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Keine Chance für "Doctor Strange 2": "Spider-Man: No Way Home" ist einfach der bessere Multiversums-Film!

Filmstarts-Logo Filmstarts 14.05.2022 Julius Vietzen
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+++ Meinung +++

Das MCU erweist sich aktuell mal wieder als Trendsetter: Nachdem im Fahrwasser von „The Avengers“ alle Hollywood-Studios verzweifelt versuchten, ihre eigenen Kino-Universen auf die Beine stellten (und mit wenigen Ausnahmen kläglich scheiterten), hat „Spider-Man: No Way Home“ den nächsten großen Hollywood-Trend massiv befeuert: die sogenannten Legacy-Sequels.

„No Way Home“ brachte die vorherigen Spider-Man-Darsteller Tobey Maguire und Andrew Garfield zurück, deren letzte Auftritte 13 beziehungsweise sieben Jahre zurücklagen und daher so langsam mit wohlig-nostalgischem Blick betrachtet werden – und traf damit genau den Nerv der Zeit und des Publikums.

Angesichts eines weltweiten Einspielergebnisses von 1,89 Milliarden Dollar würde es mich nicht wundern, wenn man in Hollywood nun bereits fieberhaft überlegt, welche Darsteller*innen und Filmreihen aus den letzten Jahren man nun in ähnlicher Form zurückbringen könnte. Vorerst haben aber MCU-Mastermind Kevin Feige und Co. selbst nachgelegt – und zwar mit „Doctor Strange In The Multiverse Of Madness“.

Vor Kinostart schien „Doctor Strange 2“ das Potenzial zu haben, „Spider-Man: No Way Home“ in Sachen Gastauftritte und schierem Multiversums-Wahnsinn sogar noch zu übertreffen. Nachdem der Film nun aber in den Kinos gestartet ist, steht für mich fest: „Doctor Strange 2“ kommt wenigstens in dieser Hinsicht nicht an „No Way Home“ ran.

"Spider-Man: No Way Home" macht es richtig

Und der Grund dafür liegt auf der Hand: In „Spider-Man: No Way Home“ sind die beiden alten Spideys nicht nur reiner Fanservice, sondern essentieller Teil der Handlung. Sie helfen dem MCU-Spider-Man (Tom Holland), als er nach dem Tod von Tante May (Marisa Tomei) am tiefsten Punkt angelangt ist und stehen ihrem Kollegen auch beim großen Finale mit Rat und Tat zur Seite.

Und noch viel wichtiger: „Spider-Man: No Way Home“ ermöglicht den bekannten und beliebten Figuren auch noch einen emotionalen Abschluss, den man kaum noch für möglich gehalten hatte, weil sowohl die „Spider-Man“- als auch die „The Amazing Spider-Man“-Reihe abgebrochen wurden, bevor sie ganz auserzählt waren.

In einem der schönsten und berührendsten Momente in „No Way Home“ darf so etwa der Andrew-Garfield-Spidey die MCU-MJ (Zendaya) retten und damit wenigstens ein Stück weit das Trauma überwinden, das er seit dem Tod seiner Gwen (Emma Stone) mit sich herumschleppt.

"Doctor Strange 2" macht es falsch

In „Doctor Strange And The Multiverse Of Madness“ bleiben die Gastauftritte hingegen bloßes Beiwerk und noch viel schlimmer: Sie bremsen die Handlung des Films eigentlich sogar aus und verpuffen größtenteils wirkungslos.

Das liegt zu einem gewissen Teil wohl daran, dass die fünf zentralen Gastauftritte in „Doctor Strange 2“ für einen Großteil des Publikums nicht dieselbe Bedeutung haben: Klar, Patrick Stewart als Professor X kennen so gut wie alle und selbst Reed Richards von den Fantastic Four dürfte vielen noch was sagen (auch wenn er bislang nicht von John Krasinski gespielt wurde).

