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Berlinale 2020 – Tickets, Programm, Stars: Das müssen Sie über die Berliner Filmfestspiele wissen

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel vor 3 Tagen Christiane Peitz

Die erste Berlinale ohne Kosslick: Hier finden Sie alles Wissenswerte zu den Neuheiten dieses Jahres, den Filmen, den Spielstätten – und unsere Geheimtipps.

Neuer Look: Die Berlinale-Plakate kommen grafisch schlicht daher, doch viele vermissen die Bären-Motive. © Foto: Wolfgang Kumm/dpa Neuer Look: Die Berlinale-Plakate kommen grafisch schlicht daher, doch viele vermissen die Bären-Motive.

Nur noch wenige Tage bis zum Start der 70. Berlinale, der ersten mit der neuen Doppelspitze Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Das Programm mit allen Terminen ist da. Es ist auf www.berlinale.de online verfügbar – hier kommen Sie direkt zur Programmübersicht.

Also nichts wie los mit der Favoritenplanung! Sie brauchen Hilfe? In diesem Artikel finden Sie alles Wissenswerte über die Veränderungen beim Festival, die Spielstätten, den Vorverkauf und die einzelnen Sektionen und ihre Filmhighlights.

Ab dem Eröffnungstag am 20. Februar berichten wir täglich auf vielen Kanälen: Online mit Newsblog, Bildergalerien und Rezensionen, in der Zeitung mit mehreren Extraseiten – über das Festival, die Bilder auf den Leinwänden, die Menschen dahinter und davor. Unser Kritiker-Ranking zu den 18 Wettbewerbskandidaten (Bären-Gala ist am 29. Februar) finden Sie ebenso wie die tägliche Filmfest-Kolumne von Robert Ide auf Seite Eins der Zeitung und auch hier auf Tagesspiegel.de.

Was hat die neue Doppelspitze am Programm verändert?

Die Kategorie „Außer Konkurrenz“ ist abgeschafft, Glamourfilme laufen jetzt als Special Galas. Auch das „Kulinarische Kino“ gibt es nicht mehr, ebenso die „Native“-Reihe.

Dafür hat Carlo Chatrian als neuer künstlerischer Leiter einen zweiten Wettbewerb installiert, kuratiert mit seinem siebenköpfigen Auswahlteam: „Encounters“ versammelt 15 Filme mit etwas verwegenerer Ästhetik. Solche Reihen mit eigener Jury gibt es auch in Cannes und Venedig, dort heißen sie „Certain regard“ und „Orrizzonti“.

Allerdings existieren dort keine Sektionen wie das Forum und das Panorama, die ohnehin die Vielfalt des Kinos feiern. Man kann also gespannt sein, ob sich das Profil der Berlinale durch „Encounters“ schärft oder die Sektionen sich mehr Konkurrenz machen.

Was bleibt beim Alten?

Das Meiste. Der Wettbewerb mit 18 Filmen und die großen Nebenreihen, wie die Kids-Sektion „Generation“ oder die „Perspektive Deutsches Kino“. Und die Hommage für die Gewinnerin des Goldenen Ehrenbären. Letztes Jahr war es Charlotte Rampling, dieses Jahr ist's Helen Mirren – wenn das keine Kontinuität bedeutet.

Wobei nicht zehn, sondern nur fünf Filme mit der Preisträgerin gezeigt werden, schade eigentlich. Auch die Serien haben wieder eine eigene Plattform. Der Nachwuchs wird weiter im HAU bei den „Berlinale Talents“ fit gemacht, und sogar die Food Trucks gibt's noch, die Dieter Kosslick eingeführt hat. Sie sollen aber nicht mehr in der Joseph-von-Eichendorff-Gasse stehen, sondern auf der anderen Seite der Potsdamer Straße, am oder im Sony Center.

Ist das Festival „entschlackt“ worden, wie es Kritiker forderten?

