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Nadja Tiller wird 90: Das schöne Leben

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel vor 6 Tagen Christian Schröder

Nadja Tiller wird 90

@heprod@images@fotos@8@6@1@20190316@TILLER_470_1_20190314174443159.jpg © Foto: dpa @heprod@images@fotos@8@6@1@20190316@TILLER_470_1_20190314174443159.jpg

Auch Träume haben ihre Halbwertzeit. Für Frauen waren sie in der Nachkriegszeit manchmal ziemlich kurz. „Glaubst du, ich will ewig Mannequin bleiben?“, fragt Marianne, die unbedingt Schauspielerin werden möchte. Ihr Freund, der es im Wirtschaftswunder bereits zu einem Cabrio gebracht hat, entgegnet: „Hausfrau ist doch auch ein schöner Beruf.“ Zur Strafe fällt das ambitionierte Mädchen auf Betrüger rein und haut ihr Erspartes auf den Kopf, um einen Vertrag mit der Agentur „WIMASTA“ (Wir machen Stars) zu ergattern. Am Ende, als sie ihre Talentlosigkeit erkannt hat, entscheidet sie sich für die Ehe.

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Im weißen Mercedes 190 SL durch Frankfurt

Der Witz daran ist, dass Nadja Tiller bereits ein Filmstar war, als sie 1955 die Klamotte „Wie werde ich Filmstar?“ drehte. Die Tochter einer Operettensängerin und eines Hofschauspielers, 1929 in Wien geboren, hatte ihr Engagement am Theater in der Josefstadt verloren, nachdem sie 1949 im Badeanzug zur „Miss Austria“ gewählt worden war. Sie ging zum Film, wurde mit der Familiensaga „Die Barrings“ (1955) bekannt, mit der erotisch aufgeladenen Gesellschaftssatire „Das Mädchen Rosemarie“ (1958) berühmt und berüchtigt. Als Darstellerin der Edelprostituierten Nitribitt kurvte sie im weißen Mercedes 190 SL durch Frankfurt, eine fatale Frau mit unschuldig großen braunen Augen. Der Film, ein Skandalerfolg in der prüden Adenauer-Ära, wurde bei den Festspielen von Venedig gefeiert.

Schlecht beraten und dumm gewesen

Es folgten Angebote von Fellini (für „La dolce vita“), Antonioni („La notte“) und Visconti („Rocco und seine Brüder“). Tiller lehnte alle ab. „Heute sagt man natürlich: Wie kann man nur?“, erzählte sie später. „Aber damals war ich einfach schlecht beraten. Einfach dumm, aber ich habe aufgehört, mich darüber zu ärgern.“ Sie stand für Robert Siodmak und Julien Duvivier vor der Kamera, arbeitete mit Jean Gabin und Michael Caine. Zu den 120 Filmen, die sie gedreht hat, gehören auch Schätze wie die lange vergessenen, heute gerühmten Werke „O Happy Day“ und „Engel, die ihre Flügel verbrennen“ aus der 1970 entstandenen BRD-Trilogie des tschechischen Regisseurs Zbynek Brynych.

Eheglück gibt es auch für Filmstars

Nadja Tiller war fast sechzig Jahre mit ihrem Kollegen Walter Giller verheiratet. Eine Boulevardzeitung hat beide gerade in die Liste der „größten Liebespaare aller Zeiten“ aufgenommen. Giller starb 2011. Tiller lebt in einem Hamburger Altenstift, neben dem Apartment, auf dessen Tür noch immer der Name ihres toten Ehemannes steht. Der Beruf Filmstar muss dem Eheglück nicht im Wege stehen, das hat die Diva bewiesen, die heute 90 Jahre alt wird.

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