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Hitzetipps aus heißen Ländern

dw.com-Logo dw.com 27.07.2019 Uta Steinwehr

Weite Teile Deutschlands stöhnen unter Temperaturen um 40 Grad Celsius. Und auch anderswo in Europas ist es vor allem heiß. DW-Mitarbeiter berichten, wie Menschen in China, Kamerun und Indien mit der Hitze umgehen.

Provided by Deutsche Welle © Imago Images Provided by Deutsche Welle

Klimaanlagen in Zügen kapitulieren, Schienen verbiegen sich vor Hitze und sorgen für Chaos im Zugverkehr. An zwei Tagen in Folge fallen deutsche Allzeit-Temperaturrekorde. Ein Atomkraftwerk muss abgeschaltet werden, da das Kühlwasser zu warm wurde. Deutschland muss - bisher- nur wenige Tage im Jahr mit extrem heißen Temperaturen klarkommen. Die Auswirkungen sind dennoch deutlich spürbar. In anderen Regionen in der Welt müssen Menschen dagegen Jahr für Jahr mit andauernd hohen Temperaturen umgehen.

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Schwüle macht es anstrengend

In Shanghai ist vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit ein Problem, sagt Li Shitao aus der China-Redaktion der Deutschen Welle. Juli und August seien die anstrengendsten Monate in der chinesischen Küstenmetropole. "Während der Sommerferien habe ich quasi jede Stunde geduscht", erinnert sich Li an seine Schulzeit.

Im August 2018 konnten Menschen in Shanghai ihre Wohnung nicht mehr kühlen - und schliefen auf der Straße © Getty Images/AFP/J. Eisele Im August 2018 konnten Menschen in Shanghai ihre Wohnung nicht mehr kühlen - und schliefen auf der Straße

Vor 30 Jahren, in seiner Kindheit, lebte er mit seiner Familie in einer kleinen Wohnung. Die Außenwand zeigte nach Westen, wodurch die Sonne das Apartment am Nachmittag und Abend extrem aufheizte. "Du lebst quasi in einem Ofen", beschreibt Li die Situation. Besonders eingebrannt hat sich ihm eine Kindheitserinnerung: Nachts wurde er wach, weil ihm sein Vater den Rücken mit einem nassen Handtuch abrieb, um ihn abzukühlen.

Noch in den 1980er-Jahren galt in Shanghai eine Hitzefrei-Regel: Wenn die Temperatur über 35 Grad Celsius stieg, mussten Kinder nicht zur Schule und Erwachsene nicht zur Arbeit gehen. "In der Bevölkerung kursierte die Verschwörungstheorie, dass der Wetterdienst die Vorhersage immer knapp unter der Schwelle gehalten hat." An den meisten Arbeitsplätzen gibt es inzwischen Klimaanlagen, die Regel wurde abgeschafft.

Wenn in China nackte Bäuche zu sehen sind, dann ist Sommer - hier eine Szene in Hongkong © Getty Images/AFP/D. De la Rey Wenn in China nackte Bäuche zu sehen sind, dann ist Sommer - hier eine Szene in Hongkong

Mittlerweile können sich auch die meisten Menschen zu Hause eine Klimaanlage leisten; sie dauerhaft zu betreiben, sei wegen der Stromkosten eine andere Frage. Gerade ältere Menschen gehen in klimatisierte Shoppingcenter und verbringen dort den ganzen Tag, um die Kühle zu genießen, auch, wenn sie keine Einkäufe zu erledigen haben, erzählt Li. Das Einrichtungshaus Ikea sah sich sogar gezwungen, Kunden davon abzuhalten, auf den ausgestellten Sofas und Betten zu schlafen.