Jein. Unter Kosslick zählte die Berlinale 14 Sektionen, jetzt sind es 13. Mit 340 Filmen gehen 60 Titel weniger an den Start als 2019.

Das sei nicht programmatisch zu verstehen, betont Carlo Chatrian, nächstes Jahr seien es vielleicht wieder mehr. Grund für die geringere Summe ist die weniger umfängliche King-Vidor-Retrospektive. Und weil die selbstständig agierenden Leitungen der anderen Reihen ausnahmslos leicht gestrafft haben.

Die Berlinale bleibt Teamwork, die 15 Leitungsteams sind hälftig mit Frauen besetzt. Übrigens: Von den 6813 eingereichten Filmen stammen 31 Prozent von Frauen. Bei den ausgewählten Beiträgen sind es 38, im Wettbewerb 33 Prozent - 2019 waren's 41 Prozent. Das Wichtigste: Die Berlinale bleibt ein Publikumsfestival, dazu bekennt sich die neue Doppelspitze unmissverständlich. Einschließlich des Kiez-Kino-Programms, unter anderem im City Kino Wedding, im b-ware! Ladenkino, im Xenon.

[Kultur vor der eigenen Haustür: Unsere Leute-Newsletter aus den zwölf Berliner Bezirken enthalten jede Woche auch viele Veranstaltungstipps. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Lesen Sie hier mehr über die Highlights der wichtigsten Programmreihen:

Gibt es neue Spielstätten?

Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek blieb gar nichts anderes übrig, als nach neuen Kinos zu suchen. Denn das Cinestar im Sony Center, in dem neben Panorama- und Forums-Vorführungen auch Screenings des Filmmarkts stattfanden, ist geschlossen.

Deshalb werden im Cubix am Alexanderplatz jetzt nicht nur drei Säle bespielt, sondern das ganze Haus. Problem für das schnelle Pendeln zwischen den Festivalorten: Die U2 hält Richtung Ruhleben derzeit nicht am Potsdamer Platz. Aber so ein kleiner Fußmarsch vom Mendelssohn-Bartholdy-Park zum Berlinale Palast, zum Cinemaxx oder zum Arsenal kann echte Cineasten nicht schrecken.

Auch im Haus der Kulturen der Welt wird renoviert, deshalb tummeln sich die 70.000 „Generation“-Kids unter anderem in der Urania. Die „Perspektive“ findet sich jetzt auch im International, und als Spielort wiederbelebt wird die Akademie der Künste am Hanseatenweg. Hier steigt unter anderem das Jubiläumsprogramm „On Transmission“.

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen:

Wie funktioniert der Vorverkauf ab 17. Februar?

Auf zum Ticket-Counter in den Arkaden am Potsdamer Platz. Ist allerdings ungemütlich, denn die Arkaden werden umgebaut, fast alle Läden sind derzeit geschlossen. Oder zum International. Achtung: Das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße ist keine Vorverkaufsstätte mehr. Bewohner von Charlottenburg-Wilmersdorf können sich stattdessen in die Audi City am Ku'Damm 195 begeben.

Der zentrale Vorverkauf beginnt am Montag, 17. Februar, und findet dann täglich von 10 bis 20 Uhr statt. Vorverkaufsstellen: Arkaden am Potsdamer Platz, Kino International, Karl-Marx-Allee 33, Audi City, Kurfürstendamm 195.

Karten für eine bestimmte Vorstellung gibt es jeweils drei Tage im Voraus. Eine Ausnahme: Für alle Vorführungen und Veranstaltungen im Friedrichstadt-Palast, im Hebbel am Ufer, in den Kiez-Kinos und für den Publikumstag am 1. März beginnt der Vorverkauf bereits am 17. Februar.

Bequem von zu Hause, aber ohne Berlinale-Feeling in der Kassenschlange: Eintrittskarten online kaufen. Um 10 Uhr werden täglich neue Tickets auf der Berlinale-Website zur Verfügung gestellt. Sie können als Mobile Ticket (für fast alle Vorstellungen) zugestellt oder ausgedruckt werden. Wer es online versuchen will, braucht etwas Geduld und Glück: Das digitale Ticket-Kontingent wird nicht aufgestockt.

