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Sven Hannawald: "Die Ärzte haben mir das Leben gerettet!"

teleschau-Logo teleschau 20.03.2019 teleschau

© TVNOW

Sven Hannawald hat alles gewonnen. WM-Gold, Olympia-Gold, als Erster alle vier Springen bei einer Vierschanzentournee. Beinahe aber hätte er alles verloren. Im Rückblick bei "Ewige Helden" stellte er klar: Hätte er sich nicht wegen Burnout behandeln lassen, würde er wohl nicht mehr leben!

Am 6. januar 2002 - um 15.46 Uhr, wie der TV-Kommentator damals so akribisch wie dramatisch festhielt - schrieb Sven Hannawald Sportgeschichte. In diesem Moment siegte er beim Dreikönigsspringen auf der Paul-Außerleitner-Schanze in Bischofshofen. Damit hatte Hannawald nicht nur die Vierschanzentournee gewonnen, sondern auch alle vier Einzelspringen in Oberstdorf, Garmisch-Partnenkirchen, Innsbuck und Bischofshofen. Das war eine Sensation, den "Grand Slam" hatte vor Hannawald niemand geschafft.

"Als ich vor dem zweiten Srung auf dem Balken saß, war mir wurscht, ob es klappt. Ich wollte nur, dass das Theater endlich vorbei ist." Sven Hannawalds Karriere-Rückblick bei der VOX-Sportshow "Ewige Helden" war schonungslos offen und sehr emotional. Der 43-Jährige: "Der Traum vom Fliegen hat damals mit meinem Papa auf dem Sofa vor dem Fernseher begonnen. Ich habe mir mit den vier Siegen bei der Tour einen Kindheitstraum erfüllt." Aber: "Dieser Traum hat mich auch an Grenzen gebracht." Und in Lebensgefahr!

"Ich weinte, wenn ich Zweiter wurde!"

Sven Hannawald wuchs im Erzgebirge auf und stand schnell auf Sprungskiern. Über seine Anfänge berichtete er: "Ich übte hinter dem Haus am Hügel. Ich fiel dauernd hin. Aber ich ging wieder hoch. Bis ich nach zwei Stunden den ersten Sprung stand." Das wurde sein Credo: "Ich wollte immer Perfektion, das hat mich jahrelang angetrieben." Sein Ehrgeiz, das Immer-und-alles-gewinnen-Wollen, ist längst auch bei seinen Mitstreitern bei "Ewige Helden" legendär. Es ist ein roter Faden, der sich durch seine Sportkarriere zog: "Ich wollte immer den Schanzenrekord. Ich weinte, wenn ich Zweiter wurde."

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Noch zu DDR-Zeiten, mit zwölf Jahren, kam er aufs Sportinternat, sah die Eltern nur noch am Wochenende. "Das ist hart", kommentierte Eishockey-Star Christian Ehrhoff bei "Ewige Helden". "Da musst du schnell erwachsen werden." Sven wurde es. Als die Mauer fiel - am Tag seines 15. Geburtstags -, blieb er im Osten, die Eltern zogen westwärts. Erst 1991 wechselte er ins Sportinternat in den Schwarzwald, wo er sich schon 1992, als Youngster mit 17 Jahren, mit den nationalen Skigrößen wie Jens Weißflog (beide kamen im selben Krankenhaus in Erlabrunn zur Welt!) im Herrenbereich messen musste. Nach ersten Erfolgen stagnierte Sven. Die Saison 1997/98 wurde seine Bewährungsprobe. "Mein letzte Chance. Ich war zum Erfolg verdammt."

62 Kilo bei 1,85 Metern Körpergröße

Der Perfektionist Hannawald erkannte, dass er seine Defizite kompensieren konnte - wenn er sein Gewicht reduzierte. Er kochte auf 70 Kilo bei 1,85 Metern Körpergröße ab. "Das klingt dünn", sagte er bei den skeptischen Blicken der "Ewigen Helden" (Christian Ehrhoff: "Da fragt man sich schon, ob das noch gesund ist."), "aber glaubt mir, dünn ist was anderes in Skisprungkreisen." Aber der Erfolg gab ihm Recht: Bei der Vierschanzentournee holte Hannawald 1998 beim Abschlussspringen in Bischofshofen den ersten Weltcup-Sieg, bei der Skiflug-WM in Oberstdorf schaffte er wenige Wochen später mit einem Flug über 199,5 Meter ("200 Meter ist die Grenze - das ist wie ins Weltall fliegen!") Silber. In Naganao gab es, ebenfalls 1998, im Team die erste Olympia-Medaille. 1999 folgte Mannschafts-Gold bei der Ski-WM, 2000 gewann er die Skiflug-WM im Einzel.

Und immer fragte er sich: "Wie kann ich besser werden? Ich wollte über Biegen und Brechen den Erfolg." Und es ging erneut über das Gewicht: Hannawald wog vor Beginn der Saison 2001 nur noch 62 Kilo. "Das war wie Poker. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt." Und er verlor: Der Körper streikte. Über den Sommer 2001 wurde der Ausnahme-Athlet mit Spezialnahrung "hochgepeppelt", nahm drei Kilo zu und ging topfit in die Wintersaison 2001/2001.

