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Deutscher Afrika-Preis 2018 geht an Naturschützer aus Madagaskar und Tansania

44 Jahre, zwei Drittel seines Lebens. So lange setzt sich Gerald Bigurube bereits für den Schutz von Natur und Wildtieren in Tansania ein. Der 66-Jährige leitete lange Zeit die Nationalpark-Behörde TANAPA, bekämpfte Wilderei und entwickelte eine Naturschutzpolitik mit, die neben dem Schutz der Tier- und Pflanzenwelt auch die Grundbedürfnisse der Bevölkerung berücksichtigt und den Tourismus vorantreibt. Heute ist er tansanischer Landesdirektor der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. Gegen den illegalen Handel mit Rosenholz auf Madagaskar Der 46-jährige Clovis Razafimalala aus Madagaskar kämpft seit über 10 Jahren für den Schutz der Urwälder in seinem Heimatland und gegen die illegale Abholzung und den Handel mit Rosenholz. Razafimalala ist Vorsitzender der Umweltschutzorganisation Maroantsetra Lampogno, die sich vor allem im Masoala-Nationalpark - einer UNESCO-Welterbestätte - für den Erhalt der Baumbestände einsetzt. Abholzung und Korruption nahmen in Madagaskar stark zu, als das Land nach einem Coup 2009 in eine politische Krise stürzte, die sich durch Proteste gegen die autoritäre Regierung noch weiter anheizte. Heute gelten 90 Prozent der ursprünglichen Waldbestände der Insel als vernichtet. 2016 wurde Razafimalala von der Regierung festgenommen, weil er Massenproteste gegen die Holzindustrie organisiert haben soll - obwohl er zum genannten Zeitpunkt gar nicht vor Ort war. Kurz zuvor hatte er Pläne von Geschäftsleuten und örtlichen Behörden aufgedeckt, die den illegalen Export von Rosenholz nach China autorisieren sollten. "Wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz gehen Hand in Hand" Eine unabhängige Jury aus 26 Experten hat Razafimalala und Bigurube zu den Gewinnern des diesjährigen Deutschen Afrika-Preises erklärt. "Sie fanden, dass es an der Zeit sei, den Aktivisten eine Stimme zu geben, die sich für den Schutz der Natur einsetzen", sagt Ingo Badoreck, Generalsekretär der Deutschen Afrika-Stiftung (DAS), die den Preis vergibt. "Wir wollen zeigen, dass wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz Hand in Hand gehen können." Die beiden Preisträger sind auf unterschiedlichen Wegen zu ihrer Berufung gekommen: der Madagasse Razafimalala über eine zivile Bewegung, der Tansanier Bigurube über die Naturschutzbehörde. Beide bemühten sich, mit der Regierung zusammenzuarbeiten, sagt Ingo Badoreck - obwohl Razafimalala von der Regierung festgesetzt worden war. "Razafimalala hat kriminelle Netzwerke entlarvt", sagt Badoreck. Heute gebe es in der madagassischen Regierung auch Politiker, die den Bemühungen um den Naturschutz offener gegenüberstünden. Für die Arbeit von Umweltschützern eine wichtige Voraussetzung: "Wer sich erfolgreich für den Erhalt der Umwelt einsetzen will, der braucht die Regierung an Bord", sagt Badoreck. Streit um Wildtier-Reservat in Tansania Auch Bigurube kämpft gegen kriminelle Machenschaften: "Zu meiner Arbeit gehört auch die Bekämpfung von Wilderei. Das habe ich vor allem in meiner Tätigkeit als Leiter von TANPA im Selous-Reservat getan", sagt er zur DW. "Aber mein Einsatz ist nicht vorbei. So lange es einen Markt für Elfenbein und andere Tierprodukte gibt, müssen wir weiter gegen Wilderei angehen." In Tansania habe Bigurube vorbildlich gezeigt, wie das Zusammenspiel von wirtschaftlicher Entwicklung und Umweltschutz funktionieren kann, erklärt Badoreck. Tansania ist weltweit für seine Tierwelt und seine Natur bekannt, zu den beliebten Zielen vieler Touristen gehören Serengeti-Nationalpark und Ngorongoro-Krater. Fast 40 Prozent des Landes stehen heute unter Naturrschutz. Trotzdem gibt es Spannungen zwischen Natur, Wirtschaft und Gesellschaft: Die Selous Game Reserve, eines der größten verbleibenden Wild-Reservate in Afrika, stehe derzeit unter enormem Druck, sagt Badoreck: "Es gibt Pläne, das Gebiet für den Bau eines Mega-Staudamms zu nutzen. Bigurube ist einer derjenigen, die sagen: 'Sprechen wir doch erst einmal über den Nutzen des Wild-Reservats, bevor wir Fakten schaffen, die sich nicht mehr rückgängig machen lassen.'" Bigurube und Razafimalala erhalten den Deutsche Afrika-Preis bei der Verleihung im Herbst dieses Jahres. Zu den früheren Preisträgern gehören der ugandische Menschenrechtsanwalt Nicolas Opiyo und Südafrikas ehemalige Ombudsfrau Thuli Madonsela. Mitarbeit: Carolyne Robi Tsuma Autor: Sella Oneko (fm)
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