Am Vorstellungstag gibt es Karten nur online und an den Tageskassen der Kinos – sofern noch welche verfügbar sind. Auch die an das Eventim-Netz angeschlossenen Theaterkassen verkaufen Eintrittskarten (Gebühr 2 €). Tickets kosten 13 €, außer: Wettbewerb im Berlinale Palast, Special und Special Gala, Forum Expanded (auch Ausstellung): 8 bis 16 €, Generation: 5 €, Publikumstag: 10 €. Karten für Berlinale Classics 21. Februar, 17.30 Uhr (Stummfilm mit Orchesterbegleitung): 24 €.

Was ist mit der praktischen App?

Die Programm-App gibt's nicht mehr, alle ihre Funktionen sind in die umfänglich relaunchte Webseite integriert, auf der sich auch Fotos, Videos und Livestreams finden. Auch der jetzt dort platzierte Favoriten-Festivalplaner wurde nach dem Feedback vieler Nutzer verbessert, teilt die Berlinale auf Anfrage mit.

Vorteil: Vom Festivalplan kann man direkt zu den Online-Tickets switchen.

Nachteil: Man braucht gutes W-Lan, in Berlin bekanntlich ein Problem. Wer in den Arkaden Schlange steht, hat Glück: Da gibt's einen Hotspot.

Was sollten Sie auf keinen Fall verpassen?

Tja, das fragen sich auch die Journalisten. Wir sind gespannt auf die Berlin-Geschichten im Wettbewerb: Burhan Qurbanis heutige Version von „Berlin Alexanderplatz“, Christian Petzolds „Undine“ mit Paula Beer als aquatischer Museumsführerin und Franz Rogowski sowie „Schwesterlein“ aus der Schweiz, der im Umfeld der Schaubühne spielt. Mit Lars Eidinger, Nina Hoss – und Schaubühnen-Intendant Thomas Ostermeier!

Im Panorama klingt „Exil“ vielversprechend: Das Drama über Ausländerfeindlichkeit und Mobbing mit Misel Maticevic und Sandra Hüller erhielt beim Sundance-Festival gute Kritiken. Und das Forum präsentiert zum 50. Geburtstag kein Best-of, sondern den kompletten ersten Jahrgang 1971. Darunter Werke von Angelopoulos, Kluge, von Praunheim und Helke Sander.

Präsident der siebenköpfigen Jury ist Oscar-Preisträger Jeremy Irons. Seine Wahl war umstritten, er hatte sich in der Vergangenheit sexistisch und homofeindlich geäußert – während die Filmfestspiele explizit für Toleranz und Gleichberechtigung einstehen. An seiner Seite werden drei Frauen und drei Männer über die Vergabe der Bären entscheiden – lesen Sie hier mehr über die Jury-Mitglieder.

Für Autogrammjäger: Sigourney Weaver läuft zur Eröffnung mit „My Salinger Year“ über den roten Teppich; in Sally Potters Film „The Roads Not Taken“ spielen Javier Bardem, Elle Fanning, Salma Hyek und Laura Linney mit.

Auch die Serien haben Star-Power: Cate Blanchett ist angekündigt (mit „Stateless“), Damien Chazelle zeigt als Regisseur die französische(!) Jazz-Serie „The Eddy“. Als „Special“ läuft das Vierstunden-Porträt „Hillary“ - Hillary Clinton kommt! Und wer beim Bingeviewing auf Tiefenentspannung hofft, dem sei der Achtstünder „The Works and Days (of Tayooko Shiojiri in the Shiotani Basin)“ in den „Encounters“ empfohlen. Alltag einer japanischen Bäuerin - und die Jahreszeiten kommen und gehen.

