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Pakt mit dem Drachen: Triest wird Chinas Einfallstor

Die Hafenstadt Triest im äußersten Nordosten Italiens war früher ein blühender Umschlagplatz für Waren. Seit 70 Jahren allerdings geht es wirtschaftlich nur in eine Richtung - bergab. Jetzt winkt durch eine bevorstehende, aber auch international stark umstrittene Vereinbarung mit China ein großes Comeback auf der Handelsbühne - als ein italienisches Einfallstor für die moderne Neuauflage der Seidenstraße zwischen China und Europa. Der Vorstandsvorsitzende des Triester Hafens, Zeno D’Agostino, wagte einen vielversprechenden Ausblick: "Wir werden zu einem wichtigen Knotenpunkt für globalen Warenaustausch. Und wir werden an Bedeutung gewinnen, auch in den Augen der wirtschaftlichen Weltmächte. Eine davon ist gegenwärtig China." Mehreren EU-Staaten, aber vor allem den USA ist der chinesisch-italienische Schulterschluss ein Dorn im Auge. Der Sicherheitsrat der USA warnte gar, dieser Anschluss Italiens verleihe dem "räuberischen Ansatz" Chinas Legitimität. Die populistische Regierung in Rom sieht das anders. Euronews-Korrespondent Sergio Cantone kommentierte in Triest: "Der Schwerpunkt der italienischen Außenpolitik bleibt auf Europa und die Nato gerichtet. Die Übereinkunft mit China soll der stagnierenden Wirtschaft in Italien auf die Beine helfen. Doch dafür muss Rom vielleicht einen hohen politischen Preis zollen." Forza Italia: "Nicht nur naiv, sondern auch dumm" Lokale Unternehmer in Triest sind überzeugt, dass das Neugeschäft großartige Möglichkeiten bieten wird, vor allem im Bereich Dienstleistung. Logistik-Unternehmer Federico Pacorini: "Es wird sich eine Service-Wirtschaft mit einem stufenweisen Wachstum herausbilden. Speziell für Triest erhöht sich dadurch der Wert und die Bedeutung der Stadt auf dem europäischen Markt." "Il Pacco per Trieste" - "Das Paket für Triest" - überzeugt aber längst nicht alle in der Stadt. Die Partei Forza Italia startete sogar eine Anti-China-Kampagne. Lokalpolitiker Giulio Camber von der Forza Italia warnte: "Italien muss sich entscheiden zwischen der siebzigjährigen Beziehung zur weltweit größten Demokratie, Amerika, und China. Wenn die Italiener ernsthaft glauben, dass sie von beiden Seiten profitieren können, dann ist das nicht nur naiv, sondern auch dumm." Andere gehen davon aus, dass Triest von den gegenseitigen Absichtserklärungen von Italien und China profitieren wird. Zu ihnen gehört auch der Schriftsteller und Journalist Paolo Rumiz: "Ich beurteile die bilateralen Vereinbarungen als extrem positiv. Sie bieten uns nicht nur die Wiedereinstufung als Drehkreuz, speziell für die Strategien der Großmächte. So wie es hier früher war, während der florierenden Zeiten zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem frühen 20. Jahrhundert vor Beginn des Ersten Weltkriegs." Triest zieht bereits Investoren an. Doch die glorreiche Vergangenheit um jeden Preis wieder aufleben zu lassen, könnte zum Bumerang werden. Etwa wenn sich China als zu großer und zu starker Partner für den Adriaraum und Italien erweisen sollte.

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