Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Dave Gahan: Revolution entsteht im Gewissen

KURIER-Logo KURIER 20.03.2017 Brigitte Schokarth

Der Sänger von Depeche-Mode spricht über Wien, Trump und sein Verhältnis zu Martin Gore.

"Geht es um Geister? Nein, es geht um die Seele, die in uns steckt. Insofern ist es ein geheimnisvolles Wort."

Dave Gahan spricht von "Spirit", dem 14. Studio-Album seiner Band Depeche Mode. Wegen seiner Mehrdeutigkeit habe der Begriff als Titel dafür gepasst, erklärt er im KURIER-Gespräch. "Es geht in dem Album darum, wie wir diesen menschlichen Geist verlieren – die Güte, die Fürsorge, das Erkennen, dass jemand Hilfe braucht und diese Hilfe dann zu geben. Natürlich gibt es genug Leute, die immer noch und sehr, sehr hart daran arbeiten, Hilfe zu geben. Aber gleichzeitig behaupten sich immer stärker Leute, die sagen: ,Vergiss all das, ich will Macht!’ Zumindest in Amerika, wo ich lebe, fühlt es sich so an. Musik zu machen ist etwas sehr Persönliches. Und manchmal geht es gar nicht anders, als dabei davon beeinflusst sein, was im Außen vorgeht."

Musikalisch werden die neuen Texte über Drohnen-Angriffe, Fake-News, die Distanz zu Gefühl und Gewissen von kantigen, düsteren Sounds begleitet. Mit sparsamer Instrumentierung und verzerrter, metallischer Elektronik zeichnen Depeche Mode ein Bild der Welt – eindringlich, aber hoffnungslos.

Dave Gahan, 54, beim Album-Launch-Konzert in Berlin. © APA/dpa/Soeren Stache Dave Gahan, 54, beim Album-Launch-Konzert in Berlin.

Kontrolle

"Where’s The Revolution" fragte Gahan daher schon in der Vorabsingle. Wo glaubt er, wird sie herkommen?

"Sie muss daher kommen, dass wir wieder auf unsere innere Stimme hören, die sagt, was richtig und was falsch ist. Ich meine, zu diesem Zeitpunkt sollte doch schon jeder mitgekriegt haben, dass es keine gute Idee ist, Mauern zu bauen und eine ganze Gruppen von Leuten auszusperren, weil das nur zu mehr Hass und mehr Gewalt führt. Für mich ist das der Punkt, wo Revolution beginnt. Denn klar, im großen Zusammenhang haben wir wenig Kontrolle über das, was Regierungen in unserem Namen machen."

Einige Male schon, sagt Gahan, habe er zuhause in New York an Anti-Trump-Demonstrationen teilgenommen. Aber es gehe nicht nur um den Präsidenten, sondern um Berater, die die Fäden ziehen. Es sei verrückt, dass Politiker in den USA darüber diskutieren, welche Toiletten Transsexuelle benützen dürfen, wenn es Probleme wie Armut, Rassismus und Klimawandel zu lösen gebe: "Denen geht es immer nur um das Business, um Geld und um Macht. Deshalb muss man seine Stimme erheben. Musik ist ein gutes Mittel dafür."

Drei der neuen Songs, (darunter den besten Track "Cover Me") hat Gahan unter anderen mit dem österreichischen Tour-Drummer Christian Eigner geschrieben. Einen weiteren mit Multiinstrumentalist Martin Gore.

Musikalisch versteht er sich mit Gore jetzt besser denn je. Sie haben gelernt, die Stärken und Schwächen im Anderen anzuerkennen und gegenseitig das Beste aus dem Anderen herauszuholen. Die Ambition, gleichviele Songs wie Gore auf einem Depeche-Mode-Album zu haben, hat Gahan aber auf Eis gelegt.

Machtkampf

"Das ist keine Option. Martin verdient es – und es ist ihm sehr, sehr wichtig, dass er den Hauptanteil der Songs schreibt. Er sieht sich in der Rolle des Songwriters und mich in der des Typen, der vor euch steht und sie euch verkauft. Er freut sich, mir ein paar Schreiber-Momente zu erlauben, aber nicht mehr. So gibt es da definitiv einen Machtkampf zwischen uns. Aber – zumindest im Moment – ist es entscheidend für ihn, dass es so bleibt."

Den hervorragenden Ruf, den Depeche Mode heute als führende Live-Band der Rock-Szene genießen, nachdem sie Anfang der 80er-Jahre als Synthie-Pop-Act für Teenies bekannt wurden, bestätigte das Album-Launch-Konzert in Berlin. Auf der Bühne bekommen die Songs von "Spirit" eine faszinierende, fast apokalyptische Anmutung. Und Gahan ist ohnehin einer der besten Frontmänner.

Auf diese Live-Stärke von Depeche Mode führt der 54-Jährige es zurück, dass seine Band mit Musik fernab des Mainstreams zu einem Massenphänomen werden konnte: "Die Leute wissen, wenn sie zu einer unserer Shows kommen, werden sie mit dem Gefühl gehen, ein Erlebnis gehabt zu haben. Da lege ich all meinen Stolz hinein. Es ist mir extrem wichtig, in meiner Performance viel von mir zu geben. Das ist zwar anstrengend, aber es ist auch lohnend. Denn auch wenn die Musik manchmal düster ist, macht sie den Leuten dann viel Freude."

Noch ist kein Österreich-Konzert von Depeche Mode angekündigt. Aber das kommt noch: "Ich hatte in Wien ein paar großartige Momente", sagt Gahan. "Meine Tour zum Solo-Album ,Paper Monsters’ haben wir dort begonnen. Dafür haben wir dort geprobt und waren länger dort. Es war Sommer, und ich erinnere mich, dass neben unserem Hotel eine Brücke war, von der Leute in den kalten Fluss gesprungen sind. Und wir sind mit ihnen gesprungen."

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von KURIER

| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon