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Billiges Fleisch versus Tierwohl

SPRECHERIN: Fleisch für alle: Immer billiger, immer mehr. Es muss in Massen produziert werden, in industrieller Großproduktion. Geschlachtet wird am Fließband – für Fleisch, das nur wenige Euro kostet. MANN: [Bei] vielen Sachen guckt man ja schon doch irgendwie auf den Preis, ne? Also ist das … dann wahrscheinlich der Preis in dem Sinne dann schon doch irgendwo vordergründig, aber wenn man so drüber nachdenkt, ist natürlich auch schade, dann ... weil man dann wahrscheinlich so was dann wie Massentierhaltung und Ähnliches alles unterstützt. FRAU: Ich find’s auch schade, dass man ein Tier schlachten muss für zwei, drei Euro. Also das geht gar nicht. MANN 2: Ich glaub wir sind sehr, sehr bequem in unserem Konsum, und das ist auch ein riesiges Problem, dass wir einfach ... Wir haben das Angebot. Es ist billig. Wir greifen einfach zu, aber wir wissen eigentlich gar nicht, was wir im Endeffekt damit anstellen. SPRECHERIN: Fleisch hat seinen Preis. Wer billiges Fleisch will, nimmt in Kauf, dass dahinter großes Leid steht. Immer wieder decken Tierschützer katastrophale Haltungsbedingungen auf. In einem deutschen Schweinemastbetrieb wurden heimlich Filmaufnahmen gemacht. Die Schweine sind in engen Kastenständen eingepfercht. Auslauf gibt es nicht. Die Tiere wirken apathisch. Etliche sind verletzt. Laut Gesetz ist es zulässig, dass ein Schwein auf weniger als einem Quadratmeter lebt. Die Aktivisten vom Deutschen Tierschutzbüro wollen die Verbraucher wachrütteln. Sie kämpfen für die Schließung solcher Schweinemastanlagen. FABIAN STEINECKE (Pressesprecher des Deutschen Tierschutzbüros e.V.): Für uns ist eigentlich das große Ziel, am Ende zu sagen: Wir haben keine Massentierhaltung mehr, wir haben keine Nutztierindustrie mehr, und es werden keine Tiere mehr ausgebeutet nur rein für den Konsum des Menschen. Der Mensch weiß gar nicht mehr, was dahintersteckt, wie so ’n Tier aufgezogen wird, dass da eigentlich auch ’n Leben dranhängt, damit dann dieses Fleisch dort liegt, und dass das eigentlich viel mehr wert sein müsste, als er eigentlich bezahlt. Ich glaube, dafür ist das Bewusstsein einfach über die Jahrzehnte vollkommen verloren gegangen. SPRECHERIN: Dieser Fleischer setzt darauf, dass sich die Käufer bewusst sind, dass sie eine Wahl haben. Für viele Menschen ist Fleischverzehr immer noch ein Genuss, auf den sie nicht verzichten wollen. Der Betrieb setzt auf Qualität und traditionelles Fleischerhandwerk. Die Herstellung der Wurst dauert länger und ist aufwendiger als die industrielle Produktion. Dementsprechend teurer sind die fertigen Schinkenknacker. Der Chef der Fleischerei kennt seine Zuliefererhöfe persönlich. JENS-UWE BÜNGER (Fleischermeister): Wir kaufen hauptsächlich aus bäuerlicher Haltung. Das ist uns ganz wichtig, dass wirklich aus kleinen Betrieben, die uns allen bekannt sind ... Das Fleisch hat halt einen wesentlich intensiveren Rindfleischgeschmack, den manche vielleicht schon gar nicht mehr so richtig kennen. Es hat ’ne ganz andere Zartheit. SPRECHERIN: In Deutschland kam Fleisch bis vor einigen Jahrzehnten, wenn überhaupt, nur einmal in der Woche auf den Tisch. Erst mit dem sogenannten Wirtschaftswunder in den 50er- und 60er-Jahren änderte sich das. FABIAN STEINECKE (Pressesprecher des Deutschen Tierschutzbüros e.V.): Anfang des 20. Jahrhunderts gab’s natürlich diese Massentierhaltung, Nutztierindustrie in dem System, wie wir es heute haben, einfach nicht. Und das ist heute das größte Problem darin, dass so viel Fleisch verfügbar ist und so extrem billig verkauft werden kann, weil in der Massentierhaltung einfach Wirtschaftlichkeit ganz klar über Tierwohl steht. SPRECHERIN: Das Problem: Weltweit wollen immer mehr Menschen Fleisch essen, etwa in China oder Indonesien. Weltweit isst jeder im Schnitt 45 Kilogramm pro Jahr. In Deutschland sind es sogar 60. Die Nachfrage steigt, je mehr die Preise sinken – auf Kosten der Tiere. Immer schneller und effizienter muss Fleisch erzeugt werden. Die globale Fleischproduktion hat sich in den vergangenen 50 Jahren mehr als verdreifacht und liegt aktuell bei mehr als 330 Millionen Tonnen pro Jahr. Hochwertige Fleisch- und Wurstwaren statt Billigfleisch – seit einigen Jahren liegt das in Deutschland im Trend. JENS-UWE BÜNGER (Fleischermeister): Mein Appell kann eigentlich nur an die Verbraucher sein: Er hat die Macht an der Kasse und an der Theke, sich dafür zu entscheiden, lieber einen Tag oder zwei Tage weniger in der Woche Fleisch zu essen, aber dafür mehr darauf zu achten, wo es herkommt und wie es gehalten wurde, und dementsprechend auch mehr Geld dafür auszugeben. SPRECHERIN: Den Appetit auf Fleisch muss sich niemand verderben lassen. Die Entscheidung, was und wie viel er kauft, trifft jeder selbst.
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