Was sind die Aufregerthemen der 70. Berlinale?

Bisher sind es drei. Alfred Bauer, der Gründungsdirektor der Festspiele, war ein ranghoher Funktionär in der Reichsfilmintendanz, wie die „Zeit“ herausgefunden hat. Eine Kinemathek-Publikation, die den Fall laut „Zeit“ etwas harmloser darstellt, wurde deshalb zurückgezogen. Auch wird der Alfred-Bauer-Preis nicht vergeben und 2021 wohl durch einen neuen Preis ersetzt.

Der Fall wirft kein gutes Licht auf die Kinemathek, die als Chef-Chronistin der Berlinale seit Jahren über Hinweise verfügt, dass Bauer auch in der SA war - und den Hinweisen lange nicht nachging. Auch der Wettbewerbsfilm „Dau. Natasha“ und der Sechsstünder „Dau. Degeneration“ in der „Special“-Reihe dürften für Adrenalinschübe sorgen.

Lesen Sie hier mehr über die Kontroverse um Alfred Bauer:

In Berlin hatte das Dau-Projekt 2018 die Gemüter erregt, als ein Straßenblock rund um die Lindenoper für die immersive Installation eingemauert werden sollte und es von den Behörden keine Genehmigung gab (Lesen Sie mehr zur Debatte um DAU hier).

Dritter Aufreger: das neue Festivaldesign. Viele finden es arg blass und vermissen die lustigen Bären-Plakate.

Müssen die Fachbesucher und Gala-Gäste sich umorientieren?

Ein bisschen. Der Adagio-Club im Untergeschoss des Berlinale Palasts wird seit Januar für die Show „Magic Mike“ genutzt. Zwar pausiert sie ab 20. Februar, aber da der Saal fest möbliert ist, können dort keine Empfänge stattfinden. Und die Garderobe im Untergeschoss ist einer Bar gewichen. Hier gab's bisher Pressematerialien und Schreibplätze, das alles findet sich nun im Atrium-Tower in der Eichhornstraße.

Am Nachhaltigkeitsgebot ändert sich nichts: Die Berlinale bleibt weitgehend papierlos. Auch die Devise Bring your own Cup gilt wieder. Und das Festival bleibt so vegetarisch wie in der Ära des Vegetariers Kosslick: Ab und zu gibt's Fisch.

Wie sieht es mit dem Budget aus?

Die Berlinale finanziert sich zu je einem Drittel aus Geldern des Bundes, den Ticket-Einnahmen und Sponsorenmitteln. Hauptpartner sind wieder L'Oréal, das ZDF und Audi.

Erneut fahren ausschließlich E-Autos vor, und die Audi-Lounge vor dem Berlinale-Palast ist wieder offen für die Filmfans. Neu dabei sind Magenta TV und RBB Media. Und wegen des 70. Geburtstags hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters 200.000 Euro extra spendiert. Insgesamt kommen diesmal 10,4 Millionen Euro aus ihrer Schatulle.

Im vergangenen Jahr wurden 487.504 Besucher gezählt. Mal sehen, wie die Bilanz 2020 ausfallen wird: Weniger Filme, das könnte auch auf weniger Ticketverkäufe hinauslaufen.

Gibt's die Berlinale-Tasche noch?

Klar, zum Jubiläum wird die Silver Edition angepriesen. Dezent im schwarzgrauen Design, mit einer silbrigen 70.

Und was macht Dieter Kosslick?

Fastet gerade und gönnt sich nach 18 Jahren eine Berlinale-Pause. Im März präsentiert er beim Filmfest Prag zum dritten Mal sein „Kulinarisches Kino“. Und er schreibt an seinen Memoiren, Veröffentlichungsdatum noch offen.

Wer ihn heftig vermisst: Am 19. Februar läuft er über den roten Teppich, um Mitternacht auf Arte, in Thomas Schadts Berlinale-2019-Film „Das Kino ist tot, es lebe das Kino“.

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