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Plötzlich im Mittelpunkt: Das "leere Spanien"

Wenige Tage vor den Parlamentswahlen in Spanien sind die Stimmen des so genannten "leeren Spaniens" zu einem beliebten Thema für die großen Parteien geworden. Um die regionale Repräsentation der dünn besiedelten Provinzen sicherzustellen, braucht ein Kandidat hier weniger Stimmen um gewählt zu werden. Das hat in der Vergangenheit stets den großen Volksparteien geholfen. Aber in diesem Jahr teilt sich das rechte Spektrum in drei Parteien auf - und das könnte einiges ändern. Südliches Lappland - 8 Menschen pro Quadratkilometer Die Provinz Cuence gehört zum sogenannten südlichen Lappland. Hier leben weniger als 8 Menschen pro Quadratkilometer. Mit Ausnahme einiger Regionen in Lappland ist es die geringste Bevölkerungsdichte in Europa, Benjamin Prieto ist Präsident der Provinz Cuenca und seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister eines Dorfes mit 248 Einwohnern. Während seine konservative Volkspartei diese Region bisher dominiert hat, könnte die neue politische Konstellation einiges ändern. "Wenn Wähler für eine Mitte-Rechts Partei stimmen wollen in Regionen in denen es eine natürliche Mehrheit für die Spanische Volkspartei gibt, dann kann es passieren, dass sich diese Mehrheit aufgrund der Verteilung der Stimmen verschiebt und stattdessen eine andere politische Kraft gewinnt, die nicht das ist, was die Wähler wollten." Das spanische Parlament hat 350 Sitze. In den dünn besiedelten Regionen, in denen nur zwischen 2 und 5 Sitze pro Provinz gewählt werden, sind 101 Sitze offen. Das sind fast genau so viele wie in den fünf bevölkerungsreichsten Provinzen. Das spanische Wahlsystem sieht keine proportionale Verteilung vor und bevorzugt stattdessen die Parteien mit den meisten Stimmen. Das soll stabile Mehrheiten garantieren, Proteste gegen die Landflucht Trotz des gestiegenen Interesses an den ländlichen Regionen sind der Erwartungen der Wähler gering. Frustriert vom Stillstand der Politik protestieren Ende März Tausende Einwohner des "leeren Spaniens" in Madrid gegen die Landflucht. Viele von Ihnen kommen aus Zamora, der Provinz die im Jahr 2018 die meisten Einwohner verloren hat. Wie auch in Cuence sind hier 3 Sitze zu vergeben. Anwohner wie Ana Morillos, Sprecherin der Platform Viriatos Zamora, kämpfen dafür, dass ihr Ort nicht in Vergessenheit gerät, "Politiker können keine Lösung anbieten für das vergessene Spanien. All die Maßnahmen und alles was jetzt versprochen wird, ist nur Wahlkampfgetöse. In gewisser Weise haben die Politiker dieses verlasse Spanien selbst kreiert. Aus irgendeinem Grund gibt es eine programmierte Landflucht. Wir wollen nicht, dass das Geld, das die EU in unsere Region investiert, für Zwecke ausgegeben wird, die uns nicht helfen, so wie Feldversuche mit Müllsystemen, industrieller Landwirtschaft und Viehzucht." "Das Thema muss auf die Agenda" Für den Politikwissenschaftler Manuel Mostaza, der selbst aus der ländlichen Region Sanabria an der portugiesischen Grenze stammt, ist die Diskussion um das ländliche Spanien der erste Schritt, den Bürgern dort mehr Rechte zu verschaffen. "Durch den Durchbruch der liberalen Ciudadanos, einer extrem linken Partei wie Podemos und eine weitere extreme rechte Partei wie Vox, können sich die großen Parteien nicht mehr sicher sein, Ihren Sitz in Zamora zu gewinnen. Das hat einen positiven Effekt. Endlich reden wir über das leere Spanien. Denn jetzt ist es für keine der Parteien mehr so einfach, einen Sitz in Zamora zu gewinnen, und dadurch finden die Probleme dort den Weg auf die politische Agenda. Ich glaube, um ein Problem zu lösen muss es erstmal auf der Tagesordnung stehen." Der Kampf um die Wählerstimmen im so genannten "leeren Spanien" hat gerade erst angefangen. Jetzt werden wir sehen ob das Interesse der Parteien für die spärlich besiedelten Regionen von Spanien nach dem Wahltag verschwindet oder ob der Hilferuf der Einwohner endlich auch Ergebnisse liefert.
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