Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Skandal um Soundtrack: Durch den "Joker"-Hype könnte der verurteilte Pädophile Gary Glitter ein Vermögen verdienen

stern-Logo stern vor 5 Tagen Wiebke Tomescheit
Arthur Fleck, der Joker (Joaquin Phoenix), in einer Szene des Kinofilms © Picture Alliance/Warner Bros. Arthur Fleck, der Joker (Joaquin Phoenix), in einer Szene des Kinofilms

Während der 75-jährige Musiker Gary Glitter in England eine langjährige Haftstrafe absitzt, füllt sich aktuell sein Bankkonto, ohne dass er etwas dafür tun müsste. Weil einer seiner Songs aus den 70ern im "Joker" vorkommt, verdient der verurteilte Pädophile gerade unerwartet viel Geld. 

Es ist in mehrfacher Hinsicht unverständlich, dass ausgerechnet Gary Glitter einen Song zum wohl größten Kino-Erfolg des Jahres beigetragen hat. Der Brite, der eigentlich Paul Gadd heißt, sitzt seit 2015 in England im Gefängnis – wegen acht Sexualdelikten an zwei minderjährigen Mädchen. Zuvor war er bereits 1997 wegen Besitz von Kinderpornografie zu vier Monaten Haft verurteilt worden und saß ab 2006 in Vietnam drei Jahre im Gefängnis, nachdem er zwei Mädchen im Alter von zehn und elf Jahren missbraucht haben soll.

In seinem Fall gibt es also keinen Spielraum für Relativierungen, es geht nicht um Verdächtigungen oder womöglich üble Nachrede, sondern um mehrfache, bewiesene Verbrechen. Und zwar Verbrechen der schlimmsten Sorte – an Kindern. Und dennoch wählten die Macher des Films "Joker" einen Song dieses Mannes als Soundtrack für eine lange und bedeutende Szene aus.

Die Top-Promi-News der MSN-Leser:

Dschungelcamp 2020: Die ersten Kandidaten stehen fest

Sarah Lombardi: Sie postet altes Foto und ist schockiert

Galerie: Diese Stars erkrankten an Alzheimer

"Rock and Roll Part 2" aus dem Jahr 1972, auch bekannt als der "Hey-Song", läuft gut zwei Minuten lang, als der Joker im Film eine lange Treppe hinuntertanzt. Wer meint, dass zu einem düster-verdrehten Film wie "Joker" doch auch die Musik eines düster-verdrehten Menschen wie Gary Glitter passe, übersieht eine wichtige Sache: Der Einsatz seines Songs im Soundtrack wird dem verurteilten Kinderschänder eine große Summer Geld aufs Bankkonto spülen.

Gary Glitter dürfte ordentlich am "Joker" verdienen

Der "Guardian" hat nachgerechnet und schätzt, dass es wohl "hunderttausende Pfund" sein werden, die der 75-Jährige bekommen wird. Je erfolgreicher der Film läuft, desto mehr Tantiemen gehen an Glitter. Die Wahl des Songs ironisch abtun, das funktioniert also nicht.

Zudem geht es auch in "Joker" um das sensible Thema des Kindesmissbrauchs. Gerade deshalb ist es verwirrend, dass die Macher des Films sich entweder nicht vorher informiert haben, wessen Musik sie da nutzen, oder es ihnen gleichgültig war. Ein Insider spekulierte gegenüber dem britischen "Guardian": "In den USA dürften sie nicht viel über Gary Glitter wissen, und sich erst recht nicht für ihn interessieren." Die Assoziation mit Kindesmissbrauch sei in Amerika also nicht so präsent wie in Europa. Der Song sei dort zudem als Anheiz-Musik vor Sportveranstaltungen bekannt. Dennoch durchlaufen die Songs für Film-Soundtracks zahlreiche Genehmigungsschleifen – irgendjemand hätte einen Backgroundcheck machen und sein Veto einlegen müssen. Das blieb offenbar aus.

Ein Verantwortlicher muss geschlampt haben

Und darüber hinaus ist es kein besonders einzigartiger Song. Die Verantwortlichen hätten die Wahl aus zahllosen Glam-Rock-Stücken gehabt – und es hätte dem Film vermutlich künstlerisch nicht geschadet, hätten sie ein anderes Lied gewählt. Das hätte auch verhindert, dass viele Fans, die den Film eigentlich sehr gerne sehen wollen, nicht doch zuhause geblieben wären – weil sie mit dem Geld für ihr Kinoticket nicht die Tantiemen für einen Sexualstraftäter mitbezahlen wollen.

Quelle: "Guardian"

Mehr auf MSN

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige

mehr von stern

| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon