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Comeback von Comedy-Duo: Erkan und Stefan sind zurück: Womit haben wir diese Bestrafung verdient?

NEON-Logo NEON 11.07.2019 René-Pascal Weiß
Am vergangenen Freitag war das Comedy-Duo Erkan und Stefan in der "NDR-Talkshow" zu Gast © Picture Alliance/Stephan Persch/ Am vergangenen Freitag war das Comedy-Duo Erkan und Stefan in der "NDR-Talkshow" zu Gast

Anmerkung der Redaktion: Bei den in diesem Artikel dargestellten Meinungen handelt es sich um die Ansichten des Autors, wie sie von unserem Partner publiziert wurden. Sie widerspiegeln nicht die Meinung von Microsoft News oder Microsoft.

Erkan und Stefan sind zurück. Nach über zehn Jahren feiert das Comedy-Duo sein Comeback. Wenn es nach unserem Autor geht, hätten sie das lieber lassen sollen. Über Abiturienten, die sich als Prolls verkleiden, will keiner mehr lachen.

Es wirkte wie ein Überbleibsel aus einer Zeit, als es noch kein Instagram, Facebook oder Youtube gab. So, als hätte man sie um die Jahrtausendwende herum eingefroren – und nun wieder aufgetaut. Diese Trainingsanzüge, die Königskette, das Handtuch um den Hals und dazu noch diese unerträglich unlustigen Sprüche ("Viel Sex, viel scharfe Bunny, viel Playstation.").

Der erste Auftritt von Erkan und Stefan in der vergangenen Woche in der "NDR-Talkshow" war eine Erinnerung an ein altes Kapitel der deutschen Comedy-Geschichte. Eines, das eigentlich schon geschlossen schien – nun aber eine Fortsetzung bekommt. Das Comedy-Duo – zumindest werden sie von vielen Medien so betitelt – meldete sich mit diesem TV-Auftritt nach über zehn Jahren zurück, um ihre Live-Tournee im Herbst zu bewerben. Dabei demonstrierten sie mal wieder, wie unfassbar unlustig sie sind.

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Erkan und Stefan – erfolgreiches Niveaulimbo

Doch bevor sich die ganz Jungen unter uns fragen, wer diese zwei Versicherungsmakler mit den peinlichen Klamotten sind, eine kurze Vorstellung: "Erkan und Stefan" ist der klägliche Versuch von zwei deutschen Komikern, Menschen aus Problemvierteln zu parodieren – wobei das Wort Parodie in diesem Zusammenhang wohl als Paradoxon verstanden werden muss. Mit einer komisch-satirischen Nachahmung haben "Erkan und Stefan" wenig zu tun.

Das Duo basiert auf völlig absurden Stereotypen. Dabei entsteht ein Menschenschlag, den es nie gegeben hat: Ein Schulhof-Assi, wie ihn sich Gymnasiasten und weiße Menschen aus der Mittel- und Oberschicht vorstellen. Aber was erwartet man auch anderes von zwei Menschen, die eigentlich John Friedmann (Erkan) und Florian Simbeck (Stefan) heißen – und im beschaulichen Ingolstadt aufgewachsen sind?

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Was sich aus heutiger Sicht völlig absurd anhört, war fürs Publikum damals wie ein arbeitsloser Schauspieler. Es spielte keine Rolle. (Höhö.) Dass Witz-Dialoge in einem nachgeäfften, gebrochenem Ausländer-Deutsch politisch nicht korrekt, herablassend und arrogant gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund und/oder aus sozial schwächeren Schichten sind, war völlig egal. Ganz im Gegenteil, die Menschen nahmen Friedmann den Türken ab. Schließlich hatte er dunkle Haare, kratzte sich häufig am Sack, rollte das R und machte in jedem Satz mindestens zwei Grammatikfehler. Die Figur Erkan stellte aus der Sicht von vielen den "Quotentürken" dar – und das ziemlich erfolgreich: Ende der 90er- bis Anfang der 2000er-Jahre füllten Erkan und Stefan ganze Hallen mit ihren Touren, drehten drei Kinofilme und waren regelmäßig zu Gast in Fernsehsendungen wie "TV Total" oder "Wetten, dass ..?".

Es fehlt vor allem an Augenhöhe

Der Erfolg gab Simbeck und Friedmann sozusagen Recht. Ihr eigensinniger Humor und die Mischung aus "Kanak-Sprak", Bayrisch und US-amerikanischem Slang fand ein großes Publikum. Als sie nun am vergangenen Freitag ihr Comeback bei Barbara Schöneberger in der "NDR-Talkshow" feierten, gaben sie sich genau so, wie man sie kannte.

Auf die Frage, was er die letzten Jahre so gemacht habe, antwortete Stefan: "Ich habe ein asoziales Jahr eingelegt. Das sollte jeder Bürger gemacht haben." Eine Antwort, so lustig wie der Tod. Auch Erkan machte es kein Deut besser. Er ist tatsächlich überzeugt: "Die Welt ist so krass geworden, dass sie wieder reif ist für uns."

Aber schon in dieser kurzen Episode fällt auf, wie sehr ihre beiden Charaktere und die Art des Humors aus der Zeit gefallen sind. Es ist kein neuer Angang, keine Anpassungsfähigkeit zu sehen. Dabei zeigen Formate wie "Rebell Comedy" oder die Youtuber "Ost-Boys", dass Straßenhumor auch authentisch und lustig sein kann. Natürlich wird dort auch mit Klischees gearbeitet. Allerdings passiert das auf Augenhöhe.

Wie sagte es Harald Schmidt einmal? Er suche sich seine Opfer "in der Gehaltsklasse von 10.000 Euro an aufwärts" aus. Damit meinte er, dass er nur Witze über Menschen macht, die sich wehren können – beziehungsweise sich ihr Leben in der Öffentlichkeit ausgesucht haben. Das kriegen Erkan und Stefan nicht hin, wie sie nun abermals unter Beweis gestellt haben. Und genau aus diesem Grund sollten Friedmann und Simbeck das wieder tun, was auch immer sie in den vergangenen zehn Jahren gemacht haben – bloß keine Comedy.

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