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Dieses Video verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Türkei

WELT-Logo WELT vor 6 Tagen
Der in Berlin geborene Rapper Fuat Ergin machte bei dem Rap-Video mit Quelle: dpa/Burak Bulut Yilidrim © dpa/Burak Bulut Yilidrim Der in Berlin geborene Rapper Fuat Ergin machte bei dem Rap-Video mit Quelle: dpa/Burak Bulut Yilidrim

Ein Rap-Video mit dem Titel „Ich kann nicht schweigen“ sorgt in der Türkei für großes Aufsehen. Rund 17 Millionen Nutzer riefen den Song innerhalb von fünf Tagen bei Youtube auf. „Das ganze Projekt hat sich zu einem Sprachrohr für die Menschen im Land entwickelt. Die Leute haben die Schnauze voll“, sagte der in Berlin geborene Rapper Fuat Ergin (46) – der an dem Projekt beteiligt war – am Dienstag. Regierungsnahe Medien kritisierten das Video scharf.

Der 15-minütige Song „Susamam“ war in der vergangenen Woche veröffentlicht worden. 18 Musiker um den Rapper Saniser singen über verschiedene Themen. Es geht um Morde an Frauen, Umweltzerstörung, aber auch um Missstände in der Politik.

Das Video wurde zur Sensation, denn in der türkischen Gesellschaft trauen sich aus Angst vor Strafverfolgung nur noch wenige, Missstände anzuprangern. Zeilen wie: „Wenn sie Dich eines Nachts zu Unrecht holen, dann kannst Du noch nicht mal einen Journalisten finden, der darüber schreibt. Sie sitzen alle im Knast!“, wurden in den sozialen Medien vielfach geteilt. Die Musiker sehen aber auch die Türken selbst in der Verantwortung. Saniser rappt an einer Stelle: „Du hast Deine Stimme nicht erhoben, also bist Du schuld!“

Direkten Bezug auf die Regierung nehmen die Musiker nicht. Die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ griff sie am Wochenende dennoch an und bezeichnete das Video der „sogenannten Künstler“ als „Gemeinschaftsproduktion“ der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Gülen-Bewegung, die beide als Terrororganisation eingestuft sind.

Ziel sei nicht gewesen, die Regierung zu kritisieren, sondern vielmehr das Bewusstsein für „Brennpunkte“ in der türkischen Gesellschaft und auf der Welt zu schärfen, sagte Fuat Ergin. „Die Themen, die wir angesprochen haben, sind global.“ Die Menschen in der Türkei hätten lange geschwiegen.

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