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Rocker wird 70: Peter Maffay schenkt sich selbst ein neues Album

EXPRESS-Logo EXPRESS 24.08.2019 Simon Küpper
Steht seit 50 Jahren auf der Bühne: Peter Maffay © dpa Steht seit 50 Jahren auf der Bühne: Peter Maffay

Seinen 70. Geburtstag feiert Peter Maffay am nächsten Freitag auf der Bühne. Das Geschenk hat er selbst verpackt – sein neues Album „Jetzt“ wird am selben Tag veröffentlicht. Dass man ihm die 70 kaum ansieht – nur die Brillengläser sind etwas dicker geworden – und er sich im Video zur Single „Morgen“ problemlos oberkörperfrei zeigen kann, liegt wohl auch an seiner kleinen Anouk. Die gemeinsame Tochter mit seiner Partnerin Hendrikje Balsmeyer (32) kam im vergangenen November zur Welt – und brachte Maffay einen ganz neuen Pep, wie er uns im Interview  erzählt.

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Herr Maffay, ihre neuen Titel „Morgen“ und „Jetzt“ haben starke Botschaften – was sind für Sie die drei Dinge, die jetzt in der Gesellschaft angepackt werden müssen und nicht auf morgen verschoben werden dürfen?

(überlegt) Es nur auf drei zu reduzieren, ist schwer. Die gesamte Aufzählung wäre wahrscheinlich ziemlich ausschweifend. Ich mache es mal anders: Gerade diese beiden Songs haben etwas mit der Perspektive von Jugendlichen zu tun. Sie sieht ziemlich bedrohlich aus. Die Bilder im Video „Morgen“ sind ein Bruchteil dessen, was in der Realität stattfindet. Und ich denke, dass das ein Anstoß war , diese zwei Songs zu machen und die Probleme jetzt anzusprechen – und nicht gestern und nicht morgen.

Also machen sie sich Sorgen um die Zukunft Ihrer Kinder?

Ja, ein Grund dafür ist neun Monate, der andere ist 16 Jahre alt. Viele von uns haben Kinder, viele machen sich über die Zukunft der Kinder Gedanken. Mit Fridays for Future gibt es jetzt ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass auch junge Leute gar nicht so unpolitisch sind. Und so langsam wird uns allen bewusst, wie viele Kernfragen nur mit einem weltweiten Konsens zu beantworten sind. Deswegen gibt es keine Alternative und keinen Grund, der uns dazu bewegen sollte, zu warten.

Wäre der junge Peter Maffay bei Fridays for Future dabei gewesen?

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Rock'n‘Roll ist auch ein bisschen Fridays for Future. Rock'n'Roll richtet sich gegen Konventionen, stellt sie infrage.

Auch wenn es schwierig ist, drei Dinge herauszupicken, gibt es einen Punkt, der genau jetzt angegangen werden muss, um den Point of no return nicht zu überschreiten?

Im Bereich der Ökologie müssen wir versuchen, die Zerstörung unserer Umwelt zu verlangsamen. Die Erosionen wird man nicht aufhalten können, das ist unser Schicksal - aber wir können den Prozess verlangsamen. Dafür müssen die Menschen aber weltweit zusammenarbeiten. Das würde auch bedeuten, dass viele auf ihren Profit verzichten, und wir uns alle einschränken müssten, das betrifft mich natürlich genauso wie jeden anderen Menschen.. Weniger Konsum, weniger Müll, weniger Plastik und weniger CO2: Das wird unerlässlich sein. Der zweite Bereich sind die Religionskonflikte. Wenn es gelänge, dass niemand mehr seinen Gott über einen anderen stellt, dann hätten wir keine Religionskonflikte, aus denen Gewalt erwächst.

Als Musiker ist man international unterwegs, hat mit vielen Nationalitäten zu tun. Spricht man da auch über diese Probleme?

Na klar. Es ist wichtig, sich mit anderen auszutauschen, sich selbst nicht als Nabel der Welt sondern als ein Teil des Ganzen zu sehen. Europa ist nicht alles! Es gibt Afrika, Asien, Südamerika, Nordamerika, die Antarktis – wo Menschen mit anderen Prioritäten leben. Mit anderen Schwierigkeiten und anderen Lebensumständen. „Reisen bildet“, sagt man und das stimmt. Weil man in der Lage versetzt wird, zu sehen, zu fühlen, zu greifen, was woanders passiert.

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Als Musiker, der viel unterwegs ist, hat man diesen Austausch automatisch. Wie können andere Menschen das schaffen?

Durch Aufklärung und Bildung. Wir haben ein Medium, mit dem sich jeder darüber informieren kann, was rund um den Globus passiert: Das Netz. In Sekundenschnelle finden wir alles, was uns interessiert. Wenn wir allerdings weggucken und die Realität nicht wahrnehmen wollen, dann vertun wir eine Chance. Es gibt heute mehr Möglichkeiten der Information als jemals zuvor.

Aber man muss auch an die richtigen Informationen kommen.

