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Gleich zu Beginn verpasst Schöneberger Stefan Raab einen Seitenhieb

WELT-Logo WELT 17.05.2020
„The winner takes it all, der Raab is standing small", sang Barbara Schöneberger zu Beginn des ESC Quelle: ARD (Screenshot) © ARD (Screenshot) „The winner takes it all, der Raab is standing small", sang Barbara Schöneberger zu Beginn des ESC Quelle: ARD (Screenshot)

Sie sind nur der „Sieger der Herzen“ in Deutschland, doch The Roop aus Litauen wären auch würdige Sieger des wegen der Corona-Krise abgesagten Eurovision Song Contest (ESC) gewesen. Die minimalistische Band um den schmächtigen Sänger Vaidotas Valiukevičius verhalf der ARD Samstagabend qualitativ zum Sieg über Stefan Raab. Denn während die ARD mit Barbara Schöneberger echtes ESC-Gefühl brachte, zeigte Raab einen albernen ESC-Abklatsch.

Als sich kurz nach der Absage des ESC-Finales in Rotterdam Stefan Raab zu Wort meldete und einen neuen Wettbewerb namens „FreeESC“ ankündigte, wirkten die Verantwortlichen in der ARD zunächst wie in Schockstarre. Doch davon haben sie sich schnell erholt, was zu einer harten Konkurrenz führte: Hier der beim jungen Publikum beliebte Raab mit seinem neuen Wettbewerb auf ProSieben, dort ein eigenes deutsches ESC-Finale mit den echten ESC-Teilnehmern im Ersten.

Gewinner im deutsche ESC-Finale 2020 der ARD: die Band The Roop für Litauen Quelle: pa/dpa/Jurga Urbonaite © pa/dpa/Jurga Urbonaite Gewinner im deutsche ESC-Finale 2020 der ARD: die Band The Roop für Litauen Quelle: pa/dpa/Jurga Urbonaite

Den Vorteil, Länder zu zeigen, die auch wirklich in Rotterdam auf der Bühne gestanden hätten, spielte ARD-Moderatorin Barbara Schöneberger genüsslich aus. In ihrem gesungenen Begrüßungs-Medley verpasste sie ihrem Konkurrenten mit Hilfe von Abba einen Seitenhieb: „The winner takes it all, der Raab is standing small, wir sind das Original, der ESC genial.“

Dies zeigten dann auch die zehn Teilnehmer des deutschen Finales: Die coolen The Roop aus Litauen, Island mit seinem 2,08 Meter großen Sänger, Texter und Komponisten Daoi Freyr Petursson und dem lässigen „Think about things“ oder das dänische Duo Ben & Tan legten in der Elbphilharmonie starke Auftritte hin, sie hätten auch in Rotterdam bei einem echten Finale vermutlich gut gepunktet.

Es wirkte da nicht nur wie Lobhudelei für das eigene Produkt, als Schöneberger über die Teilnehmer sagte, „das ist ein starker Jahrgang“ und ihr der seit Ewigkeiten den Wettbewerb kommentierende Peter Urban mit den Worten „wirklich ein starker Jahrgang“ beisprang.

Dagegen wirkte das, was ProSieben zeigte, trotz vieler Originalbestandteile wie eine ziemlich müde ESC-Kopie. Denn trotz verschiedener Teilnehmerländer und Jurys in verschiedenen Ländern tat Raab als Produzent lediglich so, als veranstalte er einen internationalen Wettbewerb. 

Tatsächlich traten fast ausschließlich in Deutschland beheimatete Künstler auf, die irgendwelche familiäre Verbindungen zu den Ländern haben, für die sie starteten – die Juroren waren ähnlich ausgewählt. So durfte der deutsche Fußballer Lukas Podolski aus der Türkei, wo er derzeit spielt, für sein Geburtsland Polen Punkte vergeben.

Gewinner beim «Free European Song Contest»: Nico Santos, der für Spanien antrat Quelle: pa/dpa/Willi Weber © pa/dpa/Willi Weber Gewinner beim «Free European Song Contest»: Nico Santos, der für Spanien antrat Quelle: pa/dpa/Willi Weber

Bei den Musikern gewann der gebürtige Bremer Nico Santos für Spanien – immerhin ist der Sänger auf Mallorca aufgewachsen. Völlig daneben wirkte der Start von Sarah Lombardi: Bei ihr gibt es mütterlicherseits Verbindungen nach Italien – sie sang aber einen spanischen Titel mit deutschem Text für Italien.

Aber vermutlich verstand Raab seinen neuen Wettbewerb von Anfang an als Karrikatur des Originals. So kam kurzfristig ein neues „Land“ dazu, nämlich der Mond, vertreten durch einen anonym gebliebenen Astronaut. Womöglich ein Gag darüber, dass der ESC Australien als Teilnehmer zulässt.

Auch der deutsche Beitrag fiel in die Kategorie Gag: Seit Tagen hofften Fans, dass der 2015 vom Bildschirm abgetretene Raab für Deutschland antritt. Doch außer zu Beginn in einer Coverversion von Nicoles „Ein bisschen Frieden“ ließ der 53-Jährige sich nicht blicken. 

Dafür schickte er Helge Schneider mit einer Satire zur Corona-Krise ins Rennen: „Forever at home“ – „für immer drinnen“. Als nach der Zeile „ich spiele mit mir selber Schach und gewinne immer“ die vom originalen ESC bekannten Windmaschinen die Haarpracht von Helge Schneider durcheinander wirbelten, war klar, dass der „FreeESC“ offenbar nichts anderes als eine Persiflage sein sollte.

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