© Marvel Studios / Chuck Zlotnick

Aber so ungerecht das gegenüber der großartigen Lashana Lynch ist, befürchte ich, dass sich nur wenige an ihren Auftritt in „Captain Marvel“ erinnern werden. Und auch Hayley Atwell hat als Peggy Carter nie denselben Eindruck hinterlassen wie Andrew Garfield oder Tobey Maguire. Mal ganz abgesehen von Anson Mounts Comeback als Black Bolt aus der zu Recht vergessenen „Inhumans“-Serie, das sich wirklich ausschließlich an Marvel-Nerds richtet.

Trotzdem hätten mehr oder prominentere Cameos in „Doctor Strange 2“ auch nichts am grundlegenden Problem geändert, im Gegenteil. Ich vermute, dass der Fluss des Films noch mehr gelitten hätte, wenn auch noch Tom Cruise als Superior Iron Man oder Ryan Reynolds als Deadpool aufgetaucht wären, von deren Auftritten viele Fans bis zuletzt überzeugt waren.

Das große Problem mit den Illuminati in "Doctor Strange 2"

Das Problem ist nämlich, dass Patrick Stewarts Rückkehr als Charles Xavier oder John Krasinskis Debüt als Reed Richards in der von mir besuchen Vorführung von „Doctor Strange 2“ zwar durchaus für ein merkliches Raunen im Saal sorgten. Doch ebenso schnell wie sie auftauchen, verschwinden sie halt auch wieder, weil sie getötet werden. Sie sind ausschließlich Fanservice und haben keinerlei Bedeutung für die weitere Handlung.

Der große Kampf der Illuminati gegen Wanda (Elizabeth Olsen) bietet so zwar ordentliches Superhelden-Spektakel und einige denkwürdige Todesszenen, lässt allerdings sogar mich als großen Marvel-Fan fast komplett kalt, weil ich zu keiner der Figuren eine wirkliche Verbindung habe.

Natürlich ist es unfair, den Tod von Reed Richards und Co. mit den ungleich wirkungsvolleren Opfern von Iron Man (Robert Downey Jr.) oder Black Widow (Scarlett Johansson) in „Avengers: Endgame“ zu vergleichen, doch daran muss sich die Szene nun mal messen lassen.

Und es hätte ja schon gereicht, wenn die Illuminati wenigstens für eine Weile auch wirklich Teil der Handlung gewesen wären, damit man eine emotionale Verbindung zu ihnen aufbauen kann, anstatt dass sie nach ihrem Debüt direkt niedergemetzelt werden.

Was "Doctor Strange 2" besser macht als "No Way Home"

In dieser Hinsicht schaffen es Kevin Feige und die Verantwortlichen hinter „Doctor Strange 2“ also nicht, das Potenzial des Multiversums auszuschöpfen – fast fühlen sich die Gastauftritte sogar wie eine Pflichtübung an, während der eigentliche erzählerische Fokus des Films auf den Hauptfiguren Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) und Wanda liegt. Und genau dort sollte er auch liegen.

Feige und Co. nutzen das Multiversums-Konzept und die verschiedene Varianten dieser Figuren nämlich, um das Thema der Versuchung großer Kräfte und den verantwortlichen Umgang damit sehr wirkungsvoll durchzuspielen (so viel hier nur in aller Kürze, das wäre ein Thema für einen gesonderten Artikel).

Und weil Sam Raimi als Regisseur eine echte Bereicherung für das MCU ist und so unfassbar viel Flair, Schwung und Stilwillen mitbringt, wirkt der solide inszenierte „No Way Home“ (und viele andere MCU-Filme) daneben echt blass und bieder. Zumindest erzählerisch und inszenatorisch finde ich „Doctor Strange 2“ also sogar gelungener als „No Way Home“ – schade, dass man nicht noch mehr aus der Multiversums-Prämisse rausgeholt hat.

"Doctor Strange 2" im Podcast

Wenn ihr an weiteren Meinungen zu „Doctor Strange 2“ aus der FILMSTARTS-Redaktion interessiert seid, empfehlen wir euch außerdem unsere Leinwandliebe-Folge zum Film. Im Podcast diskutieren Moderator Sebastian und seine Gäste Björn und Christoph durchaus kontrovers:

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