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Bitterer Streit um Auschwitz-Gedenken

Europa vor dem Kriegsausbruch. Zwei Männer, die später Feinde wurden, vereinbarten einen Pakt. Hitler und Stalin beschlossen, sich nicht gegenseitig anzugreifen. Ein historisches Dokument - aber heute steht es im Zentrum einer politischen Kontroverse. Adolf Hitler sei in Polen einmarschiert, damit habe alles begonnen, so der Historiker Pieter Lagrou von der Freien Universität Brüssel. Doch die Polen sähen in der sowjetischen Befreiung ihres Landes nur einen Teil der Wahrheit. Denn dem deutschen Einmarsch sei der Nicht-Angriffspakt zwischen Hitler und Stalin vorausgegangen. Dieser Pakt habe auch die Teilung Polens zwischen beiden Diktatoren vorgesehen. Nach dem deutschen Überfall sei zwei Wochen später die Rote Armee nach Polen einmarschiert. Während die Welt der Befreiung von Auschwitz gedenkt, wird der 75. Jahrestag von einem bitteren Streit überschattet. Im Mittelpunkt: zwei Gedenfeiern. Eine in Jerusalem, ohne den polnischen Präsidenten - die andere, nächste Woche in Polen, ohne den Präsidenten Russlands. Es seien sowjetische Soldaten gewesen, die Auschwitz befreit hätten, so Moskaus Botschafter in Brüssel Wladimir Tschitschow. Dabei habe die Rote Armee 600.000 Mann verloren. Dass Präsident Putin nicht zur Zeremonie eingeladen werde, müsse der polnische Präsident mit seinem Gewissen ausmachen. Leider versuche Polen immer wieder, die Geschichte umzuschreiben. Darauf erklärte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki: "Die Sowjetunion war alles andere als ein Befreier, sondern ein Wegbereiter von Nazideutschland und selbst ein Täter, und zwar vor und nach der Befreiung von Auschwitz. Da die Europäische Union aus der Asche des Zweiten Weltkriegs entstand, müssen wir uns gegen historische Lügen zur Wehr setzen." Politisch unterstützen die EU-Institutionen Polen. Das Parlament verabschiedete eine Resolution, in der der Hitler-Stalin-Pakt für den Kriegsausbruch verantwortlich gemacht wird. Und die Kommission verurteilte Versuche, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben. Politiker haben immer versucht, die Vergangenheit zu ihren Gunsten zu nutzen. Doch für die Regierungen in Polen und Russland sind ihre historischen Ansprüche auf Wahrheit festgemeißelt - und dürften sich daher nicht ändern.
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