Man muss lernen, was Fake ist, was in einer bestimmten Absicht im Netz auftaucht und was nicht – ganz klar.

Würden sie sich für ihre Kinder den Umgang mit Social Media als Schulfach wünschen?

Ja! Social Media als Schulfach, das ist sinnvoll. Weil die kritische Auseinandersetzung auch dem Schutz der Kinder und Jugendlichen dienen würde. Aus der Anonymität heraus zu denunzieren, zu drohen, psychischen Druck auszuüben, das ist alles machbar. Damit kann man jemanden psychisch zu Grunde richten. Dagegen kann man sich schützen – wenn man weiß, wie und beide Seiten des Internets kennt, die gute und auch die weniger gute. Trotzdem sehe ich das Netz nicht grundsätzlich als Bedrohung, sondern eher als Chance.

Themenwechsel: Kann man als Rockstar eigentlich Windeln wechseln?

Wieso als Rockstar? Ich mache das als Vater. Ich habe mir diese Frage nie gestellt. Es ist mir - wenn Sie erlauben – auch scheißegal, ob das ins Bild passt oder nicht. Das hat mich nie beschäftigt. Nicht als Yaris klein war und nicht jetzt mit Anouk. Es ist einer der schönsten Augenblicke, den ich mir vorstellen kann, wenn wir uns angucken und ich erforschen möchte , was in diesem kleinen Wesen vorgeht, wenn ich ihm die Windeln wechsle.. Es ist ein nonverbaler Dialog, der zwischen uns stattfindet.

Hat sie schon mal ein „Papa“ hören lassen?

Sehr zum Leidwesen von Hendrikje passiert manchmal etwas, das phonetisch in diese Nähe kommt (lacht). Aber wenn Anouk ihr erstes Wort deutlich aussprechen wird, dann ist es vielleicht doch eher „Mama“. Damit kann ich gut leben. Dieses kleine Wesen lässt in mir einen ganz neuen Schwung entstehen. Wenn ich unterwegs bin sitze ich abends im Bett, hole mein Handy raus und betrachte Bilder von ihr. Und morgens wenn ich aufstehe, mache ich das auch.

Peter_Maffay_Freundin_Hendrikje_23082019 © picture alliance / dpa Peter_Maffay_Freundin_Hendrikje_23082019

Wie schwer fällt es dann, so wie jetzt, ein paar Tage weg zu sein?

Ich bin froh, wenn ich sie wieder sehe und im Arm halten kann. Gerade in dieser Phase ist das wichtig. Später, wenn sie so alt ist wie Yaris, wird das anders. Ergeht jetzt schon langsam seine eigenen Wege, und das soll er auch. Dabei will ich ihn nicht bremsen.

Hat er auch eigene musikalische Ambitionen?

Ja. Seine Schülerband, die Jungs üben fleißig. Er singt und spielt Gitarre.

Das ist ein besonderes Gefühl, wenn der Sohn einem so nacheifert, oder?

Ich habe das ja einige Jahre bei meinen Bandkollegen beobachten können. Wenn Carl hinter seinem Sohn stand und ihn ganz stolz beobachtet hat. Das ist ein schönes Gefühl!

Wenn wir auf die vergangenen neun Monate zurückblicken, wie hat sich Ihr Leben noch mal gedreht?

Mein Lebensmittelpunkt ist wieder mehr Deutschland geworden und ich freue mich ganz einfach auf die Monate und Jahre , die vor mir liegen Das Zeitfenster nach hinten wird kleiner - das ist einfach so. Ich denke, man muss versuchen, das alles entspannt an sich heran zu lassen, aber intensiv zu genießen und offen genug sein im Umgang mit den jeweiligen Umständen. Das ist das, was ich im Augenblick spüre. Klar, der Tag sollte eigentlich zwölf Stunden mehr haben, hat er aber nicht. Also muss man sehen, wie man mit diesem Rahmen klar kommt. Ich kann ja nicht meckern, ich habe riesengroßes Glück gehabt, überhaupt so lange im Musikgeschäft zu sein und das machen zu dürfen, was mir am Herzen liegt. Jetzt gehen wir raus auf die Bühne und probieren es wieder.

Am Tag der Album-Veröffentlichung werden Sie 70 und werden in TV-Shows sitzen – ist später noch eine Feier geplant?

Wir spielen am 29. August um 23 Uhr . Ich denke, das dauert bis zwölf. Dann habe ich bis um fünf Uhr Zeit, zu feiern, anschließend geht es ins Frühstücksfernsehen und von dort zum Kölner Treff.

Zu Hause ist nichts mehr geplant?

Nein. Wir werden platt sein (grinst). Geburtstage sind nicht so unbedingt mein Ding. Ich habe es lieber, das Telefon auszustellen, zu verduften und erst wieder aufzutauchen, wenn sich der Trubel gelegt hat. Das ist im Grunde genommen die gesündere Feier. Aber jetzt machen wir es mal anders. 

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