Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Senkrechtstarter Kramaric: Warum der Kroate Messis Argentinier nicht fürchten muss

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 21.06.2018 berliner-zeitung
Foto Kramaric: AFP © AFP AFP

Andrej Kramaric sagt, er sei kein guter Tänzer. Und ein guter Skifahrer sei er auch nicht. Das hätten alle Mädchen erklärt, die bisher mit ihm getanzt hätten, und die Ski-Karriere sei für ihn als kleiner Junge schon nach 30 Metern mit einem Sturz beendet gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Unter Sotschis Sonne soll der neue Teamgeist wachsen

Auf dem Fußballplatz aber ist Andrej Kramaric beweglich wie ein Samba-Tänzer, der seine Gegner stehen lässt, als seien sie Slalomstangen. Er sagt: „Ich kann die Richtungen beim Dribbling sehr schnell ändern, das stimmt. Das konnte ich schon als Kind, wahrscheinlich ist es Veranlagung.“ 

Mit dieser besonderen Gabe hat es der mittlerweile 27 Jahre alte Offensivspieler der TSG Hoffenheim in die Nationalmannschaft Kroatiens geschafft. Und bis zur Weltmeisterschaft. An diesem Donnerstag trifft Kroatien in Nischni Nowgorod auf Argentinien. Nach dem 2:0-Auftaktsieg gegen Nigeria herrscht Euphorie um die Vatreni, die Feurigen. Wieder einmal.

Modric und die Hochbegabten

Jener Überschwang nach Erfolgen, der zu Bequemlichkeit führen kann, stand den Stars Luka Modric, 32, (Real Madrid), Mario Mandzukic, 32, (Juventus Turin) und Ivan Rakitic, 30, (CF Barcelona) schon oft im Weg. Diesmal drohte wie 2010 das Aus schon in der WM-Qualifikation. Andrej Kramaric sicherte durch zwei Tore beim 2:0 im letzten Gruppenspiel in der Ukraine die Playoffs, in denen sich Kroatien dann gegen Griechenland durchsetzte.

Damals erklärte Kramaric die Mentalität der hochbegabten Auswahl so: „Wir haben viele Spieler, die in den besten Klubs der Welt spielen. Vielleicht haben wir gedacht, das reicht.“ Nun aber wollen die in die Jahre gekommenen Stars ihre wahrscheinlich letzte Chance wahrnehmen und aus dem Schatten der Generation von 1998 treten, die mit ihrem dritten Platz bei der WM in Frankreich bis heute in Kroatien gefeiert wird.

Veränderte Taktik

In ihrer besten Verfassung braucht diese Elf vor keiner Mannschaft der Welt Angst zu haben. Auch nicht vor der Argentiniens mit Lionel Messi, die zum Auftakt nur 1:1 gegen Island spielte. Trainer Zlatko Dalic, der erst vor dem Duell mit der Ukraine für den entlassenen Ante Cacic übernahm, wird die Taktik gegenüber der Partie gegen Nigeria vermutlich ändern. Um Messi weniger Raum zu geben, wird wohl Mittelfeldspieler Milan Badelj spielen, einer der vier Offensiven, entweder Ante Rebic, oder Andrej Kramaric, könnte in die Jokerrolle schlüpfen.

Andrej Kramaric sagt: „Man geht los und versucht, alles zu geben.“ Er hat es im kroatischen Fußball auf diese ganz eigene Art ganz nach oben geschafft. Und gegen massive Widerstände. In Zagreb geboren, durchlief der Freigeist die Jugend von Serienmeister Dinamo bis in die erste Mannschaft. Trotz guter Leistungen aber wurde er bei den Profis plötzlich nicht mehr so oft eingesetzt. Kramaric hatte sich geweigert, eine Zusatzvereinbarung mit dem damaligen Dinamo-Präsidenten Zdravko Mamic zu unterzeichnen, die diesem 20 Prozent seines Einkommens bis zum Karriereende und Ablösebeteiligungen sichern sollten.

Anklage wegen Falschaussage

Kurz vor WM-Start sind Mamic und seine Helfer zu Gefängnisstrafen wegen Steuerhinterziehung und Bereicherung bei Transfers von Dinamo-Stars ins Ausland verurteilt worden. Dieses Kriminalstück belastet auch die Nationalmannschaft, Kapitän Luka Modric hat eine Anklage wegen Falschaussage in dem Prozess am Hals.

Gegen Verteidiger Dejan Lovren vom FC Liverpool wird wegen Verdacht auf Falschaussage ermittelt. Kramaric hatte sich dem Zugriff des Mamic-Clans widersetzt, im November letzten Jahres sagte er der SZ: „Als ich jung war, habe ich bestimmte Dinge nicht akzeptiert. Die Dinge haben sich in eine falsche Richtung entwickelt, obwohl Dinamo mein Klub war.“

Kramaric wechselte nach Rijeka, dann zu Leicester City und spielt nun seit zweieinhalb Jahren in Hoffenheim. Die TSG ließ sich die Künste des vielseitigen Stürmers elf Millionen Euro kosten – Vereinsrekord. In der vergangenen Rückrunde gehörte er zu den stärksten Spielern, die TSG schaffte den Einzug in die Champions-League. Insgesamt 33 Tore und 20 Vorlagen in 83 Bundesligaspielen stehen in Kramarics Statistik.

Verschossener Elfmeter

TSG-Trainer Julian Nagelsmann hält große Stücke auf den unberechenbaren Dribbler, und baute ihn nach einer schwachen Vorrunde mit seinem Trainerteam gezielt wieder auf. Ein verschossener Elfmeter im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Liverpool setzte Kramaric zu, nur zwei Tore gelangen ihm in der Vorrunde.

Kramaric fühlt sich wohl in Hoffenheim, er mag den Klub, die Mitspieler, und die Champions-League ruft. Über Trainer Nagelsmann sagt er: „Julian hat alles, um einer der größten Trainer überhaupt zu werden.“ Doch Kramaric steht längst im Fokus größerer Vereine. Der weiß das. Vor der WM erklärte er, ein möglicher Wechsel beschäftige ihn erst nach dem Turnier.

Kovac als Förderer

Dass er wie Nationalmannschaftskollege Ante Rebic von Eintracht Frankfurt in kroatischen Medien mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht wird, ist nicht verwunderlich. Der neue Bayern-Trainer Niko Kovac gilt als Förderer der beiden und verhalf beiden als Nationaltrainer Kroatien zu ihrem Länderspieldebüt.

Im Winter lehnte die TSG ein 30 Millionen-Angebot für den Spieler aus Italien ab. Was aber passiert, wenn Kramaric mit Kroatien an der WM weiter erfolgreich die Gegner austanzt, ist eine spannenden Frage: TSG-Manager Alexander Rosen erklärte im Fall Kramaric, erst ab einer Summe von 50 Millionen Euro über einen Wechsel nachdenken zu wollen. Eigentlich wollen sie ihn nicht hergeben.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Berliner Zeitung

Berliner Zeitung
Berliner Zeitung
| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon