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Facebook: In geheimen Notizen plante Zuckerberg Facebooks Weltherrschaft - nun sind sie wieder aufgetaucht

stern-Logo stern vor 2 Tagen Malte Mansholt
In zahlreichen Notizbüchern schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg seine Pläne für Facebook auf © AFP/Drew Angerer In zahlreichen Notizbüchern schrieb Facebook-Chef Mark Zuckerberg seine Pläne für Facebook auf

Mark Zuckerbergs Netzwerk Facebook eroberte die Welt nicht aus Zufall. In geheimen Notizbüchern hielt er seine Pläne und Gedanken fest. Die Bücher hat er mittlerweile zerstört. Jetzt sind Seiten aus ihnen wieder aufgetaucht.

Es sind tiefe Einblicke in das Denken des Facebook-Chefs: In zahlreichen Notizbüchern schrieb Mark Zuckerberg jahrelang seine Gedanken und Pläne nieder. Dann zerstörte er die Bücher. Dem Journalist Steven Levy sind nun 17 Seiten aus einem der Bücher in die Finger gekommen. Sie erzählen viel über Zuckerbergs Gedanken zur Öffnung des Netzwerkes, zum Aufbau der Seite - und zu den Schattenprofilen.

Die Notizbücher waren früher eine Art ausgelagertes Gedächtnis für Zuckerberg, berichtet Levy. In sauberer Handschrift habe er darin Tag für Tag Gedanken sortiert, Skizzen und Pläne festgehalten. Auch seine Mitarbeiter kannten sie: Gelegentlich fanden Entwickler etwa kopierte Seiten aus dem Buch als Arbeitsanweisungen auf dem Schreibtisch.

Das Buch des Wandels

Die nun aus nicht näher beschriebener Quelle ergatterten Seiten stammen aus einem Buch, das Zuckerberg in einer prägenden Zeit für Facebook als "Buch des Wandels" betitelte. Anfang 2006 hatte die Social-Media-Seite zwar schon 7 Millionen Nutzer, die stammten aber alle noch aus US-Universitäten. Mark Zuckerberg war damals schon klar: Will man das Unternehmen vergrößern, müsste man das Netzwerk auch für Nutzer außerhalb dieser Gruppe öffnen. In seinen Notizen finden sich klare Ideen, wie er das anstellen wollte. So zeigte eine Zeichnung bereits das Fenster, in dem sich Nutzer einen Account anlegen konnten. Dabei sollten sie wählen können, ob sie aus einer Uni, einer weiterführenden Schule oder "der Welt" auf die Seite kamen.

Zuckerberg war damals durchaus bewusst, dass mit der Öffnung auch zahlreiche Fragen auf Facebook zukamen. Sollten etwa Freunde von Freunden, die in der Nähe lebten, das eigene Profil sehen können? Sollte es allen offen stehen? Den Notizen zufolge fand Zuckerberg letztere Version am spannendsten – hatte aber Skrupel. "Das würde die Seite wirklich offen machen. Aber vermutlich ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine gute Idee", schrieb er seine Bedenken nieder.

Was ist privat?

Ein wichtiger Grund dürfte sicher gewesen sein, dass die Geschlossenheit Facebooks wichtigstes Unterscheidungsmerkmal war. Während etwa Myspace jedem zur Verfügung stand, war die Mitgliedschaft bei Facebook ein wenig, wie Zugang zu einem elitären Club zu haben. Eine jedem offene Anmeldung würde viele Nutzer anlocken – aber würde sie vielleicht auch andere verprellen? In seinen Notizen stellte er sich eine entscheidende Frage: "Was gibt uns das Gefühl von Sicherheit, auch wenn es in Wirklichkeit keine gibt?" Die Wahrnehmung von Privatsphäre war demnach wichtiger als die Privatsphäre selbst, bringt Levi Zuckerbergs Gedanken auf den Punkt.

Dass sich mit dem Netzwerk auch zahlreiche Daten sammeln ließen, war Zuckerberg aber schon bei seinen Plänen im "Buch des Wandels" bewusst. Er plante Facebook als gigantische Wissenmaschine auszubauen, die quasi alle Informationen zu jedem liefern konnte.

Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Schattenprofile. So nannte man Facebook-Profile von Personen, die eigentlich keinen Account in dem Dienst haben – und über die trotzdem Daten gesammelt werden (hier erfahren Sie mehr zu ihnen). Facebook streitet die Existenz der Profile ab. Doch Zuckerberg widmete ihnen in seinem Notizbuch ganze drei von 17 Seiten, wenn auch in abgewandelter Form. Seiner Vorstellung nach sollten die Nutzer in der Lage sein, Profile für andere Personen anzulegen – und diese dann mit Informationen über sie zu befüllen, etwa mit Details aus dem Lebenslauf oder bekannten Interessen. Meldet sich die Person dann an, hat sie bereits ein existierendes "Dark Profile", das nur umgewandelt werden muss. Auf diese Art wollte Zuckerberg unentschlossene Nutzer in das Netzwerk locken.

Dass die durch andere Personen angelegten Schattenprofile in die Privatsphäre eingriffen, war ihm dabei durchaus bewusst. In den Notizen überlegt er ausdrücklich, wie sich die Idee umsetzen lasse, ohne "gruselig" zu wirken. Nachdem Zuckerberg 2018 im US-Kongress gefragt wurde, ob Facebook Schattenprofile anlegt, verneinte der Konzern das. Man sammle Daten von externen Nutzern nur für Sicherheitszwecke, erklärte der Konzern.

Gewagte Pläne

Ähnliche Skrupel wie bei den Schattenprofilen hatte Zuckerberg bei einer der größten Umbauten des Konzerns nicht. Der Newsfeed, indem sich Nachrichten, die Statusmeldungen der Freunde und vieles anderes mischen, mag uns heute längst normal vorkommen. Ende 2006 war er eine Revolution. Als Zuckerberg seine ersten Entwürfe in sein Notizbuch kritzelte, konnte er nicht ahnen, dass genau dieses Feature Facebook zu seinem gigantischen Erfolg verhelfen würde.

Denn vorher musste man noch jede Profilseite selbst aufrufen, um Statusupdates der einzelnen Nutzer abzurufen. Was Zuckerberg in seinen Plänen nicht bedacht zu haben scheint, war das gigantische Feedback, als der Newsfeed dann tatsächlich eingeführt wurde. Die Nutzer bekamen mit einem mal sämtliche Statusänderungen der anderen auf dem Silbertablet präsentiert - und sahen das zunächst als riesige Verletzung der Privatsphäre. Gleichzeitig gaben sie Facebook aber das falsche Signal - und nutzten das Netzwerk mehr denn je.

Vernichtete Notizen

Zuckerberg selbst konnte mit einem solchen Einbruch in seine Privatsphäre indes schlechter umgehen. Als er in Gerichtsverhandlungen mit Unmengen privater Chatnachrichten und Emails konfrontiert wurde, habe ihn das tief getroffen, berichtete er Levy. Danach habe er seine Bücher vernichtet. Die nun aufgetauchten Seiten seien aber echt, bestätigte der Facebook-Chef dem Journalisten höchstpersönlich. Eine Veröffentlichung verhindern wollte er nicht.

Quelle: Wired

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