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Energie im Eigenanbau: Dorf in Belgien probiert es aus

Das Dorf Oud-Heverlee am Rande der flämischen Universitätsstadt Leuven ist energietechnisch nicht sehr gut versorgt. Ein Pilotprojekt zur kommunalen Energiegewinnung soll das jetzt ändern. Das Herzstück des Projekts liegt im Haus der Ingenieurin und Unternehmerin Leen Peeters. Sie versucht, die technologischen Lösungen für Produktion, Speicherung und Vertrieb von nachhaltiger Energie zusammenzubringen, mit dem Ziel einer sowohl verlässlichen als auch klimaneutralen Versorgung: "Wasch- und Spülmaschinen verbrauchen mittlerweile nicht mehr viel Energie und bereiten uns keine Probleme. Schwieriger ist es etwa bei Wärmepumpen, Schwimmbadheizungen und beim Aufladen von Elektroautos. Das sind die wichtigen Herausforderungen." Das Ziel ist eine Reduktion von 25% bei den Heizungskosten und 60% des Stromverbrauchs. Erreicht werden soll es mit einer Kombination aus hybriden Solanlagen, Brennstoffzellen, thermischer Speicherung, Wärmepumpen und Batterien. Darüberhinaus soll Strom für das nationale Netz produziert werden - aber dazu haben in Belgien bisher nur die Stromkonzerne eine Lizenz. Die Juristin Hilde Derde befasst sich den rechtlichen Aspekten des Projekts: "Wir werden Stromproduzenten sein, wir werden Strom liefern und austauschen. Die Frage ist, wie wir das tun können, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Ein wichtiger Aspekt sind die Gebühren für die Netzbetreiber." Oud-Heverlee ist, neben Projekten in Italien, Spanien, Israel und Indien, Teil des Konsortiums MUSE GRIDS, das mit 7,4 Millionen Euro vom EU-Forschungsprogramm Horizon2020 gefördert wird. Vor einem halben Jahr begonnen, läuft MUSE GRIDS bis zum Herbst 2022. Die Rolle von Regierungen und der Energiewirtschaft war Thema einer Konferenz dieser Tage in Brüssel. Die gesetzliche Grundlage für Projekte wie dieses wurde mit dem Paket für "Saubere Energie für alle Europäer" geschaffen, das Ende vergangenen Jahres verabschiedet wurde und bis Mitte übernächsten Jahres von allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden muss. Jan Steinkohl vom Generaldirektorat Energie der EU-Kommission: "Wir erwarten, dass das Konzept auch von Mitgliedsstaaten aufgegriffen wird, die bisher nur wenig oder gar keine Tradition in diesem Bereich haben. Zu den vielen Vorteilen gehören eine erhöhte öffentliche Zustimmung für erneuerbare Energieprojekte und private Investitionen in die Energiewende." Umweltorganisationen sagen dem Konzept in einer jüngst veröffentlichten Studie eine groß Zukunft voraus: bis 2050 könnten damit rund die Hälfte aller 500 Millionen Europäer ihre Energie selbst erzeugen, und damit 45% des europäischen Energiebedarfs decken.
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