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Verrückte Särge für die letzte Reise

SPRECHER: Der Besitzer dieser Bierflasche auf Rädern ist ein lebenslustiger Mensch, aber auf den Tod hat er sich vorbereitet wie kaum ein anderer. Denn in diesem Gefährt wird Martin Brunnschweiler eines Tages seine letzte Reise antreten. MARTIN BRUNNSCHWEILER: Es ist seltsam? Nein, es ist sehr bequem! Ich weiß, wahrscheinlich sieht es für einige Leute gruselig aus. Aber das stört mich nicht. Am Ende wird der Tod jeden ereilen. Das ist eben die Realität. Man sollte es einfach etwas leichter nehmen. SPRECHER: Der 47-jährige Brite hat sein Leben dem Bier gewidmet. Er braut Bier auf der „Isle of Man“. Vor 30 Jahren hat ihm sein Bruder das passende Gefährt dazu gebastelt. Aus einem alten Citroën wurde die fahrende Bierflasche, die hier auf der Insel jeder kennt. Dann hörte er von einer Firma, die Särge auf Wunsch baut. MARTIN BRUNNSCHWEILER: Es ist ein Kunstwerk, und ich bin stolz, dieses Fahrzeug für meine letzte Reise zu haben. Ich mag dieses Innenfutter. Es ist sehr luxuriös. SPRECHER: Anfertigen ließ er sich seine kuriose Kiste bereits vor sechs Jahren. MARTIN BRUNNSCHWEILER: Man kann sehen, dass es alles handgemacht ist: alle diese kleinen Details aus Holz, wirklich alles, diese kleinen Scheibenwischer, die Spiegel. Ich liebe die Malereien. Es ist alles von Hand gemalt. Ich liebe das Ganze. SPRECHER: Gebaut wurde der außergewöhnliche Sarg im englischen Nottingham. In der Sargmanufaktur „Vic Fearn“ unter der Marke „Crazy Coffins“ sind in den letzten Jahren mehrere einhundert verrückte Särge entstanden. Gemeinsam mit seinen Kollegen entwirft und baut John Voce die Friedhofs-Hingucker. Dies wird ein Flugzeug. Zwischen 1.000 und 3.500 Euro kostet so ein handgemachtes Unikat. JOHN VOCE (Sargbauer): Ich denke, das technisch Herausforderndste war der Rolls Royce, weil wir für alles eigene Formen machen mussten, sogar für die Schutzbleche. Wir mussten sie biegen, ausprobieren, was klappt, und dann kleben. Also, da steckt wirklich viel Arbeit drin. SPRECHER: Im Lagerraum der Sargmanufaktur stehen neben Kopien auch Originale, die auf ihren Einsatz warten. Oft können die Trauergäste später leicht erraten, was der Verstorbene im Leben besonders schätzte oder was sein größter unerfüllter Traum war. JOHN VOCE: Der Mann, der das hier bestellt hat, ist ein großer Blackpool Fan. Das ist sein Fußballklub-Logo. Er ist noch quicklebendig und er war hiermit schon auf einigen Ausstellungen. SPRECHER: Doch nicht alles ist amüsant. Manchmal müssen die Sargmacher auch mit ihren Gefühlen kämpfen – vor allem, wenn es um Kinder geht. JOHN VOCE: Das war das Musikinstrument eines Kindes. Und dann erfährt man, dass es plötzlich gestorben ist, und wir hatten nicht viel Zeit es herzustellen. Das ist dann ziemlich traurig. SPRECHER: Für sich selbst hat John Voce noch keinen Sarg gemacht, auch wenn er schon klare Vorstellungen hat. JOHN VOCE: Wenn ich mir einen bauen würde, dann wäre es wahrscheinlich ein Ferrari-Rennwagen. Ich liebe Ferraris. Irgendwann mache ich das vielleicht, das wäre lustig. SPRECHER: Schon jetzt seine Beerdigung als einen gelungenen Abgang vorzubereiten, diese verrückte Idee hat Martin Brunnschweiler seiner Frau zunächst verschwiegen. Doch dann machte er eine Ausstellung über seine Brauerei, und der Sarg durfte nicht fehlen. MARTIN BRUNNSCHWEILER: Meine Frau findet das nicht gut. Sie hält es für makaber. Sie denkt nicht gern über solche Dinge nach. Mich freut es, wenn ich weiß: Wenn ich gehe, dann gibt es für all meine Freunde und die Menschen, die ich kenne, genug Bier. Dafür werde ich sorgen. Es ist doch schön, es dann allen so leicht zu machen, wie es eben geht. SPRECHER: Er ist bestens vorbereitet. Doch der Brite will noch lange leben und seinen Biersarg höchstens zum Probeliegen nutzen.
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