein sollen. Bisher sind noch keine weiteren Details bekannt. Angaben über einen möglichen Gewinn, den er hätte erzielen können, sind deshalb nicht möglich.

Dass Sergej W. ausgerechnet die BVB-Aktie für seine Kurswette ausgewählt hat, kann verschiedene Gründe haben. Bei der Kursentwicklung einer Aktie spielen viele Faktoren eine Rolle, unter anderem die Entwicklung des jeweiligen Unternehmens. Bei einem Fußballverein ist diese Entwicklung stark von der Leistung der Mannschaft abhängig. Sind mehrere Spieler verletzt oder kommen gar ums Leben, können die Siegchancen und die Aussicht auf Titelgewinne sinken. Dem Verein würden Einnahmen entgehen. Das kann die Aktie abstürzen lassen. Zudem war die Aufmerksamkeit an diesem Abend besonders groß. Für den BVB stand der Einzug ins Halbfinale der lukrativen Champions League auf dem Spiel.

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