Adrenalinschübe wie bei Todesangst

Er besiegte den Mythos der Vierschanzentournee, unter anderem sprang er bei seinen vier Siegen in Innsbuck und Bischofshofen Schanzenrekord. "Die zwei Tage zwischen Innsbruck und Bischofshofen waren die schlimmsten meines Lebens." Der Druck - "Ich war der Gejagte!" - war riesig. Als das Vierschanzentournee-Wunder vollbracht war - "Es war ein Moment der Erlösung!" -, segelte der erfolgreichste der deutschen "Adler" wie befreit zum Olympia-Gold in Salt Lake City und zum zweiten Triumph bei der Skiflug-WM. "Messungen haben ergeben", schilderte Hannawald, "dass beim Skifliegen Adrenalin ausgestoßen wird, wie es Menschen in Todesangst tun."

Dann war Schluss, 2003 folgte der Einbruch. Hannawald haderte, zweifelte, empfand Müdigkeit. "Ich merkte, irgendwas stimmt nicht." Aber die Blutwerte, die Organtests - alles war optimal. "Dann bin ich eines Nachts aufgewacht, tränenüberströmt." Er war psychisch am Boden, vertraute sich einem Arzt an. Der diagnostizierte Burnout. Hannawald hörte auf den dringenden Rat und ging in eine Klinik. "Ich war ein körperliches Wrack." Seelisch aber wurde - endlich - aufgearbeitet. "Ich lernte mich von Grund auf neu kennen." Und die wichtigste Erkenntnis: "Ich weiß heute, der Klinikbesuch hat mir das Leben gerettet." Bitter und tragisch nennt er den Suizid des Fußballers Robert Enke (2009), aber auch verständlich: "Das ist ein Beispiel, was passieren kann, wenn man keine Hilfe sucht. Nach seinem Tod habe ich eins und eins zusammengezählt. Wenn ich nicht auf den Arzt gehört hätte, wäre ich vielleicht auch an einem Punkt angelangt, an dem ich nur noch einen Ausweg gesehen hätte."

Hannawald erringt seinen größten Sieg

"Ich habe größten Respekt vor Svens sportlicher Leistung", sagte Gewichtheber-Titan Mathias Steiner, "aber noch größeren Respekt davor, wie er aus dieser Krise herauskam." Denn Hannawald schafte es zurück "ins Leben". Aber nicht mehr ins Skispringen - er beendete 2005 die Karriere. "Ich hatte geheim wieder zu trainieren begonnen. Es fühlte sich gut an. Aber als ich einmal zum Krafttraining ging, kam aus dem Nichts das ungute Gefühl zurück. Da wusste ich: Das war's!"

Hannawald fand sein Glück in seiner Familie mit Ehefrau Melissa und Söhnchen Glen, im Mai wird der ein Schwesterchen kriegen! "Die "Familie ist mein Ein und Alles. Sie gibt mir den Rückhalt, die Wärme, die ich jahrelang nicht hatte", erzählt der Ex-Skispringer aufgewühlt. Da rollten dann auch Tränen, und nicht nur bei ihm. "Wenn ich meinen kleinen Sohn sehe, dann habe ich das Gefühl: Es hat sich gelohnt!" Boxerin Susi Kentikian war tief bewegt: "Er hat es verdient, glücklich zu sein." Und Matthias Steiner empfand "dass Sven fröhlich, glücklich ist". Mit sich im Reinen.

Aber ehrgeizig ist er immer noch! "Wir werden uns warm anziehen müssen", unkte Bob-Legende Kevin Kuske und behielt Recht. Hannawald gewann in "seiner Woche" der VOX-Sportlegendenreihe "Ewige Helden" gleich den ersten Wettbewerb "Treffsicher", wurde (hinter Christian Ehrhoff) Zweiter beim Intervall-Laufen "Hin und her" am Strand. Und obwohl er sein Heimspiel "Auf dem Sprung" nicht gewinnen konnte (das tat Kevin Kuske, der im Hocksprung 1,42 Meter übersprang), wurde er als Wochensieger ausgezeichnet. Sein WG-Kumpel Kevin überreichte die Siegermedaille.

In der Gesamtwertung ist Sven Hannawald nach 15 von 24 Wettbewerben wieder Zweiter (86 Punkte), hinter Christan Ehrhoff (96) und vor Biathletin Andrea Burke (81). Es folgen Fechterin Britta Heidemann (73), Matthias Steiner (70), Handballerin Nadine Kause (62), Kevin Kuske (56) und Susi Kentikian. Die war allerdings "Heldin der Herzen". Beim Schwimm und Tauchspiel "Treffsicher" tat sie sich in den Wogen des Mittelmeers vor allem beim Tauchen schwer. Und wurde dann auch noch von Quallen attackiert. "Aber Aufgeben war nicht drin!" Sie zog das Ding durch - ein typischer "ewiger Held"!

Nächste Woche steht Kevin Kuske im Fokus, der erfolgreichste Bobsportler aller Zeiten.

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