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Null Punkte aus Europa: Debakel für Deutschland beim Eurovision Song Contest

teleschau-Logo teleschau 19.05.2019 Simone Deckner

Germany, zero points: Nach dem guten Abschneiden von Michael Schulte im vergangenen Jahr ist Deutschland mit einem 24. Platz in Tel Aviv wieder im ESC-Keller angekommen. Duncan Laurence aus den Niederlanden holte den Sieg mit seiner Piano-Ballade. Eine Aktion der Isländer sorgte für Aufregung.

Es war das israelische Supermodel Bar Refaeli, das professionell lächelnd die letzten, vagen Hoffnungen des deutschen Duos S!sters zerstörte: "Sorry, Germany", sprach die Schönheit, die als eine von vier Moderatoren durch den Eurovision Song Contest n Tel Aviv führte - dann kam es ganz dicke: Null Punkte. Nichts. Keinen einzigen Punkt. Die Publikumsjury, also Millionen von Fernsehzuschauern, hatte gesprochen. Und das deutlich: Keine Geschwisterliebe für Carlotta und Laurita und ihren Song "Sister".

Andere Frauen trugen Jacken mit Ärmeln aus Plastikfolie oder knödelten sich wie Kermit der Frosch durch ihre theatralischen Stücke - geschenkt: Nichts war dem Publikum so egal wie der deutsche Beitrag zum 64. ESC in Tel Aviv. ARD-Kommentator Peter Urban verstand die schöne, bunte Eurovisionwelt nicht mehr: "Unbegreiflich", suchte er nach einer Erklärung und ignorierte damit sowohl Buchmacher als auch Jury-Voting: Bei beiden lag das deutsche Duo weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen.

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Dank der immerhin noch etwas besseren Jurywertung landeten die S!sters am Ende auf Platz 24. Aber immerhin: Ihre "erfolgreiche Vergangenheit als Kinderstars" (Peter Urban) kann ihnen keiner nehmen. Für die meisten Zuschauer gilt wohl: Vorher nie gehört, jetzt auch keine gesteigerte Lust bekommen, noch mal damit anzufangen.

Niederlande gewannen im Endspurt

Dass der haushohe Favorit aus den Niederlanden, Duncan Laurence, siegen würde, konnte man bis kurz vor Schluss allerdings nicht ahnen. Schuld daran war das Auszählungssystem, das mehr verwirrte als einleuchtete: Die Stimmen von Jury und Publikum zählen jeweils 50 Prozent. War nach der Jurywertung noch die Kandidatin aus Nordmazedonien mit ihrer dramatischen Ballade Favoritin, rüttelten die Stimmen des Publikums - von null bis 291 Punkten? Wieso, weshalb, warum? - alles noch einmal kräftig durch. Am Ende verwies Laurence mit seiner Coldplay-Gedächtnisnummer den coolen Italiener Mahmood und den überambitionierten Russen Sergey Lazarev auf die Plätze.

Schräge Auftritte und schräge Töne

Den auffälligsten Auftritt in einem leider überraschend blassen und braven ESC-Jahrgang 2019 legten die Kandidatin aus Australien hin: Sängerin Kate Miller-Heidke sah mit ihrem Kopfschmuck aus, als sei sie die kleine Schwester der Freiheitsstatue, Die ausgebildete Opernsängerin performte ihren an Kate Bush erinnernden Song "Zero Gravity" auch schwebend an einer Art wackelndem Riesenseil - hinter ihr Bilder direkt aus der Milchstraße. Alles sehr abgespaced. "Ein Wahnsinn", lobte auch Kommentator Urban die Show. Am Ende gab es dafür immerhin Platz neun.

"Vielleicht schicken sie die Kinder zum Getränke holen", hatte Kommentator Urban die Zuschauer vor dem Auftritt der isländischen Kandidaten gewarnt. In bester Sado-Maso-Ausstattung (Leder, Ketten, Lack) forderten Hatari Toleranz für Außenseiter ein, dazu loderte hinter ihnen bedrohlich ein virtuelles Feuer: Rocky Horror Picture Show für die Generation Tinder. Später sorgten die Isländer beim Voting für Aufruhr, als sie Schals, auf denen "Palästina" gedruckt war, wortlos in die Kameras hielten - das Publikum in Tel Aviv reagierte darauf mit lauten Pfiffen.

Im Vorfeld hatte Stargast Madonna für den größten Wirbel gesorgt. Bei den Proben hatte sie alle Menschen der Halle verwiesen, niemand sollte sehen, was die Queen of Pop für ihren Auftritt plante. Dann stand sie auf einmal da: wie Jack Sparrow, mit Augenklappe, warum, war nicht wirklich ersichtlich. Derart ausgestattet sang die mittlerweile 60-Jährige einstige Skandalqueen zunächst ihren Hit "Like A Prayer". Unterstützt wurde sie dabei von sakral anmutenden Kapuzenmännern.

Dass Madonna live sang, war dabei nicht unbedingt zu ihrem Vorteil. "Auch Weltstars müssen mit solchen Situationen kämpfen", versuchte Peter Urban sich in einer Rettung der schiefen Töne, die Urteile auf Twitter waren weit weniger gnädig. Bei einem neuen Song half dann ordentlich Autotune fürs Stimmvolumen. In einem seltsam statischen Interview hatte Madonna sich zuvor schon zu so bahnbrechenden Aussagen wie "You are all winners!" hinreißen lassen. Früher war mehr Unerwartetes.

Alte ESC-Helden reißen es raus

Weitaus überzeugender geriet dagegen die Pauseneinlage von fünf ehemaligen ESC-Gewinnern, die gegenseitig ihre Songs coverten. Dabei gab es ein Wiedersehen unter anderem mit Conchita Wurst und dem ukrainischen Sänger Verka Serduchka - unvergessen, wie er 2007 den ESC als wandelnde Discokugel rockte. Seine Version von Nettas letztjährigem Siegersong "Toy" hatte mehr Schmackes als ein Großteil dessen, was von den Kandidaten beim diesjährigen ESC geboten wurde. Im nächsten Jahr sollte es wieder mehr Lametta geben.

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