"Beijing Bikini" vor dem Aus

Wem zu heiß ist, der könnte sich ein Beispiel an chinesischen Männern nehmen. Schon seit Jahrzehnten ist es für sie Usus, sich bei großer Hitze bauchfrei zu präsentieren. Einfach das T-Shirt hochrollen oder hochschieben und unter die Achseln klemmen - und schon umspielt eine sanfte Brise die Körpermitte. Ein ausladender Bauch dient dabei als ideale Ablagefläche für das Oberteil. Doch den Behörden ist der im Ausland als "Beijing Bikini" bekannte Modetrend ein Dorn im Auge: Wie die Washington Post berichtet, erteilen einige chinesische Städte inzwischen mündliche Verwarnungen und sogar Geldbußen für diesen als unschicklich angesehenen Dress.

Die vergangenen Tage erinnerten Ashutosh Pandey in Bonn an die Hitze in Indien. "Die warme Brise war genauso wie im Norden." Dennoch empfindet der Wirtschaftsredakteur den Sommer in Deutschland als angenehmer, weil zahlreiche Bäume Schatten spenden und es nicht so schwül ist.

Kaum Luft zum Atmen

Immer wieder gibt es Meldungen über Hitzetote in Indien - gerade im Norden um Neu-Delhi und im Bundesstaat Rajastan. Besonders tückisch ist der Loo-Wind, ein starker und trockener Westwind. Üblicherweise ist er 45 bis 50 Grad Celsius heiß. Besonders wichtig sei es dann, sein Gesicht und seinen Kopf mit einem Tuch zu verhüllen, erklärt Pandey. "Wenn einen der Loo ungeschützt erwischt, riskiert man einen Hitzschlag."

Weht in Indien der Loo, muss ein Tuch vors Gesicht! © picture alliance/AP Photo/R. Kumar Singh Weht in Indien der Loo, muss ein Tuch vors Gesicht!

Im Mai und Juni ist es in Nordindien durchgehend heiß, das tägliche Leben geht aber trotzdem weiter. "Wir sind daran gewöhnt, während warmer Temperaturen zu arbeiten", sagt Pandey. Während der größten Hitze am Nachmittag versuchen die Menschen, nicht nach draußen zu gehen. Um nicht zu sehr ins Schwitzen zu geraten, helfen in jedem Raum Ventilatoren. Auch in Indien ist es ein verhältnismäßig neues Phänomen, dass nahezu jeder Haushalt eine Klimaanlage hat. Darunter ächzt wiederum das marode Stromnetz.

Erfrischungstipps

Als Erfrischung sind in Nordindien Gurken und Buttermilch beliebt, sagt Pandey. In Kamerun ist das Mittel der Wahl Obst wie Mangos oder Ananas, das fertig zubereitet am Straßenrand verkauft wird, wie Mariama Kouotou von der DW Akademie berichtet.

Wer nicht durch einen Dresscode eingeschränkt ist, versucht, luftige Kleidung anzuziehen: "Viele nehmen einen Regenschirm mit, den sie als Sonnenschirm nutzen." Der Spezial-Tipp in ihrer Familie: ein kühlendes Fußbad nehmen, wenn man nach Hause kommt.

Erfrischung am Straßenrand - Auch in Kamerun ist ein Eis zur Abkühlung beliebt © picture alliance/ImageBROKER/H. Heine Erfrischung am Straßenrand - Auch in Kamerun ist ein Eis zur Abkühlung beliebt

In der Hitzeperiode von Dezember bis Februar versuchen alle, Besorgungen und Termine möglichst noch am Vormittag zu erledigen. "Die Menschen sind sehr früh unterwegs", erklärt Koutou. Während ihres letzten Aufenthalts in der Hauptstadt Jaunde fing ihr Sportkurs um 6 Uhr morgens an, das Fitnessstudio war schon ab 4 Uhr geöffnet. In ihrer Schulzeit wurde beim Sportunterricht dagegen auf die Hitze kaum Rücksicht genommen, was bei den Schülern regelmäßig Nasenbluten verursacht habe.

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Autor: Uta Steinwehr

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